Maras Tr#ne                                                     Zhen                                                                                                                                                                       5    	  
    n        Maras Tr#ne    von Zhen         Nun, Kinder, wenn ihr alle zusammen kommt und still sitzen bleibt, werde ich euch die Geschichte von Maras Tr#ne und Shandars Kummer erz#hlen ...   - - -      Vor langer, langer Zeit, lange bevor eure Gro*mutter und ich geboren wurden, wuchsen zwei junge Kinder in einem Dorf weit, weit entfernt von hier auf. Sie spielten zusammen, liefen zusammen durch die W#lder, erforschten ihre kleine Welt und lernten, Dinge auch mit den Augen des anderen zu sehen. Das unterschied sie sehr von ihren Eltern, denn Shandar war der Sohn Maldors, der im Krieg gefangen genommen und gezwungen worden war, als Sklave f}r den Dorfbaron zu arbeiten. Sein Dorf und ein anderes brauchten beide das Land zwischen ihnen, um ihre Einwohner zu ern#hren, so dass sie gek#mpft und gek#mpft hatten, bis viele Dorfbewohner gestorben waren. Maldor war im Kampf verwundet und sterbend von seinen Kameraden zur}ckgelassen worden. Er wurde aufgegriffen und gezwungen, zur Strafe auf den Feldern zu arbeiten. Shandar  wurde nicht erlaubt, mit Mara zu spielen, aber sie war sehr klein und die anderen Kinder wollten nicht mit ihr spielen, daher spielte sie entgegen den Anweisungen ihres Vaters mit Shandar. Sie lernten bald, dass sie gar nicht so verschieden waren und verstanden nicht, warum ihre Eltern einander so sehr hassten.      Nun, Shandar und Mara spielten viele Jahre zusammen und als sie gr&*er wurden, lernten sie einander lieben. Ihre Eltern durften nichts davon erfahren. Sie kamen ja aus verschiedenen D&rfern, die sich immer noch bek#mpften und w}rden niemals heiraten d}rfen. Sie suchten und suchten nach einem Weg, wie sie miteinander gl}cklich werden konnten. Schlie*lich entschlossen sie sich, das Dorf zu verlassen und zusammen weit entfernt von dem Ort, an dem sie aufgewachsen waren, ein neues Leben zu beginnen.       Als sie eines Nachts ihre Flucht planten, wurden sie von der Stadtwache entdeckt. Shandar versuchte, sich zu wehren, aber sie fesselten ihn und schleppten ihn ins Dorfgef#ngnis. Mara wurde nach Hause gebracht, wo ihr Vater sehr w}tend auf sie war und ihr sagte, dass sie das Haus nicht wieder verlassen  d}rfe. Damit sie Shandar nicht mehr wiedersehen w}rde ging er zum Hof eines anderen Bauern und fragte dort, ob sein Sohn Mara heiraten w}rde. Die Hochzeit wurde f}r die folgende Woche geplant.       Unterdessen sollte Shandar f}r seinen Wagemut, sich mit Mara zu treffen, get&tet werden. Er wurde geschlagen, eingesperrt und sollte am n#chsten Tag geh#ngt werden. Als Mara herausfand, dass Shandar get&tet werden sollte, wusste sie, dass sie nicht ohne ihn leben konnte. Sie kletterte aus ihrem Fenster und lief in den Wald, wobei sie weinte und weinte. Sie lief und lief und verirrte sich bald, denn es war sehr dunkel und es gab damals noch keine Monde am Himmel, um es f}r kleine Jungen und M#dchen sicherer zu machen. Bald erreichte sie einen Teil des Waldes, den sie noch nie zuvor betreten hatte. Weil sie sehr m}de war lie* sie sich auf einem Felsen nieder.       Aber der Felsen war nun der geheime Eingang zu einer H&hle, in der ein #u*erst garstiger Ork lebte. Als er von der Jagd zur}ckkehrte, sah er Mara schlafend eingerollt auf dem Felsen liegen und dachte bei sich: "Hmm, ein leckeres kleines M#dchen,  ich sollte sie mir f}rs Fr}hst}ck aufheben!"      Er packte sie, trug sie in seine H&hle und rollte den Felsen wieder vor den Eingang, so dass sie nicht entkommen konnte. Sie war sicher, dass sie sterben m}sste und versuchte zu fliehen, aber der teuflische Ork lachte und lachte nur }ber sie, bis sie schlie*lich aufgab.      