Schrift:Das Festmahl der Heiligen Coellicia | ElderScrollsPortal.de

Schrift:Das Festmahl der Heiligen Coellicia

Version vom 10. Februar 2026, 18:20 Uhr von Ddr.Peryite (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: „{{Schrift |Titel = Das Festmahl der Heiligen Coellicia |Titel_Alternativ = |Originaltitel = The Feast of Saint Coellicia V |Untertitel = |Zusatzinfo = |Autor = von Arfons Jellicandante, Fachmann der nibenesischen Küche |Online = Das Festmahl der Heiligen Coellicia I |Inhalt = ==Band I== '''Vorwort''' Lasst mich Euch willkommen heißen, werter Leser. Ich weiß nicht, ob Euch bloße Neugier oder ein brennender Durst nach kulinarischer Pro…“)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version ansehen (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Auflagen des Buches

Diese Seite enthält die Schrift Das Festmahl der Heiligen Coellicia (Originaltitel: The Feast of Saint Coellicia V).

Inhalt

Das Festmahl der Heiligen Coellicia
von Arfons Jellicandante, Fachmann der nibenesischen Küche

Band I

Vorwort

Lasst mich Euch willkommen heißen, werter Leser. Ich weiß nicht, ob Euch bloße Neugier oder ein brennender Durst nach kulinarischer Prosa zu diesen Seiten geführt hat, aber nun seid Ihr eben hier. Nur zu gern erweitere ich diesen kulinarischen Text, der wohl zu den berühmtesten aus dem Gebiet des südöstlichen Niben der Mitte der Zweiten Ära gehört, um einige Worte, die Kontext und Hintergrund erklären. Denn gewiss ist Das Festmahl der Heiligen Coellicia einer der 25 berühmtesten kulinarischen Texte aus dieser Zeit und dieser Region. Möglicherweise gehört das Werk sogar zu den besten 14.

Für Leser, die nicht aus dem Kernland des Kaiserreichs stammen, oder die nicht an das Licht der Göttlichen glauben, werde ich einige einleitende Erklärungen vorausschicken. Die folgenden Bände beschreiben ein extravagantes Festmahl, das während der Herrschaft von Kaiser Brazollus Dor stattfand, des Nachfolgers von Reman II., den viele Gelehrte jener Zeit als Freigeist kennen, der einen Großteil der Verwaltung seines Kaiserreichs an seinen Potentaten abtrat. Befreit von der Last seiner Pflicht engagierte sich Kaiser Brazollus sehr darin, die Kunst des Festmahls, des Müßiggangs und der Völlerei zu fördern, und das in einem Maß, das man bis zur Herrschaft der Langhauskaiser nicht mehr erleben sollte.

In diesem Buch geht es um das Festmahl, das Kaiser Brazollus zu Ehren der Heiligen Coellicia abhielt, einer weniger bedeutenden Märtyrerin des alessianischen Sklavenaufstands. Die Heilige Coellicia wird in der Regel während der letzten Tage von Herbstsaat mit einem Fasten geehrt, das ihres Hungertodes durch Folter gedenkt. Um die Bewunderung seiner Untertanen anzufachen, hatte Kaiser Brazollus die Idee, aus dem Fastentag einen Festtag zu machen. Um mit gutem Beispiel voranzugehen, lud er eine Legion von Köchen, Höflingen und Lebemännern zum Festmahl in seine Herbstresidenz in Leyawiin ein.

Es folgte ein zwölfstündiger Marathon mit vierzig Gerichten, angerichtet in acht Gängen zu je fünf Speisen. Ich werde die Einzelheiten über jedes Gericht jedes Ganges beschreiben, sofern nötig ergänzt durch Fußnoten zur Erbauung des Lesers.

Band II

ERSTER GANG

Anmerkung des Verfassers: Wie es Tradition bei Festen am Hofe Remans war, sollte der erste Gang den Gaumen wecken und die Eingeweide anregen.

KRÜMEL, nach altem Brauch das Einzige, was man während der Fastenzeit zu Ehren der Heiligen Coellicia essen durfte. Jeder Gast erhielt genau einen Löffel Krümel, die aus allen Backöfen zwischen Leyawiin und Bravil gesammelt worden waren. Fürstin Nie-gesehene-Hauer, die Mätresse von Kaiser Brazollus, war angeblich so ungeduldig, während der Bischof das Krümelbekenntnis vortrug, dass sie von den Löffeln fünf ihrer Nachbarn naschte.

