Schrift:Prinz Hews Fiaskos | ElderScrollsPortal.de

Schrift:Prinz Hews Fiaskos

Auflagen des Buches

Diese Seite enthält die Schrift Prinz Hews Fiaskos (Originaltitel: Prince Hew's Fiascos).

Inhalt

Prinz Hews Fiaskos
von Unterwesir Hafzifeh al-Yath

Prinz Hew und der Haj-Mota-Streitwagen

Hafzifeh! Ich meine, Eure Halb-Exzellenz!“ Es war Jengesh, der Page, der vom Treppehinauflaufen schwitzte. „Der Prinz möchte Euch unverzüglich sehen, in den Stallungen! Beeilt Euch!“

„Was ist?“, fragte ich, als ich Ralliballahs Elf Ritualformen unter meine Schreibunterlage schob – seit sein Versuch, den Unter-Wasser-Atem-Zauber zu erlernen, vorübergehend dazu geführt hatte, dass er nichts anderes mehr als Wasser atmen konnte, hatte der Prinz Magie im Palast verboten. (Ich hatte ihm gesagt, dass er die fünfte und sechste Silbe vertauscht hatte, doch er hatte nicht auf mich gehört.) „Vergreifen sich die Skeever wieder am Hafer?“

„Nein, nein“, grinste Jengesh verschlagen. „Das müsst Ihr Euch selbst ansehen.“

Prinz Hew ging ungeduldig vor den Türen zum Stall auf und ab, wobei er darauf Acht gab, seine goldenen Pantoffeln mit den gebogenen Zehen aus dem Dung herauszuhalten. „Ah! Da seid Ihr ja, Hafzi! Ich muss Euch etwas zeigen. Und dieses Mal weiß ich, dass Ihr beeindruckt sein werdet!“ Er winkte mit seinem in Seide gehüllten Arm seinem omnipräsenten Leibwächter zu und der Große Dhorlun schob die Stalltür in ihrer Rollvorrichtung auf.

Im Inneren befand sich das Hässlichste, was ich je zu Gesicht bekommen hatte. Es sah aus wie ein Kriegsstreitwagen der Ro'Wada, doch war es viel größer, mit vier anstatt zwei Rädern und mit einem Schirm mit goldenen Fransen auf einem goldenen Rahmen über dem Fahrerstand. Der Unterbau selbst war mit leuchtenden Regenbögen, dem selbstgewählten Symbol des Prinzen, grellbunt bemalt, und über den Rädern waren silberne Schutzbleche angebracht, damit der Fahrer nicht mit Schmutz bespritzt wird. Das ganze Vehikel sah so schwerfällig aus wie ein Ochsenkarren im Steinbruch.

„Ist er nicht prächtig?“, frohlockte der Prinz. „Er ist prächtig, nicht wahr?“, wiederholte er mit Nachdruck. „Prächtig.“

„P-prächtig. Ja, in der Tat“, stammelte ich. „Und auch … ziemlich groß. Aber mir scheint, als wären acht Pferde nötig, um ihn zu ziehen, und im Augenblick haben wir nur sechs.“

„Pferde? Pah! Pferde sind was fürs Fußvolk! Mein neuer Prinzenstreitwagen wird von … einem Haj-Mota gezogen werden.“

„Eine Teufelsschildkröte? Aber nie hat jemand einen gezähmt – das ist unmöglich. Und wo sollten Eure Hoheit ihn überhaupt her bekommen?“

„Ich habe bereits einen!“, sagte Prinz Hew, während er stolz seinen Schnauzbart zwirbelte. „Ich habe ihn von einem Bosmer-Händler, der ihn mit einschläferndem Käferrauch zähmt. Schaut selbst!“ Und er ging voraus, weiter in den Stall hinein.

