| Ein Licht im Moor | |
|---|---|
| Autor | Unbekannt |
| Art | Kurzgeschichte |
| Genre | Volkslegende |
Ein Licht im Moor (engl. A Light on the Moor) ist eine volkstümliche Erzählung aus Glenumbra, die vor den trügerischen Gefahren von Mitgefühl ohne Vorsicht warnt. Der Text schildert in ruhigem, beinahe beiläufigem Ton den Tod eines Pilgers und deutet an, dass sich das Geschehen in endloser Wiederholung fortsetzt.
Inhaltsangabe
Die Geschichte berichtet von einem Pilger, der nachts durch die regennassen Moore von Glenumbra reist. Im dichten Nebel bemerkt er das Licht einer Laterne abseits der Straße und schließt daraus, dass ein anderer Reisender in Not geraten sein muss. Von Mitleid geleitet verlässt er den sicheren Weg und ruft dem vermeintlich Gestrandeten zu, erhält jedoch keine Antwort.
Während er sich durch Schlamm und fauliges Wasser vorarbeitet, verliert er zunehmend die Orientierung. Nebel und Dunkelheit verschlucken die vertraute Straße, sein Pferd und seinen Karren. Dennoch setzt er seinen Weg fort, überzeugt davon, dass zwei Seelen gemeinsam bessere Chancen haben als eine allein. Der Morast wird tiefer, er verliert erst seine Stiefel und schließlich jede Bewegungsfreiheit.
Am Ziel entdeckt der Pilger lediglich eine kleine Glaslaterne, die von einem Ast hängt, sowie eine verlassene Haube. Als das fremde Licht erlischt, erkennt er zu spät seine eigene ausweglose Lage. Der Schlamm hält ihn fest, das Wasser steigt, und trotz vergeblicher Versuche, sich an einem Baum emporzuziehen, ertrinkt er im Moor.
Die Erzählung endet mit einer Wiederholung des Anfangs: Nun ist es ein Kaufmann, der in derselben Landschaft eine Laterne im Nebel entdeckt und denselben Gedanken fasst wie der Pilger zuvor.
Analyse
Ein Licht im Moor ist eine klassische morastische Warnlegende, wie sie in den Küsten- und Sumpfregionen Hochfels’ verbreitet ist. Die Geschichte nutzt einfache, wiederkehrende Bilder – Nebel, Laternenlicht, Schlamm – um eine Atmosphäre schleichender Bedrohung zu erzeugen. Das Licht fungiert dabei nicht als Rettung, sondern als Lockmittel, dessen Ursprung bewusst ungeklärt bleibt.
Zentral ist das Spannungsfeld zwischen Mitgefühl und Selbsterhaltung. Der Pilger handelt aus Nächstenliebe und religiöser Pflicht, doch genau diese Tugenden führen ihn in den Tod. Der Text verurteilt dieses Handeln nicht offen, sondern stellt es nüchtern dar und überlässt die moralische Bewertung dem Leser. Dadurch gewinnt die Erzählung eine leise, aber nachhaltige Wirkung.
Die zyklische Struktur, die mit dem Auftreten des Kaufmanns erneut einsetzt, deutet auf eine endlose Wiederholung hin. Ob das Licht von einem übernatürlichen Wesen stammt, von den Geistern früherer Opfer oder schlicht ein natürliches Phänomen ist, bleibt offen. Diese Mehrdeutigkeit ist typisch für Volksgeschichten aus Glenumbra, in denen das Moor selbst als handelnde Macht verstanden wird.
Insgesamt ist der Text weniger eine Schreckgeschichte als eine Mahnung. Er erinnert daran, dass gute Absichten allein nicht vor den Gefahren der Welt schützen und dass manche Wege, einmal verlassen, nicht wiedergefunden werden.