AUSTERN, lebend serviert und am Tisch aus der Schale gelöst. Wie es am Niben üblich ist, wurde den Gästen als Beilage Olivensaft sowie eine Weinreduktion verfeinert mit gehackten Zwiebeln gereicht. Gäste, denen der Sinn nach mehr Abenteuer stand, durften ihre Auster mit einer pikanten Soße argonischen Ursprungs würzen, auf die Kaiser Brazollus schwor. Sobald die Austern verspeist waren, befahl Kaiser Brazollus, ihre Schalen unter den Armen Leyawiins zu verteilen. Es ist unklar, was die Armen seiner Meinung nach mit diesen Schalen anfangen sollten, aber Aufzeichnungen zufolge hatte Brazollus bereits mehrere Kelche Wein getrunken, als er seinen Befehl proklamierte.

ERTRÄNKTE GRANATSCHNÄBEL, im Ganzen serviert. Granatschnäbel, oder genauer gesagt die Topal-Granatschnäbel, fand man häufig auf den Tellern Adliger. Zumeist waren die Kreaturen zuvor in gewürztem Wein ertränkt worden. Direkt vor dem Servieren wurden sie gerupft, und die Speisenden aßen die Geschöpfe im Ganzen, in der Regel mit einem Tuch über dem Kopf. Vordergründig sollten so die Weindämpfe erhalten bleiben, aber in Wahrheit wollte man so die Eingeweide und Säfte unter Kontrolle halten, die oft heftig aus dem Vogel austraten, während er verzehrt wurde. Nachdem dies jahrelang so betrieben worden war, ist der Granatschnabel heute ausgestorben.

ZUNGENLAIB, mit grüner Soße aus Minze und Kerbel. Der Zungenlaib, ein weiterer gewohnter Anblick auf den Tischen der Adligen, wurde aus den Zungen von Geschöpfen nach Wahl des Haushalts hergestellt. Bei diesem Mahl waren es wohl höchstwahrscheinlich Entenzungen.

EIERBAUSCH, geröstet in Salzkohle. Brazollus war dafür bekannt, getrocknete Hühnereier zu servieren, die oft mehrere Monate lang in Lehm vergraben waren. Das Eiweiß härtete aus und nahm die Farbe von Mahagoni an, während der Dotter grün gerann. Mithilfe von Techniken, die sie von den Argoniern gelernt hatten, konnten Barzollus' Köche diese Eier mit erstaunlicher Elastizität versehen; sie bliesen sie mit Dampf auf, der mittels Nadeln durch ihre Schalen geleitet wurde, bis sie die vierfache Größe erreicht hatten. Die Gäste meinten, das erste Platzen, bei dem das getrocknete Aroma des Eis freigesetzt wurde, sei äußerst befriedigend gewesen.

* * *

ZWEITER GANG

Anmerkung des Verfassers: Nach den anfänglichen Häppchen wurde den Gästen Fisch gereicht, dessen Definition erweitert wurde auf alle Geschöpfe des Meeres, der Flüsse und der Seen.

NIBENHECHT GEFÜLLT MIT SAHNE-SAUERAMPFER, gebacken in einer Safrankruste. Dies ist ein klassisches Beispiel der Küche, die man am Niben pflegt, in einer Variation, die der Tafel von Kaiser Brazollus angemessen ist. Obwohl Safran beinahe garantiert jenseits der Mittel des durchschnittlichen Fischers war, ist das Füllen eines Fisches mit Sauerampfer und anderen Kräutern auch heute noch eine beliebte Methode der Zubereitung. Die Safrankruste stellte angeblich einen Kompromiss dar zwischen Brazollus, der den Fisch in essbares Gold hüllen wollte, und seinem Koch, der die Idee lächerlich fand.

FRISCHE KRABBENMILCH, gesaugt aus lebenden Schlammkrabben. Zu der Zeit, zu der das Festmahl der Heiligen Ceollicia stattfindet, schlüpfen auch die Schlammkrabben in der Topalbucht. Während Weibchen voller Rogen für die Teller der Armen angemessen sind, bevorzugt der Adel die köstliche und geschmacksintensive Milch der männlichen Krabben. Die Chronisten jener Zeit hielten fest, dass Brazollus, ein großer Freund von Spielen, seine Diener scheffelweise lebende Krabben auf den Tisch schütten ließ; seine Gäste mussten mit den Tieren ringen und ihnen ihre Krebsmilch nur mit den Händen und Mündern entlocken.