Und da begann das Geschrei. Normalerweise vermeide ich ja überstrapazierte Klischees wie „markerschütternde Schreie“, aber ernsthaft, der Klang ging bis ins Mark, schreckliches Gejammer von Menschen und Pferden gleichermaßen. Morad, der Stalljunge, kam mit weit aufgerissenen Augen aus dem Gehege gerannt, gefolgt von einem Waldelfen, den ich nicht kannte. Ich stellte mich ihm in den Weg, und als er versuchte, sich an mir vorbei zu drängen, packte ich ihn bei seinen Zierhörnern. „Au! Aufhören! Rennt!“

„Sagt mir, was geschehen ist, dann lasse ich Euch gehen“, knurrte ich und unterstrich meine Worte, indem ich an dem Hörnchen drehte.

„Es ist der Haj-Mota! Er muss sich an den Schlafrauch gewöhnt haben, denn er ist aufgewacht – und vollkommen außer sich!“ Er sah zitternd über seine Schulter. „Er frisst die Pferde! Und wir stehen als Nächstes auf dem Speiseplan, also lasst mich gehen!“

Ich ließ ihn gehen. Und dann kam aus dem hinteren Stallbereich die Teufelsschildkröte, während von ihren Kiefern noch die Einzelteile der Pferde tropften. Der Haj-Mota hielt direkt auf Prinz Hew zu, der stocksteif dastand und ihn anstarrte. Mir wurde klar, dass er vor Angst erstarrt war.

Ich schaffte es nur ganz knapp, doch ich warf mich auf den Prinzen und brachte ihn somit aus der Schussbahn, bevor der Haj-Mota ihn überrannt hätte. Er lief an uns vorbei, bremste ab und machte auf dem Absatz kehrt – er war erschreckenderweise sehr wendig – und schlug mit seinem kräftigen Schwanz nach Dhorlun, woraufhin dieser in eine und sein Zweihandschwert in eine andere Richtung flogen. Dann konzentrierte er sich wieder mit roten, mordlüsternen Augen auf uns.

Ich lag der Länge nach auf Prinz Hew, der mit seinen speckigen Händen an mir zerrte und jammerte: „Rettet mich, Hafzi! Rettet mich!“ Als das Ding näher kam und seinen riesigen Schnabel öffnete, versuchte ich, mich an einen Zauber zu erinnern, an irgendeinen, doch das Geröchel des Prinzen raubte mir jeden Nerv.

Der Prinz … Röcheln … Plötzlich nahm in meinem Verstand ein Zauber Gestalt an, ich stieß ihn aus und schlug dem Haj-Mota auf seine Nase. Magicka strömte aus mir hinaus in die Bestie hinein, die blinzelte, schnaubte und anfing, den Kopf nach links und rechts zu werfen. Sie öffnete die Kiefer weit und brach in tiefes, furchteinflößendes Keuchen aus, warf dann die Beine aus und sackte mit sich stark hebenden Lungen zusammen. In weniger als einer Minute war der Haj-Mota tot, erstickt.

Da er kein Wasser zum Atmen finden konnte.

Ich half dem Prinzen auf und staubte seine seidenen Roben ab – bis auf den Bereich, mit dem er in Pferdedung gesessen hatte, was ich vorgab nicht zu bemerken. „Was … was ist mit ihm geschehen, Hafzi?“, fragte er mit zusammengekniffenen Augen. „Ihr habt doch nicht etwa Magie auf ihn angewendet, oder?“

„Das … muss eine verzögerte Reaktion auf den Käferrauch gewesen sein. Er hatte Probleme beim Atmen!“ Ich nickte energisch. „Ja, es muss am Rauch gelegen haben. Erinnert Ihr Euch, als ich den Rihad-Moschus trug und Ihr nicht aufhören konntet zu niesen? So etwas!“

„Ah. Ja. Nun, da hatten wir noch einmal Glück, nicht wahr? Dhorlun, renn hinter diesem Händler hinterher und hol mein Geld zurück! Ich werde sechs weitere Pferde kaufen müssen.“ Er sah fast zärtlich zu dem abscheulichen Streitwagen hinüber. „Vielleicht acht!“

Prinz Hew und das Dreibein-Rennen

„Hafzi!“, rief Prinz Hew, während er in mein Büro stürmte. „Ist alles für das Fest der Klingen bereit?“

Ich stand auf, während ich versuchte, Corvus Dirennis Grundlagen der Beschwörung mit einem Pergament zu bedecken.

