| Ahnen und die Dunmer Zum Text | |
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| Autor | Unbekannt; ergänzende Anmerkung eines ungenannten Herausgebers |
| Art | Buch |
| Genre | Kultur- und religionskundlicher Leitfaden |
Ahnen und die Dunmer (engl. Ancestors and the Dunmer) ist ein Leitfaden unbekannter Urheberschaft über die Beziehungen der Dunmer zu ihren verstorbenen Angehörigen, ihre Ahnenverehrung und die Verwendung von Geistermagie. Eine ergänzende Herausgeberanmerkung ordnet die Schrift als kurz nach dem Waffenstillstand verfasste Unterweisung für fremde Besucher Morrowinds ein und erläutert spätere Veränderungen der beschriebenen Bräuche.
Inhalt
Die Verbindung zwischen Lebenden und Toten
Die Schrift beschreibt das Fortbestehen der Verstorbenen und ihre Verbindung zu den lebenden Angehörigen ihrer Familien. Blut, Rituale und Wille ermöglichen demnach den Austausch mit den Ahnen und die Teilhabe an deren Wissen und Macht.
Auch eingeheiratete Mitglieder werden durch Eide und Rituale in diese Gemeinschaft aufgenommen. Ihr Zugang zu den Ahnen des neuen Klans bleibt jedoch begrenzter als der ihrer Nachkommen, während eine Verbindung zur eigenen Herkunftsfamilie fortbesteht.
Der Familienschrein
Der Familienschrein wird als Ahnentor oder Wartetür bezeichnet und versinnbildlicht den Zugang zum Reich des Vergessens. Seine Gestalt reicht von einer kleinen Nische mit Reliquien bis zu einem eigenen Raum für die Ahnen.
Die Lebenden bringen Opfer dar, beten, erneuern Verpflichtungen und berichten über Familienangelegenheiten. Im Gegenzug erwarten sie Rat, Segnungen und Schutz.
Der Geisterwall
Die ordnungsgemäße Beisetzung der Ahnen, etwa in Nekrom, gilt als heilige Familienpflicht. Einzelne Verstorbene können jedoch gestatten, Teile ihrer Überreste zur Bewachung des Familienschreins zurückzubehalten. Diese werden durch Rituale in einen Geisterwall eingebunden und dienen den Ahnengeistern als Anziehungspunkt und Fokus.
Nach Darstellung des Buches wächst die Stärke eines solchen Schutzes mit der Menge und Macht der verwendeten Überreste. Der vom Tribunal errichtete Große Geisterwall enthält unter anderem Gebeine von Tempelhelden, Angehörigen der Häuser Indoril und Redoran sowie Überreste aus Katakomben und von Schlachtfeldern.
Die Kälte der Sterblichkeit
Die Ahnen suchen die Welt der Lebenden der Schrift zufolge nur ungern auf. Sie empfinden sie als kalt, schmerzhaft und von Verlust geprägt. Ihre Besuche erfolgen deshalb vor allem aus Pflichtgefühl und Verbundenheit mit der Familie.
Wahnsinnige Geister
Unfreiwillige Bindungen an die sterbliche Welt können Geister in den Wahnsinn treiben. Als Ursachen nennt die Schrift grausame Todesumstände, starke Bindungen an Personen oder Orte sowie die Gefangenschaft in verzauberten Gegenständen.
Auch pflichtvergessene Familienmitglieder können gegen ihren Willen zu Wächtern eines Schreins gemacht werden. Rituale sollen verhindern, dass sie ihren eigenen Angehörigen schaden. Gegenüber Eindringlingen bleiben sie gefährlich; ihre Feindseligkeit gegenüber dem eigenen Klan könne jedoch unter Umständen gegen diesen gewendet werden.