BIBERSCHWANZ, in Mehl gerollt und gebraten. Kaiser Brazollus ist bekannt für seine Aussage, dass Biberschwanz das beste weiße Fischfleisch sei, das man essen könne (obgleich jeder Koch Euch sagen wird, dass das Fleisch des Schwanzes fester und dunkler ist als das jedes Flussfischs). Die beschriebene Methode der Zubereitung hat wenig von der Finesse, die man andernorts auf dieser Speisekarte findet, da Brazollus seinen Biberschwanz schlicht bevorzugte.

DELFINKALB, schonend gekocht in der Milch seiner Mutter. Dieses Gericht ist eine Pervertierung eines beliebten nordischen Festmahls, bei dem ein Kalb ebenfalls in der Milch des Muttertiers gekocht wird, allerdings handelt es sich dabei um Rinder, nicht um Delfine. Es ist kaum zu beschreiben, wie delikat dieses Gericht war, da sowohl das Fleisch des Delfins als auch die Milch fester sind als bei jedem Landtier. Leider sind keine Einzelheiten zu den Gewürzen und Beilagen überliefert.

LEBER VOM SCHLACHTERFISCH, gebraten. So etabliert sie in der kulinarischen Geschichte ist, so sehr wird die Leber des Schlachterfischs in der Regel gemieden, da es schwer ist, sie zu servieren, ohne zuvor die in ihr enthaltenen Giftstoffe zu neutralisieren. Dass Brazollus mehr als hundert Gästen Schlachterfisch-Leber servierte, spricht von seinem Vertrauen in die dreißig argonischen Stammesmitglieder, die er für die Zubereitung des Gerichts angeheuert hatte. Und sie belohnten sein Vertrauen. Von allen versammelten Gästen wurde lediglich Herzog Nettio mit Blindheit und trägem Darm geschlagen.

Band III

DRITTER GANG

Anmerkung des Verfassers: Traditionsgemäß folgte auf den Fischgang ein Gemüsegang.

GEDÄMPFTES BLATTGEMÜSE, angemacht mit Oleanderküste-Vinaigrette. Ein einfacher Salat aus herzhaftem Blattgemüse, höchstwahrscheinlich Grünkohl, wurde kombiniert mit der vielleicht schockierendsten kulinarischen Entscheidung des Abends: einer Vinaigrette aus einer Oleanderküste-Reserve. Dieser aus Alinor importierte Wein ist angeblich so selten, dass man ihn nur richtig genießen kann, wenn man ihn aus einem Kelch mit einem Saphir trinkt (und, so die Hochelfen, für jeden Kelch muss ein frischer Saphir verwendet werden). Einen solchen Jahrgang dazu zu verwenden, einen Salat anzumachen, war für die einen ein Zeichen immensen Reichtums, für die anderen lediglich eine Zurschaustellung unglaublicher Dummheit.

KERN DER UMBERDATTEL, flach geklopft. Obschon viele das süße Fleisch der Umberdattel bevorzugen, gibt es einen Obstgarten vor Marbruk in Grünschatten, in dem eine sehr kernlastige Art der Frucht angebaut wird. Dieser Kern, der sowohl üppig als auch elastisch ist, wurde mit Hämmern flachgeklopft und leicht mit Knoblauchöl bepinselt.

DER TURM DER PILZE, so genannt, da das Gericht eine Höhe von mehr als dreieinhalb Metern erreichte. Dieser kunstfertig gestaltete Turm sollte angeblich dem Weißgoldturm nachempfunden sein. Leider haben keine Skizzen bis heute überdauert. Um zu verhindern, dass der Turm einstürzte, servierten Diener den Gästen Pilze zuerst vom obersten Teil, wozu sie modifizierte Stangenwaffen einsetzten.

SINMURS KAROTTE, eine Eigenkreation von Brazollus' Köchen. Das Kernstück dieses Gerichts war eine Karotte beeindruckender Proportionen, die ein Bauer vor Cheydinhal entdeckt und Brazollus' Kastellan für eine nicht genannte Summe verkauft hatte. Angeblich war sie so hoch wie ein ausgewachsener Bretone und so breit wie ein Schweinskopf. Die Karotte wurde im Ganzen in einer Grube vergraben, mit Kohlen geröstet und garniert mit Essig und Sirup serviert.

