Die Alik'r                                                      Enric Milres                                                                                                                                                       )	   8    	  [
    :      Die Alik'r    von Enric Milres         Ich w#re wohl nie in die Alik'r-W}ste aufgebrochen, h#tte ich nicht in einer kleinen Taverne in Schildwacht Weltan getroffen. Weltan ist ein rothwardonischer Dichter, dessen Verse ich, wenn auch nur in {bersetzung, gelesen hatte. Er zieht es vor, in der alten Sprache der Rothwardonen statt in Tamrielisch zu schreiben. Einmal fragte ich ihn nach dem Grund.      "Das tamrielische Wort f}r das traumhaft k&stliche Kind g#render, seidiger, gepresster saurer Milch ist ... K#se", sagte Weltan, und ein breites L#cheln zog sich }ber sein ru*schwarzes Gesicht. "Das altrothwardonische Wort daf}r ist 'mluo'. Sagt mir nun welches Wort Ihr benutzen w}rdet, wenn Ihr ein in beide Sprachen gewandter Dichter w#rt?"      Ich bin ein Kind der St#dte und erz#hlte ihm Geschichten von L#rm und Verderbnis, von wilden N#chten, Tatkraft, Kultur und Dekadenz. Mit ehrfurchtsvoller Anerkennung vernahm er von meiner Geburtsstadt, der Kaiserstadt aus wei*em Marmor, wo die ganze B}rgerschaft schon wegen der N#he des Kaisers und der Lustration der Stra*en von ihrer Wichtigkeit }berzeugt ist. Sie sagen, dass ein Bettler in den Boulevards der Kaiserstadt  ein Mann ist, der in einem Palast lebt. {ber gew}rztem Ale erg&tzte ich Weltan mit Beschreibungen des Gewimmels auf dem Markt von Stromfeste; dem dunklen, vor sich hinbr}tenden Gramfeste; den schimmelverkrusteten Villen Kleinmottiens; den wunderbaren, gef#hrlichen Gassen von Helstrom und den imposanten Prachtstra*en des gro*en alten Einsamkeit. All dies bestaunte er, fragte nach und kommentierte.      "Ich habe das Gef}hl, als ob ich Eure Heimat, die Alik'r-W}ste, schon durch Eure Gedichte kennen w}rde, obwohl ich nie dort gewesen bin", sagte ich ihm schlie*lich.      "Oh, das tut Ihr nicht. Kein Gedicht kann die Alik'r wirklich zum Ausdruck bringen. Es kann Euch weit besser auf einen Besuch vorbereiten als der beste Reisef}hrer, aber wenn Ihr Tamriel kennenlernen und ein wirklicher Bewohner dieses Planeten sein m&chtet, m}sst Ihr hinausgehen und die W}ste selbst sp}ren."      Es kostete mich etwas }ber ein Jahr, Verpflichtungen abzusagen, Geld zu sparen (meine gr&*te Herausforderung) und  das st#dtische Leben zugunsten der Alik'r-W}ste hinter mir zu lassen. Als Reisef}hrer kaufte ich mehrere B#nde mit Weltans Gedichten.     {ber das Feuer steigt eine heilige Flamme,    Der Geister gro*er M#nner und Frauen ohne Namen,    L#ngst tote St#dte steigen und fallen in der Flamme,    Das Dioskurenlied der Offenbarung,    Berstende Mauern und todloser Stein,    Gl}hender Sand, der heilt und verzehrt.      Diese ersten sechs Zeilen aus dem Gedicht meines Freundes 'Von des Staubes Unsterblichkeit' bereiteten mich auf meinen ersten Eindruck der Alik'r-W}ste vor, aber sie werden ihr kaum gerecht. Meine armselige Feder kann die Strenge, Erhabenheit, Verg#nglichkeit und Best#ndigkeit der Alik'r nicht wiedergeben.      All die F}rstent}mer und Grenzen, welche die Reiche }ber das Land gelegt haben, l&sen sich unter der Bewegung des W}stensandes auf. Ich vermochte nie zu sagen, ob ich gerade in Antiphyllos oder Bergama war, und auch nur wenige  Einheimische konnten es mir berichten. F}r sie, und so ging es auf mich }ber, waren wir einfach in der Alik'r. Nein. Wir sind ein Teil der Alik'r. Das kommt der Philosophie des W}stenvolkes n#her.      Ich sah die heilige Flamme, von der Weltan schrieb, an meinem ersten Morgen in der W}ste: Ein gewaltiger, roter Nebel, der aussah, als k#me er aus dem tiefsten Geheimnis von Tamriel. Lange vor der Mittagssonne war der Nebel aufgel&st. Dann sah ich Weltans St#dte. Die Ruinen der Alik'r erhoben sich nach einer starken B&e des ungeb#ndigten Windes aus dem Sand und wurden von der n#chsten wieder verdeckt. Nichts ist in der W}ste von Dauer, aber nichts vergeht f}r immer.      Tags}ber verbarg ich mich im Zelt und dachte }ber das Wesen der Rothwardonen nach, das es ihnen erm&glichte, dieses ungez#hmte, ewige Land anzunehmen. Sie sind von Natur aus Krieger. Als Gruppe sind sie um nichts besser. Nichts hat f}r sie einen Wert, wenn sie nicht darum gek#mpft haben. Niemand streitet mit ihnen um die W}ste, doch die Alik'r selbst ist ein m#chtiger Gegner. Und die Schlacht geht weiter. Es ist  ein Krieg ohne Hass, ein heiliger Krieg in dem Sinn, den dieser Begriff immer meinen sollte.      Bei Nacht konnte ich eingehender }ber das Land an sich in seiner relativen Ruhe nachsinnen. Aber die Ruhe war nur #u*erlich. Die Steine brannten ihrerseits mit Hitze und Licht, die nicht von der Sonne und auch nicht den Monden Jone und Jode kamen. Die Kraft der Steine kam aus dem Herzschlag Tamriels selbst.      Zwei Jahre verbrachte ich in der Alik'r.      Diese Worte schreibend bin ich zur}ck in Schildwacht. Wir befinden uns mit dem K&nigreich Dolchsturz im Krieg um den Besitz eines grasbedeckten Felsens, der dem Wasser der Iliac-Bucht geh&rt. Alle meine Dichterkollegen, Schriftsteller und K}nstler sind ganz niedergeschlagen angesichts der Gier und des Hochmuts, der diese Menschen in die Schlacht f}hrte. Es ist ein Tiefpunkt, eine Trag&die. In altrothwardonischen Worten eine 'ajcea', eine Abw#rtsspirale.       Und doch kann ich nicht mehr betr}bt sein. In den Jahren, die ich in der Gro*artigkeit der Alik'r verbrachte, habe ich die ewigen Steine gesehen, die bestehen bleiben, w#hrend die Menschen vergehen. Ich habe mein inneres Auge in diesem weglosen, formlosen, abwechslungslosen und doch wechselhaften Land gefunden. Eingebung und Hoffnung sind ewig wie die Steine der W}ste, auch wenn die Menschen es nicht sind.  