| Eine Vision der Zwillingszitadellen Zur Schrift |
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Diese Seite enthält den Text von Eine Vision der Zwillingszitadellen (engl. A Vision of the Twin Citadels) aus The Elder Scrolls Online.
Inhalt
Von Verwüster Irenian Dast
Letzte Nacht gewährte mir der Herr von Flut und Feuer einen kurzen Blick auf sein Reich.
Er kam in den leisen Augenblicken vor dem Sonnenaufgang, ein Traum, der so lebensecht war, dass er mich in meinem Bett lähmte. Meine körperlose Seele eilte über ein Ödland von Feuer und Asche. Flüsse geschmolzenen Steins wanden sich durch rasiermesserscharfe Hügel, während über ihnen ein Himmel feuriger Stürme brodelte. Vor mir erhoben sich die dunklen Mauern einer mächtigen Zitadelle. Ringe abweisender Steintürme erklommen den Hang eines brennenden Berges, bewacht von einer Legion daedrischer Krieger.
„Was ist das für ein Ort?“, fragte ich in meinem Traum, tief beeindruckt von dieser Vision.
„Ihr schaut auf die Zitadelle Hoffensbrand“, antwortete eine donnernde Stimme. Dann wurde mein Traum-Ich durch drei Tore entlang eines Pfads heißer Kohlen bis ins Herz des brennenden Berges gezogen. Dort brodelte ein Lavasee in einem gewaltigen Krater. Auf einer kleinen Insel stand ein Thron, und darauf wartete Mehrunes Dagon persönlich, groß wie ein Turm und mit den Füßen im geschmolzenen Stein.
Obwohl ich an diesem Ort nur der schiere Hauch eines Geistes war, warf ich mich demütig in den Staub vor dem mächtigen Herrn. „Gebietet mir, oh Herr, auch wenn ich nur ein unwürdiger Wurm bin!“, rief ich.
Mehrunes Dagon lächelte. „Dann erinnert Euch an das, was Ihr hier seht, Wurm“, sprach er zu mir. „Zählt die Tore von Hoffensbrand, vermesst die Türme, werdet Zeuge meiner gewaltigen Legionen. Wenn Ihr in Eure sterbliche Hülle zurückkehrt, dann erzählt allen, die Ihr trefft, von der Kraft, die ich befehlige. Ich bin die Macht, und ich bin unausweichlich. Nur in meinen Diensten können Eure erbärmlichen Leben einen Sinn finden. Kommt jetzt.“
Fürst Dagon wurde zu einer Wolke brennender Kohlen und erhob sich in die Lüfte. Ich wurde mitgeschleift in seinem Windschatten, als wir Hoffensbrand und seinen Vulkan verließen und zu einer zweiten Zitadelle emporstiegen. Diese stand hoch auf einem Gebirgspass hoch über Hoffensbrand. Hier gab es kein Feuer, keine Lavaströme, nur bitterkalte Winde, die den kargen Fels vernarbten.
Ich wurde durch stille Höfe unter zerfallenen Mauern und schwarzen Toren gezogen. Hier standen keine kampfbereiten stolzen Legionen, allein gemarterte Geister kauerten in den Schatten. In den Ruinen einer großen Halle, die ihr Dach verloren hatte, erschien Fürst Dagon wieder, grübelnd auf einem Thron aus kaltem schwarzem Stein.
Ich wagte nicht zu sprechen, aber ich wusste, ich muss. „Was ist diesem Ort widerfahren, oh Herr?“
„Dies ist der Trost der Zerstörung, die Zwillingsstätte von Hoffensbrand“, antwortete Mehrunes Dagon. „Einst herrschte ich von hier aus über mein gesamtes Reich. Ich füllte diese Hallen mit meinen Dienern und den Trophäen meiner zahllosen Siege. Aber dann verwüstete ich die Zitadelle und zerstörte alles in ihr.“
„Aber warum, Fürst Dagon?“, fragte ich, zitternd vor Angst.
„Weil ich die Zerstörung bin und ich das tun muss.“ Dagon machte eine ausladende Handbewegung in Richtung des leeren Hofes. „Erinnert Euch an die Geister, vermesst die Verheerung, werdet Zeuge der Endgültigkeit meiner Bestimmung. Wenn Ihr in Eure sterbliche Gestalt zurückkehrt, dann erzählt allen, die Ihr trefft, von dem, was Ihr gesehen habt. Durch meine Hand allein wird ihr Ende einen Sinn erhalten. Geht jetzt.“
Er entließ meinen körperlosen Geist mit einer Geste. Ich wachte schreiend in meinem Bett auf, meine Augen brennend von dem, was sie gesehen hatten. Ich weiß nicht, warum Fürst Dagon mir, einem bloßen Verheerer, erst neun Jahre in seinen Diensten, eine derartige Ehre gewährte.
Aber ich werde tun, was mein Herr mir befiehlt.