FRITTIERTER TANG, mit Aioli aus Trüffelöl. Der zähe Seetang der Inseln der Topalbucht wurde tagelang in Tee aus Corinth mariniert, bis er seine ledrige Textur verlor. Der Tang wurde in Mehl gewendet und dann auf eine Weise gefaltet, wie sie auch bei der Buchherstellung angewandt wird. Anschließend wurde er in Eischnee getunkt und mit Brotkrumen paniert, bevor er in Fett getaucht wurde. Das Ergebnis ist eine komplexe Mischung von Texturen. Eine knusprige Außenschicht, saftige Mittellagen und ein sahnig weiches Innenleben.

* * *

VIERTER GANG

Anmerkung des Verfassers: Der Korngang wird in niederen Haushalten, in denen Fleisch und Geflügel kaum in größeren Mengen zur Verfügung stehen, zumeist am Schluss gegessen.

AUGEN VON MARA, gefüllt mit Traubenmost. Diese Bälle aus Würzreis, die für gewöhnlich als Konfekt für Kinder gereicht werden, servierte Brazollus Dor als Witz zweifelhaften Geschmacks. Sein Schwager Anwentende war kurz zuvor von Piraten gefangen genommen und kastriert worden. Ob der Witz gut ankam oder kläglich scheiterte, wurde nicht für die Nachwelt festgehalten.

BRAZOLLUS' ÜBERRASCHUNGEN, serviert mit Butter und Sahne. Dies waren einfache Brötchen, die jedoch nach Brazollus' Anweisungen individuell gefüllt und zufällig unter den Gästen verteilt wurden. Überlieferungen berichten, dass die Überraschung des Kaisers mit einer lebenden Taube gefüllt war, während ein niederer Knappe in seiner Perlen groß wie Trauben fand.

ALMOSENFINGER, serviert auf traditionelle Weise. In nach akavirischen Entwürfen gebauten Öfen konnten Brazollus' Köche Salzreiskörner auf das Mehrfache ihrer Größe aufpuffen, wodurch sie eine merkwürdige Textur ähnlich Honigwaben erhielten. Tröge voll Honig gemischt mit Senf wurden an der Tafel aufgestellt. Die Gäste steckten ihre Hände in die klebrige Soße und anschließend in den Salzpuffreis. Der Salzpuffreis und die Soße wurden dann von der Hand geleckt. Ein khajiitischer Diplomat fand dieses widerliche Verfahren unvereinbar für sein reinliches Gemüt und stürmte davon. Es dauerte Jahre, bis sich die Beziehungen zwischen Cyrodiil und Elsweyr erholt hatten.

NIBENZOPF, in einer Soße aus gedünsteten Kräutern. Da man an den Nibenzopfnudeln vor allem ihre Länge schätzt, erließ Kaiser Brazollus, dass keine Nudel aus seinen Küchen kürzer als drei Meter sein dürfe.

RELIGIÖSE OBLATEN, pur serviert. An den Fastentagen der Heiligen Coellicia wurde die Oblate verspeist, um das Fasten zu brechen. Bei diesem Festmahl servierte Brazollus Oblaten, um das Ende der Fastenzeit und den Beginn des Festmahls zu verkünden (da die vorherigen Gänge keinen Schwerpunkt auf Fleisch hatten). Eine zweifelhafte Geschichte erzählt davon, dass Kaiser Brazollus die Knochen der Heiligen Coellicia ausgraben, mahlen und in das Mehl dieser Oblate mischen ließ. Das ist selbstredend absurd, da die Tradition des Heiligenmahls fast ein Jahrzehnt zuvor verboten wurde.

Band IV

FÜNFTER GANG

Anmerkung des Verfassers: Der fünfte Gang mit Wild und Geflügel stand unter dem allgemeinen Motto „Tiere der Luft“. Hierbei ist die Nähe von Leyawiin zu Schwarzmarsch zu beachten, wo ein solches Motto auch zahlreiche Kreaturen außerhalb der Vogelwelt umfassen kann.

KLIPPENSCHREITER-MEMBRAN, gedünstet in Streifen. Dieses Gericht ist nahe an einem Eintopf, aber mir wurde von Dunkelelfen gesagt, dass es eine Beleidigung ist, es einen solchen zu nennen. Das in der Provinz Morrowind beliebte Gericht wurde von Brazollus wohl als schweigende Entschuldigung an einen seiner Minister serviert, namentlich Arnus Demnevanni. Zu jener Zeit hatte der Kaiser eine heiße Affäre mit der Gattin von Minister Demnevanni.