Als die Dorfbewohner bemerkten, dass Mara verschwunden war, waren sie alle ziemlich beunruhigt. Keiner von ihnen kannte den Wald sehr gut und alle f}rchteten den b&sen Ork, der dort hauste. Nur Shandar f}rchtete sich nicht. Er flehte und flehte den Baron an, ihn freizulassen, damit er Mara suchen konnte. Schlie*lich entschied sich der Baron, Shandar gehen zu lassen, weil sonst niemand mutig genug war, sich zu Maras Rettung aufzumachen. Shandar wurde also auf freien Fu* gesetzt und machte sich gleich auf in die W#lder, um sie zu retten.       Shandar suchte und suchte, aber er konnte die arme Mara einfach nicht finden. Schlie*lich setzte er sich auf einen Felsen, um sich einen Moment auszuruhen. Als er sich setzte  bemerkte er pl&tzlich einen Fetzen Stoff unter dem Stein. Es war ein St}ck von Maras Umhang! Er erkannte, dass sie irgendwo unter dem Felsen sein musste und wusste, dass der Ork sie gefangen hatte. Er dr}ckte und dr}ckte gegen den Felsen, bis es ihm endlich gelang, ihn zur Seite zu rollen. Er stieg in die H&hle des Orks hinab, konnte aber nichts erkennen, weil es dort sehr dunkel war. Als der b&se Ork h&rte, wie sich der Eingangsfelsen bewegte, versteckte er sich in den Schatten, um zu sehen, wer da in sein Heim k#me. Als er erkannte, dass es nur ein kleiner Menschenjunge war, grinste er in sich hinein und dachte: "Nun habe ich NOCH DAZU ein Mittagsmahl!"      Als Shandar n#her gekommen war, packte ihn der Ork und begann, das Leben aus ihm herauszuquetschen.       Im Dorf aber erkannten die Bewohner bald, dass sie t&richt gewesen waren, einen jungen Mann allein in den Wald gehen zu lassen. Sie holten alle Waffen und machten sich auf, die beiden verlorenen Kinder zu finden. Als sie schlie*lich auf eine Lichtung in der N#he der Orkh&hle kamen, bot sich ihnen ein seltsamer und wundersamer Anblick: ein erschlagener Ork beim  H&hleneingang und Mara, die den Kopf des armen Shandar in ihrem Scho* hielt. Shandar hatte den Ork get&tet, aber der hatte ihm selbst noch eine t&dliche Wunde beigebracht.       Maras hei*e Tr#nen str&mten aus ihren Augen und tropften auf Shandars Gesicht, wobei sie das Licht von den Fackeln der Dorfbewohner spiegelten. Bei dem Gedanken, dass er Mara zwar gerettet hatte, sie aber wegen seines eigenen bevorstehenden Todes nach dem Kampf mit dem Ork wieder verlieren w}rde, war Shandar von Kummer erf}llt. So rief er die G&ttin der Liebe an, die Maras Namensgeberin war, um ihm zu helfen.       Die G&ttin Mara erkannte ihre wahre Liebe zueinander und weinte um ihren Verlust. Da sie keine Macht }ber den Tod hatte, konnte sie nichts tun, um Shandar zu retten, aber sie wusste, dass sie ihre Liebe nicht sterben lassen durfte. Sie griff aus dem Himmel herab, nahm Mara und Shandar in ihre Arme und setzte sie hoch oben ans Himmelzelt. So waren sie immer vereint und verbreiteten Licht in der dunklen Nacht, damit andere vor dem B&sen in der Welt sicher w#ren. Die D&rfler waren von diesem Anblick beeindruckt und schworen, die Liebe Shandars und Maras  zu ehren, indem sie mehr }ber sich selbst und ihre Nachbarn lernten, auf dass der Krieg, der nun schon l#nger w#hrte als sich noch irgendjemand erinnern konnte, sein Ende finden w}rde. Shandars Opfer f}r die eine, die er liebte, zeigte ihnen, dass er ihrer Hochachtung w}rdig war und die Menschen aus seinem Heimatdorf genauso stolz und w}rdig waren wie sie selbst.   - - -      Und daher, liebe Kinder, k&nnen wir nun jede Nacht Maras Tr#ne und Shandars Kummer ihr Leben zusammen hoch oben am Himmel f}hren sehen, wie sie den Weg f}r alle kleinen Jungen und M#dchen wie euch erleuchten.   