Die Augen des Prinzen waren schneller. „Ihr lest schon wieder Direnni, nicht wahr? Ihr wisst, was ich von Magie im Palast halte, Unterwesir!“

„Das … gehört nicht mir, Eure Hoheit! Ich habe es von Jengesh, dem Pagen, konfisziert“, lächelte ich wenig überzeugend.

„Hmpf. Und weshalb tragt Ihr nicht Euren offiziellen Unterwesir-Turban?“

Ich warf einen Blick auf die entsetzliche magenta-und-grün-farbene Kopfbedeckung auf der Ecke meines Schreibtischs und konnte mich nur schwer zügeln, um nicht das Gesicht zu verziehen. „Es ist zu warm, um einen Hut zu tragen, Euer Magnifizenz.“

„Unsinn, es ist Mitte Erstsaat! Aber ich wollte wissen, ob die Vorbereitungen für das Fest im Zeitplan liegen. Ihr wisst, wie sehr mein Volk eine gute Party liebt!“

Ich schüttelte den Kopf. „Es sind Rothwardonen, Eure Hoheit. Sie gehen nicht wirklich oft auf Partys. Oder überhaupt jemals.“

„Das wird sich schon bald ändern! Also, ist alles für Heftet-dem-Kamel-den-Schwanz-fest bereit?“

„Ja, Eure Hoheit. Oder, es wird alles bereit sein, sobald Morad zurück ist. Er lässt gerade sein Bein eingipsen.“

Gorapfelfang-mit-dem-Mund?“

„Wannen, Fruchtkörbe und Handtücher sind alle fein säuberlich im Westteil des Hofes aufgereiht.“

„Das Dreibein-Rennen der Stadtwachen?“

Ich räusperte mich. „Nun, da gibt es ein Problem, Eure Großartigkeit, denn keine der Wachen hat sich dafür angemeldet. Sie … zögern, da sie sich noch daran erinnern, wie Ihr Unteroffizier Zaqudh nach dem Rennen im letzten Jahr bestraft habt.“

„Er hatte geschummelt! Ich musste ihn bestrafen! Und immerhin hat er noch die meisten seiner Zehen.“

„Dennoch, ich denke nicht, dass sie mitmachen werden.“

„Hmpf.“ Der Prinz zupfte sich gereizt an seinem Schnurrbart herum. „Was ist, wenn Ihr ihnen versichern könntet, dass ich weiß, dass sie nicht schummeln werden, indem sie ihre Beine losbinden, weil sie dazu nicht imstande sein werden?“

Das war schlecht. Es bedeutete, dass der Prinz eine Idee hatte – und es war immer schlecht, wenn der Prinz eine Idee hatte. „Was meint Ihr mit ‚nicht imstande sein‘?“, fragte ich vorsichtig nach.

„Ha, ha! Dhorlun, kommt herein“, rief er. Sein Leibwächter duckte seinen Kopf unter dem Türsturz hindurch und trat aus dem Korridor herein. „Hafzi, stellt Euch vor diese Yokuda-Urne“, wies mich der Prinz an. „Dhorlun, stellt Euch neben den Unterwesir.“

Ich zuckte mit den Schultern und wir nahmen unsere Positionen ein, der Große Dhorlun an meiner Seite, mich um eineinhalb Köpfe überragend. Prinz Hew hob seine Arme in einer geheimnisvollen Geste und ich realisierte, zu meinem Entsetzen, dass er versuchte, einen Zauber zu wirken – doch bevor ich Protest einlegen konnte, war es vollbracht. Der Zauber war gewirkt, die Magicka wogte über mich hinweg und ich fühlte, wie sich mein linkes Bein an Dhorluns rechtes schweißte. „Nein!“, schrie ich. „Hoheit, was habt Ihr getan?“

Der Prinz zwirbelte selbstzufrieden seinen Schnauzbart. „Dachtet Ihr, Ihr seid der Einzige, der Corvus Direnni lesen könnte, Hafzi? Ich nahm den Satz für die Bindung aus Korons Unabweisbare Beschwörungen und entdeckte, dass ich ihn auch nutzen konnte, um andere Dinge zu binden, nicht nur den Willen eines Daedra! Eindrucksvoll, oder?“

