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Online:Das Schreckensreich von Fürst Kürbisfratze

Das Schreckensreich von Fürst Kürbisfratze
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Diese Seite enthält den Text von Das Schreckensreich von Fürst Kürbisfratze (engl. Lord Hollowjack's Dread Realm) aus The Elder Scrolls Online.

Inhalt

Von Cuilean Darnizhaan, Psijik-Aufseher der Kluftfragmente

In Anbetracht so vieler dringlicher Angelegenheiten, sowohl weltlicher als auch metaphysischer Natur, die Tamriels Lande, seine Regierungen und Völker bedrängen, würdigen manche die Aufwendung der Ressourcen Gelehrter, die sich mit den Myriaden von Unterebenen des Reichs des Vergessens und ihren Herrschern, den sogenannten daedrischen Fürsten und Halbfürsten befassen, als Verschwendung herab. Man erachtet solche Untersuchungen als belanglos und irrelevant für das große Ganze, als ein Forschungsfeld, das der Beschäftigung eines Psijikers unwürdig ist, während es so vieles gibt, das wir bezüglich unserer unmittelbaren aurbischen Umgebung nicht begreifen. Doch diesem Gelehrten scheint „das große Ganze“ eine aus unzähligen Fäden gesponnene Tapisserie – und wer kann bei all den Kett- und Schussfäden der Realität schon mit Sicherheit sagen, was von Belang und was unwichtig ist? Ich bin der Auffassung, dass kein Interessengebiet für das Studium eines Psijikers ungeeignet ist, da alles mit allem zusammenhängt. Die Macht des Wissens ist grenzenlos: Die Macht der Unkenntnis kann Ebenerz wie Glas zersplittern lassen.

Womöglich erscheint Euch dies als unnütze und recht schwülstige Präambel, doch urteilt nicht zu früh darüber, denn wenn diese Lesung abgeschlossen ist, so glaube ich, werdet Ihr zustimmen, dass sie präzise erfasst ist. Um das durchschnittliche Nichtwissen eines Psijikers auf diesem Gebiet zu verdeutlichen, möchte ich mit einer Lektion über die wenig bekannte Ebene Detritus und deren rätselhaften Daedrafürsten Kyrb-Isfa-Tzeh, von dem Ihr möglicherweise im allgemeinen Sprachgebrauch als Kürbisfratze gehört habt, beginnen. Obschon viele Fürst Kürbisfratze als erfundenen Kobold ansehen, der immer zum Hexenfest von neuem heraufbeschworen wird, um abergläubische Bauern zu schrecken, ist er doch nur zu real, und die Geschichten, wie er unter den Erntemonden auf Friedhöfen erscheint, um die Unachtsamen das Fürchten zu lehren, gründen auf objektiven Fakten.

Lasst mich Euch die Wirklichkeit hinter den Legenden näherbringen: Bei Kürbisfratze handelt es sich um einen einzigartigen Höheren Daedra, der den Titel „Fürst der Schrecken der Sterblichen“ trägt und die beschwichtigende Anbetung von Mer und Menschen, die von Angst getrieben um göttliche Intervention bitten, als seine Domäne erachtet. Laut Kürbisfratze gehören solche Anbeter mit Herz, wenn nicht gar mit Seele, ihm, und er bezieht übernatürliche Macht aus ihrem Schrecken. Der metaphysische Mechanismus dieses „Schreckensnährens“ ist ein Mysterium, da er in keine der mystischen Kategorien der Alten Wege, wie wir Psijiker sie verstehen, passen will. Doch ebenso wie wir die Existenz von Flammenzaubern nicht leugnen können, nur weil wir keine Zerstörungsmagie studieren, können wir das daedrische Schreckensnähren nicht außer Acht lassen, nur weil wir nicht imstande sind, es zu erklären – es existieren zu viele verifizierte Berichte, die ebendies belegen.

