Der Weise                                                       Aegrothius Goth                                                                                                                                                            J    \
    {      !  \%  )      Der Weise    von Aegrothius Goth         Knattern, knistern, zischen ... flimmern, strahlend, tr}b ... das Feuer im Herd schenkt Licht und W#rme. Nichts davon scheint den alten Mann zu ber}hren. Seine angelehnte Gestalt starrt in die Flammen und die Flammen spiegeln sich in seinen tiefschwarzen Augen wieder. Indigoblaue Gew#nder reflektieren, absorbieren und verschlucken den Feuerschein zugleich und die Str#hnen der Goldf#den glitzern mit dem Flackern der Flammen. Sein Bart und Haar sind lang und schneewei*; im Feuerschein wirken sie geradezu #therisch wie bei einem G&ttling. Neben ihm liegt ein hoher Spitzhut von der Farbe seines Gewandes, an dem ebenfalls die Goldstr#hnen glitzern. Das Gesicht ist vom Alter gezeichnet und erscheint doch fast jugendlich; seine ganze Person strahlt Weisheit und einen scharfen Verstand aus. Dies ist der Weise, der in ganz Tamriel als Champion und Ratgeber aller Magienutzer bekannt ist. Seine Gedanken schweifen ab und er erinnert sich ...   - - -      Gyron Vardengroet stammte aus einer armen, bescheidenen Bretonenfamilie im Dorf Mondwacht. Er war das einzige Kind von  Frieda und Horstle Vardengroet und wurde w#hrend einer seltenen Finsternis von Tamriels Monden geboren. Bald wurde offenbar, dass er in den magischen K}nsten ungew&hnlich begabt war. Als er ein Jahr alt war fand man ihn dabei, wie er den Familienhund levitieren lie*. Die meisten Bretonen haben ein gro*es Talent f}r Magie, aber als er heranwuchs zeigte Gyron ein Talent, das seine Gleichaltrigen weit in den Schatten stellte. Der Dorfzauberer begann, ein Interesse an dem jungen Gyron zu entwickeln und nahm ihn unter seine Fittiche. Trotz der rauflustigen Neigungen des jungen Mannes schloss ihn der alte Zauberer Grungdingler ins Herz und arbeitete verbissen daran, ihm die magischen K}nste im Rahmen seiner eigenen Fertigkeiten beizubringen.      Schlie*lich war der Tag gekommen, an dem Grungdingler ihm nichts mehr beibringen konnte. Der junge Magier hatte seinen Meister }bertroffen, der von den Fragen des Zauberlehrlings nach Leben, Tod und Unsterblichkeit ziemlich beunruhigt war. Grungdingler rief ihn zu sich und gab ihm einen Brief an Morkledder, den Gildenmagister der Magiergilde von Schornhelm. Der junge Magier erz#hlte seinen Eltern von seinem Gl}ck, packte sein weniges Hab und Gut und brach nach Schornhelm auf. Nach  einer langen, vielmonatigen Reise durch die Ausl#ufer der Kurallischen Berge erreichte Gyron endlich die Tore des gro*en Stadtstaates Schornhelm hoch oben im Bergland von Hochfels.       Nach dem Leben in seinem kleinen Bretonendorf war Schornhelm wie ein Wunder f}r Gyron. Er erkundete die Stadt von einem Ende zum anderen und entdeckte schlie*lich die Magiergilde. Als er Morkledder den Brief von Grungdingler pr#sentiert hatte wurde er warm empfangen. Morkledder erkl#rte Gyron, dass er gepr}ft werden m}sse, bevor er seine weitere Ausbildung erhalten k&nne. Nach einer Nacht der Rast und Meditation wurde Gyron in die Haupthalle der Magiergilde gef}hrt, die jetzt mit allerlei Magiern gef}llt war. Es war sehr still. Der junge Magier sp}rte, wie ihm das Herz bis zum Hals schlug, als er sich dem Rat der Drei n#herte, den Anf}hrern der Magier in diesem Stadtstaat. Morkledder erhob sich und erkl#rte Gyron die verschiedenen Pr}fungen, die er durchlaufen musste, um seinen Wert als Magier zu beweisen. Dann wandte sich der J}ngling um und verlie*, die Augen s#mtlicher Magier auf ihn gerichtet, die Ratskammer um sich an die Pr}fungen zu machen, die ihm auferlegt worden waren.       