| Die Wahrheit über Vile und Barbas Zur Schrift |
|---|
Diese Seite enthält den Text von Die Wahrheit über Vile und Barbas (engl. The Vile Truth of Barbas) aus The Elder Scrolls Online.
Inhalt
Aus den Aufzeichnungen von Pelagius Habor, Daedrologe des Rates, Kaiserstadt
Jeder wahre Daedrologe hat seinen Lieblingsfürsten. Wir geben es nur selten zu, aber es ist wahr. Jeder Fürst, so grauenhaft er auch sein mag, hat eine interessante und oft zum Schreien komische Eigenart. Sheogoraths Eigenheiten sind wohlbekannt, aber wenn man genauer darüber nachdenkt, sind alle Fürsten ein wenig albern. Hircine hat den ungeschlachten Schädel eines Huftiers. Sanguine ist ein chronischer Trunkenbold. Es sind genau diese Verschrobenheiten, die die Fürsten zu einem Quell endloser Faszination für Daedrologen wie mich machen. Anders als die muffigen und distanzierten Aedra leiden die Fürsten unter denselben Neurosen, Fehlern und kindischen Fixierungen, die auch Mensch und Mer plagen. Sie sind uns ähnlicher, als wir zugeben möchten. Was mich anbelangt … Mir ist von allen daedrischen Fürsten Clavicus Vile am liebsten; und das liegt vor allem an seinem treuen Hund Barbas.
Mittlerweile bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Clavicus Vile darin einzigartig ist, dass er in zwei Gestalten existiert. Dies wird in Daedrologenkreisen natürlich lebhaft diskutiert. Viele meiner Genossen würden behaupten, dass Barbas lediglich ein größerer daedrischer Diener ist, der mit Vile nicht stärker verbunden ist als ein Pferd mit seinem Reiter. Aber betrachtet nur die Fakten. Der erste und offensichtlichste Hinweis auf ihr gemeinheitliches Wesen findet sich in der Kunst. Grobe, handgeschnitzte Götzen, die bis in die frühe Merethische Ära zurückreichen, zeigen die maskierte Figur von Clavicus Vile neben einem großen Hund; dieses Bild findet sich auch in uralten Höhlenmalereien. Ich habe alle Winkel Tamriels nach daedrischen Kuriositäten durchsucht, und auf all meinen Reisen habe ich noch nie eine Abbildung von Vile gesehen, in der Barbas nicht an seiner Seite stand. Ich habe auch schon hunderte Erfahrungsberichte aus erster Hand gelesen, in denen Begegnungen mit dem Fürsten beschrieben werden. Jeder dieser Erfahrungsberichte erwähnt Barbas. Ohne Ausnahme.
Wenn wir die Prämisse akzeptieren, dass Clavicus Vile und Barbas (zumindest in gewisser Weise) dieselbe Person sind, fragt man sich natürlich, warum dem so ist. Warum sollte ein Wesen, das über gottähnliche Macht verfügt, zulassen, dass es gespalten wird? Ich habe da mehrere Hypothesen, aber ich würde sagen, dass es dabei vor einfach um eines geht: Geselligkeit. Ein Fürst „lebt“ in beinahe völliger Isolation. Einige Fürsten wie Hermaeus Mora oder Nocturnal scheinen in dieser Einsamkeit aufzugehen. Aber alles, was wir über Clavicus Vile wissen, deutet auf ein durch und durch geselliges Wesen hin. Er liebt es, zu feilschen, er gewährt jenen, die sich auf ihn einlassen, nur zu gerne Wünsche, und er trägt eine bezaubernde Maske; jedes dieser Elemente weist auf ein Wesen hin, das Interaktion, Konversation und das Spiel liebt. Ein derart veranlagtes Wesen würde wahrscheinlich wahnsinnig werden ohne einen Gefährten, mit dem es reden, streiten und über den es sich beschweren könnte. Man könnte es sogar als eine Art Ehe ansehen, wenn auch eine invertierte. Hier werden nicht zwei zu einem, wie bei Maras Schwur, sondern einer wird zu zweien; eine paradoxe Umkehr des aedrischen Rituals.
„Aber warum ein Hund?“, fragt Ihr. Darüber habe ich mir jahrelang den Kopf zerbrochen. Auch hier kann ich wenig mehr als bloße Spekulation bieten. Ich würde sagen, dass es mit Machtrollen zu tun hat. Wenn Clavicus Vile einen größeren Anteil seines Animus abgetrennt und somit einen Gleichgestellten erschaffen hätte, würden die beiden ständig Pläne gegeneinander schmieden. Indem er einen Hund als Gegenüber erschafft, stellt Vile seine Stellung als Herr und Meister sicher. Hunde sind seit jeher das Symbol der Treue und der Unterwürfigkeit. Sie sind Diener, niemals Herren. So ist es auch mit Barbas.
Natürlich ist Barbas nicht immer ein Hund. Wie andere daedrische Fürsten kann Barbas sich in vielerlei Gestalt zeigen. Er ist bereits als Mensch und Mer aufgetreten, als Tier, als niederer Daedra, sogar als unbelebter Gegenstand! Seine Fähigkeit, seine Gestalt zu wechseln, dabei aber seinen grundlegenden Animus zu behalten, ist eine Macht, die kein anderer bekannter Daedra je nachahmen konnte … abgesehen natürlich von Fürsten. Zufall? Doch wohl nicht.
Wir werden uns nie wirklich sicher sein über die wahre Natur von Barbas, aber für mich legen die Hinweise einen Schluss nahe: Barbas und Clavicus Vile sind eine Person in zwei Gestalten. Der Herr ist auch der Diener. Der Halter ist auch der Hund. Dies ist ein einzigartiges und faszinierendes Paradoxon, und es sind genau solche Mysterien, die die Daedrologie zu einem solch lohnenswerten Studium machen!