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Schrift:Maireads Tagebuch

Auflagen des Buches

Diese Seite enthält die Schrift Maireads Tagebuch (Originaltitel: Mairead's Diary).

Inhalt

Maireads Tagebuch
von Mairead

Eintrag 3

[In unsauberer, kindlicher Handschrift, die mit der Zeit verblichen ist]

Die Dame hat mich erneut besucht. Ich mag sie nicht. Sie ist gemein! Nun, nicht gemein. Aber sie ist sehr streng. Ich glaube, sie lächelt nie. Sie redet nur immer von meiner Pflicht und meiner Verantwortung. Ich hab ihr ein Bild gemalt, und ich glaub, das hat ihr nicht mal gefallen.

Ich seh nie andere Kinder. Wohnen alle Kinder an Orten wie dem hier? Haben sie Mütter, die gütig und liebevoll sind, wie die in den Büchern? Väter, die tapfer sind und stark? Die Dame, die mich besucht, scheint mir zu kalt, um Kinder zu haben. Warum sie wohl immer wieder zu mir kommt? Ich glaube, sie mag mich nicht einmal. Sie sagt mir nur immer, was ich zu tun hab!

Ich wollte sie umarmen, aber sie hat mich weggeschoben.

Eintrag 346

Nichts von all dem kommt mir vertraut vor. Also nicht, dass ich das erwartet hätte. Sie haben mich aus dem einzigen Zuhause, das ich je kannte, hierhergebracht, ohne mir zu verraten warum. Vertrautheit ist ein Luxus, den ich nicht habe. Dennoch hätte ich erwartet, mich hier zumindest behaglich zu fühlen. Meine Gesellschaft ist die einzige, die ich je kannte. Ich dachte, sie würde mir reichen. Aber alles hier widersetzt sich mir. Das Bett ist zu hart, ich stolpere immer wieder über Furchen im Boden, und es kommt mir vor, als würden mir die Wände näherkommen.

Die Frau kommt mich nicht mehr besuchen. Ich weiß nicht, ob ich sie vermisse, oder ob ich das Gefühl von Stabilität vermisse, das sie vermittelte. Natürlich vermisse ich Kaiser Leovic nicht, der sie immer begleitete. Ich habe seine Augen schon immer gehasst. Schon als ich klein war, verfolgten sie mich in meinen Träumen.

Und jetzt? Jetzt fehlen sie mir fast. So gruselig und durchdringend sein Blick auch war, zumindest war er vorhersehbar. Vertraut.

Ich höre Flüstern an diesem neuen Ort. Ich bin vierzehn Jahre alt und zu erwachsen, um zu denken, dass irgendetwas hier mir tatsächlich Schaden zufügen könnte. Bin ich denn nicht genau deswegen hier? Weggesperrt in einen Käfig, damit nichts hinein und nichts hinaus kann? Dennoch wache ich manchmal mitten in der Nacht auf, und mein Herz pocht wie wild in meiner Brust. Es ist, als würde ich aus einem Albtraum erwachen, ohne dass ich mich daran erinnern kann, was so furchterregend war. Vielleicht liegt es auch nur an diesem Ort.

Oder aber an mir.

Eintrag 712

Meine Hände zittern noch immer. Ich kann kaum schreiben, aber ich muss das hier festhalten. Ich muss es aus meinem Kopf bekommen. Woher will ich wissen, dass es wirklich passiert ist, wenn ich es nicht aufschreibe? Wie kann ich mich selbst überzeugen, dass es kein Albtraum war?

Alles ging so schnell. Grauenhafte, verzerrt aussehende Männer wollten mich mitnehmen. Sie wollten nicht verraten warum, aber ein paar schrien einen Namen, der mir nichts sagte. Valkynaz Nokvroz.

Ich konnte meinen Augen kaum trauen. Das waren so viele! Dieses Gewölbe hatte noch nie so viele Lebewesen auf einmal gesehen. Ich hatte das Gefühl, dass die Mauern erbebten vor schierer Empörung angesichts des Lärms und der Merkwürdigkeit der ganzen Situation. Mir rauschte das Blut in den Ohren. Die verderbten Truppen, die in mein Zuhause eingedrungen waren, packten mich an den Armen, bis ich blaue Flecken hatte. Ich schlug um mich, trat nach ihnen, ich schrie, obwohl mir klar war, wie vergebens es ist. Niemand würde mich hören. Wie oft habe ich an diesem Ort geschrien in dem Wissen, dass mein Echo meine einzige Antwort bleiben würde?

Aber als ich schließlich dachte, dass sie mich haben, riss sich irgendetwas in mir frei. Es knallte wie eine Peitsche in meiner Brust und brach aus mir heraus. Ich weiß nicht mehr, ob ich Schmerz fühlte oder rein gar nichts. Die Eindrücke überwältigten mich völlig. Ich wollte schreien, aber ich hatte keine Luft mehr in meinen Lungen. Einen Augenblick lang sah ich nur noch Licht. Die Helligkeit verdrängte alles andere, sie strömte in jede Ecke, verscheuchte jeden Schatten. Und dann … nichts.

Als ich zu mir kam, war der Boden übersät mit Leichen. Die anderen waren fort. Einmal mehr war ich allein. Ich weiß nicht, was passiert, aber ich spüre, dass sich etwas ändern wird. Für immer.