Online:Drei Diebe, Teil 1

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Inhalt

Drei Diebe, Teil 1
Von einem unbekannten Verfasser

„Das Problem mit den Dieben heutzutage“, hob Lledos an, „ist ihr Mangel an technischen Fertigkeiten. Ich weiß, es gibt unter Dieben keine Ehre und es hat sie nie gegeben, aber es gab einmal so etwas wie Stolz, Können und zumindest ein Grundmaß an Kreativität. Und genau das treibt jeden von uns mit ein wenig Sinn für Geschichte zur Verzweiflung.“

Imalyn knallte seinen Krug Greef auf die grobe Tischplatte und erwiderte höhnisch: „Was wollt Ihr eigentlich von uns hören, B'vek? Ihr fragt uns: ‚Was tut ihr, wenn ihr eine Wache seht?' und ich sage, ‚Ich ramm ihr 'n Messer in den Rücken.' Was wär' Euch lieber? Soll'n wir sie etwa zu 'ner Partie Schlacht rausfordern?“

„So viel Ehrgeiz und so wenig Bildung“, seufzte Lledos. „Meine werten Freunde, es geht hier nicht darum, irgendeinen unbedarften Nord-Ankömmling frisch von der Fähre auszurauben. Das Gildenhaus der Schuster mag nicht gerade furchteinflößend klingen, aber heute Abend, wenn dort sämtliche eingenommenen Abgaben zwischengelagert werden, bevor man sie zur Bank bringt, wird das Sicherheitsnetz enger sein als ein Kwamahintern. Wenn ihr versucht, alle abzustechen, die euch in die Quere kommen, schafft ihr es nie bis zum Tresorraum.“

„Dann erklärt uns doch bitte mal, was genau wir stattdessen tun sollen“, sprach Galsiah ruhig, um die Lautstärke der Unterhaltung zu mäßigen. Die meisten Stammgäste des Lokals Pech und Schwefel in Tel Aruhn waren zwar schlau genug und hörten weg, aber sie wollte trotzdem lieber kein Risiko eingehen.

„Nur der gemeine Dieb“, antwortete Lledos, der langsam in Fahrt kam, während er sich noch etwas Greef nachschenkte, „rammt seinem Gegner einfach einen Dolch in den Rücken. Das mag ihn zwar töten, aber oft genug hat er dabei noch die Gelegenheit, einen Schrei auszustoßen, und außerdem wird sein Angreifer dabei über und über mit Blut besudelt. Das ist gar nicht gut. Wenn man ihm aber gekonnt die Kehle durchschneidet, erzielt man das gleiche Ergebnis, allerdings ohne Lärm zu verursachen. Und man bleibt auch noch relativ sauber dabei. Und wir wollen doch nicht, dass die Leute nach dem Überfall eine Horde blutgetränkter Schlächter durch die Straßen rennen sehen. Selbst in Tel Aruhn dürften die Leute bei solch einem Anblick Verdacht schöpfen.“

„Sein Opfer im Schlaf oder ruhend zu erwischen, ist natürlich das Allerbeste. Man hält ihm mit einer Hand den Mund zu, mit dem Daumen unter dem Kinn, und mit der anderen schlitzt man ihm die Kehle auf, wobei der Kopf schnell zur Seite gedreht werden muss, damit man kein Blut abbekommt. Wenn ihr den Kopf nicht schnell genug dreht, bekommt Ihr die volle Ladung ab. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sein Opfer also besser erwürgen, um keine meterhohen Blutfontänen zu riskieren, die bei lebenden Opfern gerne auftreten.“

„Ein Dieb aus Gnisis, den ich sehr gut kenne und dessen Namen ich nicht erwähnen werde, schwört auf die Würg-und-Schlitz-Methode. Dabei packt man das Opfer hinterrücks am Hals und schlägt seinen Schädel gegen die nächste Wand. Sobald es bewusstlos ist, durchtrennt man ihm, immer noch von hinten, die Kehle – diese Technik senkt das Risiko, sich Blutflecken einzuhandeln, praktisch auf null.“

„Bei der klassischen Technik, die weniger Gerangel bedarf als die meines Freundes, hält man dem Opfer den Mund zu und durchsägt den Hals mit drei oder vier kräftigen Streichen, ganz so, als würde man Geige spielen. Dazu benötigt man kaum Kraft, und obwohl es nicht ganz blutlos zugeht, spritzt alles nach vorne weg und kann euch nicht treffen.“

„Weiß man bereits, dass man demnächst ein paar Hälse durchschneiden wird, gibt es keinen Grund, sich nicht entsprechend darauf vorzubereiten, indem man ein wenig Zusatzausrüstung mitnimmt. Die besten Kehlenschlitzer, die ich kenne, präparieren das Heft ihrer Klinge gewöhnlich mit ein wenig wattiertem Stoff, um keine blutigen Ärmel zu bekommen. Für unser Unternehmen ist diese Methode ungeeignet, aber wenn man sicher ist, dass man nur ein, zwei Leute rasieren muss, gibt es nichts Besseres, als ihnen einen Sack über den Kopf zu stülpen, ihn ordentlich zuzuziehen, und ihnen dann den Todesstoß zu versetzen.“

Imalyn musste laut auflachen: „Könnt Ihr mir das mal vorführen?“

„Schon bald“, erwiderte Lledos. „Sofern Galsiah ihre Hausaufgaben erledigt hat.“

Galsiah brachte die frisch gestohlene Karte des Gildenhauses zum Vorschein und sie machten sich an die Ausarbeitung ihres Plans.

Die letzten Stunden waren für alle äußerst aufwühlend gewesen. Binnen nicht einmal eines Tages hatten sie sich getroffen, einen Plan geschmiedet und die nötigen Hilfsmittel gekauft oder gestohlen, und standen nun kurz davor, ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. Keiner von ihnen war sich darüber im Klaren, ob die beiden anderen von Selbstvertrauen oder Einfalt getrieben wurden, aber dennoch waren ihre Schicksale nun vereint. Das Gildenhaus würde ausgeraubt werden.