Das Reich des Vergessens
Der Verfasser betont, dass die Kulturen Tamriels das Wesen der Anderswelt unterschiedlich verstehen. Den Dunmern schreibt er eine Auffassung zu, nach der diesseitige Welt und Anderswelt zusammengehören und durch verschiedene Wege verbunden sind. Magie und Rituale ermöglichen den Austausch zwischen ihnen.
Darin vermutet er einen möglichen Grund für die besondere Vertrautheit der Elfen mit magischen Praktiken.
Fremdländische Ansichten und Nekromantie
Die Schrift stellt die dunmerischen Bräuche den Vorstellungen von Altmern, Bosmern und menschlichen Kulturen gegenüber. Während auch andere Elfen ihre Ahnen verehrten, lehnten sie deren Verbleib in der sterblichen Welt und die Ausstellung ihrer Überreste ab.
Menschen würden die Geistermagie der Dunmer häufig mit Nekromantie gleichsetzen. Der Verfasser widerspricht dieser Gleichsetzung und unterscheidet anerkannte Klanrituale von als verwerflich geltenden Praktiken.
Zugleich beschreibt er eine ungleiche Behandlung der Verstorbenen verschiedener Völker. Die Anwendung von Nekromantie auf elfische Überreste werde abgelehnt, während gegenüber den Überresten von Menschen, Orks und Tieren geringere Vorbehalte bestünden. Die kaiserlichen Gesetze schützten den Ahnenkult als Religion, sofern die Sicherheit des Reiches gewahrt bleibe.
Die Totenbeschwörung der Telvanni
Die Angehörigen des Hauses Telvanni werden als besonders befähigte Totenbeschwörer beschrieben. Die Verwendung dunmerischer Überreste gelte auch ihnen als verabscheuungswürdig. Totenbeschwörung an Tieren, Menschen, Orks und Argoniern werde dagegen praktiziert. Die Schrift gibt dabei ausdrücklich abwertende Vorstellungen über den Rang dieser Völker wieder.
Anmerkung des Herausgebers
Der Herausgeber warnt davor, sämtliche beschriebenen Praktiken als weiterhin üblich anzusehen. Seit der Abfassung hätten sich insbesondere der Umgang mit Totenbeschwörung und die Verwendung von Ahnenüberresten verändert.
Nekromantie an Angehörigen aller anerkannten Völker werde inzwischen als abscheuliches Verbrechen betrachtet. Zugleich beanspruche der Große Geisterwall einen Großteil der verfügbaren Ahnenüberreste. Private Geisterwälle seien deshalb selten geworden und würden vom Tempel als selbstsüchtig abgelehnt.
Auch Familiengrüfte und private Wartetüren hätten an Bedeutung verloren. Stattdessen würden kleine Teile der Ahnenüberreste zunehmend in örtlichen Tempeln verwahrt und verehrt.
Analyse
Das Werk erklärt Ahnenverehrung als gegenseitiges Verhältnis von Verpflichtung und Unterstützung. Die Verstorbenen bleiben Teil der Familie, gewähren Schutz und Wissen und können ihrerseits Fürsorge oder Gehorsam beanspruchen. Die erzwungene Bindung untreuer Angehöriger zeigt zugleich, dass diese Gemeinschaft auch Strafen über den Tod hinaus vorsieht.
Die Abgrenzung zur Nekromantie beruht innerhalb der Darstellung auf familiärer und religiöser Anerkennung sowie auf der Herkunft der Verstorbenen. Die abwertenden Aussagen über andere Völker sind Bestandteil dieser Sichtweise. Der Herausgeber verzeichnet hierzu einen deutlichen Wandel der anerkannten Grenzen.
Besonders wichtig ist die zeitliche Trennung zwischen Haupttext und Ergänzung. Die Herausgeberanmerkung macht das Buch zu einem Zeugnis veränderlicher Bräuche: Der Ausbau des Großen Geisterwalls und die Verlagerung der Reliquien in örtliche Tempel verändern auch die zuvor beschriebene häusliche Ahnenverehrung.