Bekenntnisse eines Diebes                                       Anonymus                                                                                                                                                           )	    ,  {  	          Bekenntnisse eines Diebes            Ich bin ein Dieb. Versteht das jetzt nicht falsch. Ich sage das weder aus Stolz heraus, noch sch#me ich mich meiner T#tigkeit. Diebe besitzen im Kaiserreich eine perfekte Existenzberechtigung. Die Leute sagen, wir seien unehrlich. Nat}rlich sind diese Leute typischerweise entweder H#ndler oder Priester, was mich wirklich erstaunt. Als w}rde die Schlange dem Wurm vorhalten, keine Beine zu haben.      Herrscher m&gen uns. Diebstahl in Ma*en ist gut f}r die Wirtschaft. Der Trick besteht darin, es in einer gleichm#*igen Gangart zu halten, in einer exakt abgestimmten, zeitlich einschl#fernden Weise und geringf}gigen Dosis, um die fetten Hintern davon abzuhalten, aktiv zu werden. Nat}rlich gibt es immer wieder dumme, aber talentierte Diebe, die weiterhin stehlen, Taschen leeren und noch etwas mehr stehlen. Das ist f}r niemanden gut. Hier kommt die Gilde ins Spiel.      Eine Diebesgilde ist das, was sie einen Verbrechensregler nennen. Wir besch}tzen uns gegenseitig und bestrafen die Ungeschickten und Gierigen. Die K&nige sind von uns abh#ngig, um die Amateure aus dem Gesch#ft zu halten.      Ja, gelegentlich wird uns ein K&nig zusetzen. Ich habe sogar schon ein- oder zweimal meinen Gildenmeister als Dieb im Gef#ngnis landen sehen. Irgendeine meiner Begleiterinnen hat sogar erz#hlt, dass ihr erster Gildenmeister geh#ngt wurde. Dann muss es die Diebesgilde dem K&nig heimzahlen, und - lasst Euch das von jemandem gesagt sein, der sich damit auskennt - die Ergebnisse sind ziemlich unsch&n.      Ich kam in die Gilde, wie ich es bei den meisten Dieben beobachtet habe. Es ist ein paar Jahre her, als dieser Fiesling Jagar Tharn auf dem Thron sa*, nur dass jeder dachte, er w#re der Kaiser. Der Bauernhof meiner Eltern verwandelte sich in acht @cker aus Staub und Felsen, und sie warfen mich und meine Br}der aus dem Haus. Ich war schon immer ein d}rres Etwas gewesen, aber als ich schlie*lich an der n#chsten Stadt ankam, war ich noch ein betr#chtliches St}ck d}rrer geworden.      Nur weil die Stadt etwas Erde besa*, auf der Pflanzen gedeihen konnten, machte sie das nicht viel reicher als es meine Leute waren. Ich versuchte, alle m&glichen Arbeiten zu bekommen, aber je hungriger und verwahrloster ich wurde, desto schneller  mich jemand mit Arbeit wieder vor die T}r setzen. Als schlie*lich die verregnete Jahreszeit einsetzte, kam sie wie ein Sturzbach und ich hatte keine Bleibe gefunden. Gl}cklicherweise fand ich die unverschlossene Kellert}r.      Es stellte sich heraus, dass die Eigent}mer des Hauses wie Murmeltiere schliefen, denn ich raubte sie bis aufs Hemd aus (sogar wortw&rtlich gesprochen, trotz meiner Ungeschicktheit) und sie wachten nicht einmal auf. Ich verkaufte das ganze Zeug bei einem schmutzigen Pfandleiher, den ich kannte, und verbrachte die n#chsten zwei Tage damit, wie ein Potentat zu leben. Dann bekam ich meinen ersten Besuch von der &rtlichen Diebesgilde.      Ich erinnere mich noch daran, wie der Kerl aussah, nicht jedoch genau, was er sagte. Etwas wie: "He, Junge, falls Ihr in diesen Gefilden stehlen wollt, werdet Ihr Euch der Diebesgilde anschlie*en m}ssen. Andernfalls werde ich, oder jemand wie ich, Eure d}nnen @rmchen brechen m}ssen, damit Ihr nicht mehr stehlen k&nnt."      Ich habe einige Leute gekannt, welche die Mitgliedschaft in  der Gilde abgelehnt und trotzdem weiter gestohlen haben. Ich habe einigen die Arme gebrochen. Was mich betrifft, war es das erste Karriereangebot, seit mir mein Vater bedeutet hatte, dass er mir den Kopf abrei*en w}rde, sollte ich nicht die Kuh melken. Im Vergleich dazu war der Kerl in der Taverne geradezu ein Ehrenmann. Ich habe sofort zugestimmt.      Sicher, ich musste der Gilde meinen Wert beweisen, bevor ich beitreten konnte, und selbst jetzt noch. Aber }ber zwei taugliche Arme zu verf}gen ist nur ein Teil des Vorteils. Sie haben mich ausgebildet, mich gelehrt und vor dem Gef#ngnis bewahrt. Wie viele andere Gilden k&nnen mit einem F#lschungsexperten in ihren R#umlichkeiten prahlen?      Also denkt das n#chste Mal besser nach, bevor ihr einen betr}gerischen H#ndler oder wucherischen Priester einen Dieb nennt. Es gibt Ehre unter Dieben - ich sollte es wissen.  