Als er einige Jahre sp#ter nach Schornhelm zur}ckkehrte wurde Gyron in der Magiergilde zugelassen und in die Ratskammer gef}hrt, wo er Morkledder wiederbegegnete. Der alte Magier sah durch seine Tagebucheintr#ge, die gesammelten Artefakte und ganz besonders die Eintr#ge im Zauberbuch, die ihm Gyron pr#sentierte. Ein Ausdruck des Erstaunens breitete sich }ber das Gesicht des alten Zauberers; noch nie hatte ein Novize erreicht, was Gyron w#hrend der Pr}fungen gelungen war. Morkledder berief daraufhin eine Vollversammlung der Gilde ein und stellte Gyron als vollwertigen Zauberer vor.      Gyron blieb einige Jahre bei Morkledder und studierte eifrig. In einer Privatstunde einige Jahre nach seiner Pr}fung gab Morkledder ihm gegen}ber zu, dass ihn die Gilde in Schornhelm nichts mehr lehren k&nnte und er im Kristallturm auf der Insel Sommersend nach weiterer Erleuchtung suchen sollte.       Ein weiteres Mal packte Gyron seine Sachen und machte sich zu einer weiteren langen Reise auf. Nachdem er die Provinz Hammerfall durchquert hatte, wo er viele Abenteuer bestand, viele andere Magier traf und Erfahrungen und Wissen mit ihnen teilte,  erreichte er einige Jahre sp#ter den Kristallturm. Er h&rte Geschichten von wunderbaren Pflanzen, die in Verbindung mit anderen Elementen Tote wieder zum Leben erwecken, das Leben unter uns verl#ngern und dem Anwender sogar Unsterblichkeit verleihen konnten. Gyron war stets schnell dabei, andere Magier, die weniger erfahren waren, zu beraten und anzuleiten. Er liebte es, anderen behilflich zu sein. So machte er sich viele Freunde und im Land begannen sich Geschichten }ber diesen  au*erordentlichen Magienutzer zu verbreiten.       Als er den Kristallturm betrat wurde er von vielen Magiern begr}*t, die sich alle um seine Aufmerksamkeit rissen. Sein Ruf war ihm vorausgeeilt. Aber die Menge verstummte beim Eintritt einer #u*erst imposanten Person, ganz in indigoblaue, goldbesetzte Gew#nder gekleidet, die einen hohen Spitzhut und den sch&nsten geschnitzten Stab trug, den Gyron jemals gesehen hatte. Esthlainder, @ltester des Rates der Zauberer, sah den jungen Zauberer genau an, nickte und machte kehrt, um in den Turm zur}ckzukehren. Gyron folgte ihm ohne Z&gern. Die darauf folgende Audienz }berw#ltige den jungen Magier.        Esthlainder erz#hlte ihm, dass Gyrons Ankunft schon seit vielen Jahren vorausgesagt war und man ihn erwartet hatte. Die G&tter hatten den Magiern erz#hlt, dass einer der ihren kommen w}rde, um ihnen Anleitung, Wissen und Hilfe zu gew#hren. Gyron war dieser versprochene Champion und Anf}hrer. Gyron war unsicher und verwirrt. Wie konnte er eine so wichtige Person sein? Was musste er tun, um sein Schicksal zu erf}llen? Aus ihm sprudelten viele Fragen hervor, auf die Esthlainder keine Antworten wusste. Der @lteste schlug vor, dass Gyron eine Weile bei ihnen im Kristallturm bleiben und studieren sollte. Das tat er.       Schlie*lich war der Tag gekommen, an dem der @lteste zugab, dass der Kristallturm Gyron nichts neues mehr bieten k&nne und er die Lande Tamriels bereisen solle, um Wissen und Weisheit zu finden. Esthlainder seufzte und sagte Gyron, wie traurig er dar}ber war, dass der Kristallturm ihn verlor, aber dass sein Schicksal erf}llt werden m}sse. Mit diesen Worten }berreichte er ihm ein B}ndel, das in dasselbe wundersch&ne indigoblau eingeschlagen war wie das Gewand des @ltesten. Gyron sollte das B}ndel mitnehmen, aber es erst dann &ffnen, wenn er eine Tagesreise vom Kristallturm entfernt war.       