| Ein nicht ganz so derbes Lied | |
|---|---|
| Autor | Unbekannt |
| Art | Lied |
| Genre | Volkslied |
Ein nicht ganz so derbes Lied (engl. A Less Rude Song) ist ein satirisches Gedicht aus dem östlichen Tamriel, das als ironische Replik auf Ein derbes Lied verstanden werden kann. In eleganterem Ton verlagert es die Perspektive von der Iliac-Bucht nach Morrowind und behauptet, dass wahre Exzesse nicht im Westen, sondern im Osten zu finden seien.
Inhaltsangabe
Der Sprecher preist zunächst die Iliac-Bucht als Ort offener Sinnlichkeit, stellt diese aber bald in Frage. Stattdessen lenkt er die Aufmerksamkeit auf Morrowind, das als wahre Heimat raffinierter und gefährlicher Lüste dargestellt wird. Die bretonischen und rothwardonischen Regionen erscheinen im Vergleich als zahm, während Dunmerkultur mit extremer Sinnesfreude und subtiler Perversion assoziiert wird. Das Gedicht endet mit der Einladung an alle, die sich in westlichen Moralvorstellungen unwohl fühlen, im Osten ihr Glück zu suchen.
Analyse
Im Gegensatz zum direkteren ["[Ein derbes Lied]]" wählt Ein nicht ganz so derbes Lied einen kultivierteren Ton, ohne dabei an satirischer Schärfe zu verlieren. Es spielt mit Erwartungen: Während das Gedicht zunächst ein weiteres Loblied auf die Freuden der westlichen Küsten zu sein scheint, entlarvt es diese bald als oberflächliche Pose und betont die „tiefere“ Verdorbenheit der östlichen Regionen, allen voran Morrowind.
Die Struktur ist elegischer, die Reimform regelmäßiger, und der Humor subtiler. Der Text arbeitet mit Gegensätzen: West gegen Ost, Schein gegen Wahrheit, modische Ausschweifung gegen tiefsitzende Begierde. Auch der Bezug auf ethnische Zuschreibungen, etwa bei Bretonen, Rothwardonen und Dunmer, ist Teil der ironischen Umwertung von Klischees. Dabei greift das Gedicht auf die Stereotypen tamrielischer Reiseliteratur zurück und unterläuft sie gezielt.
Es handelt sich um ein Werk, das sich selbst als Teil der kulturellen Debatte versteht. In seiner Form als Lied bleibt es dem Genre der populären Poesie verpflichtet, doch mit deutlicher literarischer Raffinesse.
Interpretation
Nachfolgend der Versuch einer versweisen Deutung zur literarischen und gesellschaftlichen Einordnung der zentralen Zeilen des anonymen Gedichts:
| Verszeile | Kommentar |
|---|---|
| Kommt sucht / Die Iliac-Bucht | Einstieg im Ton einer Reiseeinladung; Klassisch für Reiseliteratur oder Werbetexte. |
| Zum Herumflanieren an diesem Ort / Wirft man jegliche Kleidung fort | Kleidung als Symbol westlicher Zurückhaltung wird verspottet; Nacktheit als kultureller „Brauch“. |
| So wird gepriesen durch gesungenes Wort / In dem Lied, das erklingt, wenn die Westwinde jagen: | Metakommentar auf Lieder wie Ein derbes Lied; Westwinde stehen für Triebhaftigkeit, aber auch Flüchtigkeit. |
| Wie schön es doch sei, keine Kleider zu tragen, / Singen Damen in hohen, Herrn in tiefen Lagen. | Verspielter Verweis auf vokale Darbietung; Geschlechterrollen musikalisch kodiert. |
| Die köstlichste Sünde, durchaus keine milde, / Wo kein Moralapostel ein Hindernis bilde, | Gesteigerte Darstellung westlicher Lust, allerdings bereits mit ironischer Distanz. |
| Fände man nur in den nassen Gefilden / Der Iliac-Bucht. | Der Höhepunkt der westlichen Lust wird lokalisiert, aber gleich relativiert. |
| Doch seid Ihr geschaffen für die Sünd“, / Findet Ihr alles in Morrowind | Plötzliche Wende; Morrowind als wahrer Ort der „echten“ Sünde. |
| Denn die Wahrheit, Ihr Leute, / ist, dass nichts Wilderes heute | Ironischer Ton: Der Dichter spielt mit dramatischer Enthüllung. |
| Als bloß modische Irrungen / Und leichte Verwirrungen | Westliche Lüste werden herabgewürdigt; sie gelten als oberflächlich und harmlos. |
| Sich findet, wenn überhaupt einmal, / In Sentinel und Daggerfall. | Die Städte Schildwacht und Dolchsturz gelten hier als überbewertet; Parodie auf ihr erotisches Image. |
| Euren Fetisch, ob's Federn, Schuppen oder Flossen sind, / Das findet Ihr alles in Morrowind | Ironischer Aufruf an alle Exzentriker; Morrowind bietet mehr, auch für „besondere“ Vorlieben. |
| Es ist nur eine Erfindung der Barden / Dass Bretonen und die Rothwardonen | Anklage gegen Stereotypen in Volksliedern und Geschichtenerzählern. |
| Mehr als gewöhnliche Freuden lieben / Oder gar abartiger Unzucht erliegen. | Das Gedicht stellt sich gegen die Vorstellung, westliche Völker seien besonders „verrucht“. |
| Um echte Tollheit zu erleben / Wird der wahre Verruchte nach Osten streben. | Der Osten wird zum Ziel für wahre Exzesse erklärt; das Gedicht kehrt das Reiseziel um. |
| Wo Zurückhaltung rückstandslos zerrinnt, / Das findet Ihr alles in Morrowind | Wiederholung des Refrains; Morrowind als Kontrastmodell zur „lau(n)ischen“ Westkultur. |
| In Morrowind, / Da ist die Sünd“. | Klarer Schlussakkord des ersten Abschnitts; Morrowind als Kernbild der Lust. |
| Haltet Dunmer-Abwechslung bloß nicht für das / Was lauwarme Westler kennen als Spaß, | Die Lust der Dunmer wird als tiefgründiger, gefährlicher dargestellt. |
| Im Vergleich zu den Dunmern machen die sich kaum nass! | Sprachlich derber; im Sinne von „die Westler sind prüde im Vergleich“. |
| Man irrt sich sehr, nennt man es prüd, / Dass dem Dunkelelfen graut, wenn er Nacktheit sieht, | Auflösung eines Klischees; Dunmer sind nicht prüde, sondern komplexer in ihrer Lust. |
| Denn zu weit raffinierterer Lust es ihn zieht: | Der Dunmer liebt das Extreme, geistig wie körperlich. |
| Auf viel schlimmere Art sie sich verlustieren / Vom Aschländer bis zu den Meerestieren – | Geografische wie spektrale Ausweitung; Aschländer bis Meereswesen. |
| Herrliche Lust und Schmerz könnt Ihr spüren / In Morrowind. | Morrowind wird als Grenzgebiet zwischen Ekstase und Schmerz dargestellt. |
| Fühlt Ihr Euch nicht wohl, wo Euresgleichen sind / Findet Ihr alles in Morrowind. | Der Schlussruf: Morrowind als Ort für Ausgestoßene, Andersdenkende, Grenzgänger. |
Trivia
- Das Gedicht ist in Tonfall, Struktur und Thema eng verwandt mit Ein derbes Lied, unterscheidet sich jedoch durch eine ironischere, elegantere Machart.