Ich glotzte ihn einfach nur an. In der Zwischenzeit sah der Große Dhorlun an unseren magisch-gebundenen Beinen herunter, knurrte und versuchte dann, vorwärts zu gehen. Ich musste ihn am Arm packen, um nicht hintüber zu kippen, und selbst dadurch hätte ich uns beide fast zu Boden gerissen. Dhorlun schüttelte seinen Kopf. „Das ist schlecht, Meister. Mag das nicht. Macht es weg, Meister.“

„Oh, na gut. Die Bindung sei aufgehoben!“, sagte der Prinz und machte den Zauber rückgängig, fügte jedoch einen nicht zu empfehlenden gestischen Schnörkel hinzu, der viel zu viel Magicka kanalisierte. Dhorlun und ich flogen auseinander, wurden in die entgegengesetzten Ecken des Raumes geschleudert und die uralte yokudanische Urne hinter uns zersplitterte in einer beeindruckenden Explosion.

Plötzlich erschien eine wirbelnde Wolke über dem zerbrochenen Gefäß und eine dumpf tönende Stimme schrie „Frei! FREI! Nach einem Äon eingesperrt in dieser stinkenden Kanne bin ich endlich frei!“ Die Wolke fügte sich blitzschnell zu einem schwebenden Torso mit einem behelmten Kopf und vier Armen zusammen, von denen jeder einen beachtlichen Krummsäbel in Händen hielt. „Nun nehme ich Rache an der Welt der Sterblichen!“

Die Krummsäbel begannen, bedrohlich zu wirbeln. Ich sah zu Dhorlun hinüber, doch er war mit dem Kopf voran in meiner Marmorbüste der Morwha gelandet und noch immer bewusstlos. „Hoheit!“, brüllte ich. „Nutzt Euren Zauber! Bindet dieses Ding, bevor es uns zu Horsd'œuvres verarbeitet!“

Prinz Hews Augen stierten mich erschrocken an. „Ich k-kann nicht! Der Zauber, der die Bindung aufhob, hat mich all meiner Magicka beraubt! Es ist nun an Euch, Hafzi!“

Ich duckte mich, als zwei Krummsäbel über meinen Kopf hinweg pfiffen und hinter meinem Schreibtisch einschlugen. Das Ding befand sich zwischen mir und der Tür – es WAR an mir, es zu binden, doch ich hatte schon seit Monaten keinen Zauber mehr gewirkt. Prinz Hew kreischte auf, als ein Krummsäbel die Tassel seines goldenen Fes kürzte. Korons Gefängnis, Hafzi! Das ist unsere einzige Chance!“

„Nur braucht man dafür einen Behälter, und die Urne ist nur noch ein Haufen Scherben!“

„Nehmt das!“ Und der Prinz warf mir den magenta-und-grün-farbenen Unterwesir-Turban zu.

Drei Krummsäbel schlugen in meinen Schreibtisch ein und verarbeiteten ihn zu Brennholz, während ich den Turban umstülpte und Korons Unverwüstliches Gefängnis zauberte. „NEIN!“, brüllte der Dämon, als er in dem verhassten Hut verschwand. „Ich verabscheue den Geruch von Haaröl …!“

Und dann war er fort. Ich zitterte noch immer am ganzen Leib, doch Prinz Hew blinzelte, atmete tief ein und lächelte dann. „Ach, lief doch gar nicht so schlecht, oder? Zumindest nicht so schlecht wie die Eisenregatta oder die Sache mit dem Toku-Gava-Haustierchen! Also, wo waren wir?“

Ich half dem Großen Dhorlun aus dem Marmorstaub der zerschmetterten Statue auf. „Wir waren dabei, das Dreibein-Rennen der Wache abzusagen, erinnert Ihr Euch?“

„Ich nehme an, Ihr habt recht, Hafzi. Wie so oft.“ Seine Stimmung hellte sich auf. „Ich hab's! Nach dem Gorapfel-Wettbewerb müssen sie mit ihren Armbrüsten die Frucht von den Köpfen der Verlierer schießen! Oh, und … schafft diesen Turban fort.“