Nach einem langen Tagesmarsch schlug Gyron an einer wundersch&nen Lichtung bei einem kristallklaren Bach sein Lager auf. "Jetzt kann ich endlich das P#ckchen des @ltesten &ffnen", dachte er. Als er das goldene Band, die das B}ndel zuschn}rte, &ffnete, entdeckte er, dass der Umschlag gar kein Umschlag war, sondern ein vorz}glich ma*geschneidertes Gewand, das mit dem des @ltesten identisch war. Als er das Gewand aufschlug, kam ein hoher, spitzer Zaubererhut hervor und mit einem "whoosh" und "pop" erschien derselbe kompliziert geschnitzte Stab, den der @lteste getragen hatte. In einer Nachricht verriet ihm der @lteste, dass das Gewand unzerst&rbar w#re und der Stab viele magische Eigenschaften f}r Gyron zum Entdecken bot. Er erkl#rte weiterhin, dass Gyron von diesem Tage an als der Weise bekannt sein w}rde.      M}de von seiner Wanderung und mit dem inneren Leuchten der Vollendendung lie* sich der Weise zur ersten Nacht seiner langen Pilgerreise durch die Lande nieder.       Nach vielen Monaten weiterer Reisen und Abenteuer kehrte der Weise nach Mondwacht zur}ck und wurde von den D&rflern  und ganz besonders seinen Eltern Frieda und Horstle w#rmstens willkommen gehei*en. Die Neuigkeit seines Kommens war ihm vorausgeeilt und die ganze Dorfgemeinschaft hatte hart gearbeitet, um f}r den Magier ein H#uschen im freundlichen Wald nahe der Stadt zu bauen und einzurichten. Nach einem Festbankett an diesem Abend zog sich Gyron an in sein neues Zuhause zur}ck.      Der Weise gew&hnte sich an sein Leben au*erhalb von Mondwacht. Er empfing viele Besucher, die von weither kamen, um ihn um Anleitung, Hilfe und Ausbildung zu ersuchen. Die Jahre vergingen. Es dauerte nicht mehr lange, bis zuerst Horstle und dann Frieda starben. Der Weise war }ber diesen Verlust am Boden zerst&rt. In seiner Trauer schwor er, den Rest seines Lebens damit zu verbringen, den Tod zu bek#mpfen, damit andere niemals eine Trauer wie die seine zu erfahren brauchten.       Er kehrte zur Gro*en Bibliothek beim Kristallturm zur}ck und erforschte die vielen Bl}ten, Kr#uter und Gew#chse, von denen er w#hrend seiner Reisen geh&rt oder die er gesehen hatte. In seinem H#uschen br}tete er unerm}dlich }ber den Zauberb}chern,  Phiolen und Pflanzensammlungen aus allen L#ndern. Er pr}fte die Tr#nke an sich selbst. Die Jahre vergingen, aber der Weise schien nicht mehr zu altern. Irgendwann fand er bei seinen Experimenten die richtige Kombination, doch konnte er nicht bestimmen, welche Kombination es gewesen war, weil die Ver#nderung h&chst subtil gewirkt hatte. Er hatte ein endloses Leben sichergestellt. Und die Jahre zogen weiter dahin.      Magier kamen und ersuchten ihn um Hilfe, die er bereitwillig gew#hrte. Der Weise gew&hnte sich an ein Leben, das darin bestand, andere zu beraten und anzuleiten und die Jahre zogen weiter dahin. Bedauerlicherweise wurde sein Ruhm so gro*, dass sich der Ruf nach seiner Hilfe nicht mehr bew#ltigen lie*. Ungern packte er seine Besitzt}mer zum letzten Mal, reiste tief in die Kurallischen Berge und baute sich eine magische Festung. Nur die w}rdigsten Anwender der Magie konnten Zugang und Hilfe des Weisen erlangen.       Wenn er allerdings seinem Herzen folgt, verl#sst der Weise selbst heute noch seinen Bergsitz und bereist das Land, um jungen Magiern zu helfen, Erfahrungen zu sammeln und daran  zu wachsen.   - - -      Knattern, knistern ... die Flammen flackern. Der alte Magier r}hrt sich, als die Erinnerungen wie das Feuerlicht verschwinden und flackern. Tock, tock, tock ... Echos eines hartn#ckigen Klopfers am gro*en Eichentor der Festung ... der Weise erhebt sich und begibt sich zum Tor. Er wei*, dass ihn ein weiterer Magier in N&ten gefunden hat und seiner Hilfe w}rdig ist.  