Nun, ich sagte „Laut Kürbisfratze“, als lägen uns persönliche Aussagen oder Aufzeichnungen mündlicher Befragungen vor, auf die wir uns beziehen könnten, doch dies ist nicht der Fall: Kürbisfratze ist ein schwer fassbarer Zeitgenosse, der Sterblichen nur lange genug erscheint, um ihre am meisten gefürchteten Ängste wahr werden zu lassen. Nichtsdestotrotz kursieren viele Volkssagen der Furchtsamen, die von ihrer Angst in Form wiederholter Heimsuchungen durch Fürst Kürbisfratze in den Wahnsinn getrieben wurden – und die ich als „die von Kürbisfratze Heimgesuchten“ bezeichnen will –, die uns eine ausführliche (wenn auch fragmentarische) Literaturtradition persönlicher Berichte über den Schreckensdaedra bieten, und auf diese können wir uns beziehen, um Schlaglichter auf ihren Verfolger zu werfen. Nehmen wir beispielsweise diesen Auszug aus dem in unserer Bibliothek unter der Kennung „Heimsuchung Nr. 427“ archivierten Tagebucheintrag:

„Manchmal arbeitet Petra in Schichten über mehrere Tage, sodass sie einige Nächte tief in der Mine verbringen muss, und dann kommt Er, um mir ganz sanft zuzuhauchen, dass die Decke einstürzen wird, wie sie einst auf mich hinabstürzte, und Petra nie zurückkehren wird. Er legt seine langen, langen Finger kegelförmig aneinander, wobei seine Krallen aneinander tippen, tip-tip-tap, außer wenn er zur Untermalung seiner Aussage auf mich zeigt.“

Ein weiterer Auszug, aus Heimsuchung Nr. 112:

„… seine Zähne oh Mara seine Zähne wie kann ER so viele so lange so scharfe Zähne haben niemand sollte jemals lächeln denn ER lächelt und wenn er lächelt oh Mara errette mich …“

Und schließlich noch dies hier aus Heimsuchung Nr. 4:

„Dann erzählte er mir von seinem Reich, Detritus, und wie er sich dort die Zeit damit vertreibt, seine Sammlung zerbrochener Erinnerungen zu kategorisieren, sie als dies oder jenes zu klassifizieren, sie aus verschiedenen Blickwinkeln erneut abzuspielen, um im sterblichen Verstand neue Verletzlichkeiten zu entdecken, neue Risse in der Rüstung der Stärke und der Vernunft, die uns davor bewahrt, der Angst zu erliegen. Detritus hat kein Außen, nur ein Innen, nur Raum auf Raum aus wiederkehrenden Albträumen und innerer Qual. ‚Denn Sterbliche fürchten sich am meisten vor dem, was in ihnen ist‘, flüsterte er. ‚Und meist muss ich sie nur daran erinnern, wer sie im Inneren wirklich sind. Das reicht schon. Das reicht vollkommen.‘“

Diese Beispiele sollen genügen, doch wenn Ihr einige Zeit in der Bibliothek zubringt, um die Heimsuchungen selbst zu lesen, werdet ihr feststellen, dass sie sich in ihren Beschreibungen Fürst Kürbisfratzes auffällig ähneln: Er spricht sanft oder flüstert aus einem Mund voller langer, spitzer Zähne, und er hat lange, schlanke, gelenkige Finger mit scharfen Nägeln, „Krallen“, die aufschlitzen oder durchstehen können, meist aber nur sacht unterstreichen, was die Stimme hinter ihnen sagt. Auch die Berichte über seine Ebene im Reich des Vergessens sind stimmig, beschreiben eine klaustrophobische Abfolge kleiner Räume, die mit Haufen aus verlorenen und zerbrochenen persönlichen Gegenständen von Sterblichen angefüllt und vollgestopft sind.

Solltet Ihr also, wenn die Zeit des Hexenfestes wieder naht, hören, wie Händler und Quacksalber Witze über Fürst Kürbisfratze reißen und kleine Kinder ängstigen, indem sie mit langen Fingern vor ihren Gesichtern herumfuchteln, dann denkt an die Wahrheit hinter diesen Scherzen. Habt etwas Mitgefühl für die Geängstigten, und versucht, die Geschichten, die sie erzählen, zu glauben. Und vor allem betet, wenn es Nacht ist und Ihr Euch fürchtet, nicht um Beistand. Vielleicht gefällt Euch nicht, wie Eure Gebete beantwortet werden.