FLEDERMÄUSE AM SPIEß, mit Joghurt und Pistazien. Einmal mehr nimmt Brazollus ein gewöhnliches Gericht und erschafft mittels hervorragenden Zutaten und meisterhafter Zubereitung eine Kreation, die einem kaiserlichen Bankett würdig ist. Damals begegnete man Fledermäusen in den Sümpfen von Schwarzmarsch in Scharen, und für viele Fischer waren sie eine reiche Fleischquelle, wenn die Fische ausblieben. Die Fledermäuse wurden mit dem Netz gefangen und bei lebendigem Leib aufgespießt und gebraten, während sie mit einer Joghurtsoße bestrichen und mit gehackten Nüssen bestreut wurden. Das Gericht war so beliebt, dass es zur kompletten Ausrottung der Fledermauspopulation am Niben führte.

REMANS GEMÜSETOPF, verfeinert mit Branntwein. Dieses Gericht ist größtenteils als Scherz zu verstehen. Obwohl Gemüsetopf wie die Fledermäuse am Spieß zunächst ein gewöhnliches Gericht ist, bietet Kaiser Brazollus alles andere als gewöhnliche Speisen. Statt Gemüse oder Hülsenfrüchten in Brühe serviert Brazollus eine Gemüsesuppe aus Entenaugen … Die Augen der Enten, deren Zungen es zu Beginn des Festmahls gab. Angeblich weigerte sich Kaiser Brazollus, seinen Gästen die Zutaten des Gemüsetopfs zu verraten, bis alle ihre Portion aufgegessen hatten.

GEFÜLLTER SCHWAN, Garnierung unbekannt. Dieses Gericht ist heute noch eine der bekanntesten der damals servierten Speisen und wird oft „Brazollus' Farcenhafte Farce“ genannt. Wir wissen, dass es als Schwan geplant war, der mit einer Vielzahl von Leckereien gefüllt ist, aber angeblich waren die Schwäne derart vollgestopft, dass sie explodierten, kaum dass sie serviert waren. Satin und Damast trieften vor Fett und Soße, sehr zum Leidwesen aller am Tisch.

GELIERTE SCHNÄBEL und andere Kostbarkeiten in Aspik, serviert mit einer Anis-Sahnesoße. Das abschließende Gericht, Schnäbel, die mittels waldelfischer Einlegekunst aufgeweicht wurden, war ganz sicher ein Festmahl für die Augen. Leider gibt es nur wenige Überlieferungen zu diesem Gang, da nach den explodierenden Schwänen, die direkt zuvor serviert worden waren, die Stimmung am Boden war.

* * *

SECHSTER GANG

Anmerkung des Verfassers: Wie bei den meisten Festmahlen gilt das Fleischgericht als der Gang, bei dem Chefkoch und Gastgeber den versammelten Gästen ihre zentrale These präsentieren. Es ist nicht näher bekannt, was Kaiser Brazollus mit diesem Gang bezwecken wollte, außer vielleicht, das Martyrium der Heiligen Coellicia in Dekadenz zu ersäufen.

GEBRATENES KAMEL, mit Lamm, Hühnern, Eiern und Nüssen. Brazollus beabsichtigte sicher, dass diese Farce das Gericht des Abends sein sollte, über das am meisten gesprochen wird, aber wie wir wissen, hat ihr sein gefüllter Schwan den Rang abgelaufen. Dennoch war das Kamel, das mit einem Lamm gefüllt war, das mit Hühnern gefüllt war, die mit Eiern gefüllt waren, die mit Nüssen überzogen waren, ein beeindruckender Anblick, zumal seine Köche es geschafft haben, das ganze Tier am Tisch zu halbieren. Angeblich lag das Aroma von Zimt noch Wochen danach in der Luft.

SIEBENSCHLÄFER auf einem Farnbett. In gewohnter Dekadenz hat Brazollus angeblich jedes Waisenkind Leyawiins über mehrere Wochen damit beauftragt, genug Siebenschläfer für seine Gäste zu fangen. Er mästete die Tiere so sehr mit Gänsefett, dass sogar die Knochen der servierten Tiere auf der Zunge zergingen.

SCHWARZER JUNGHAHN, serviert in einem Schildkrötenpanzer. Die schwarzen Hähne der Gattung Weiße Rose sind bekannt für ihr giftiges Fleisch, das seine schwarze Färbung den Giftkäfern zu verdanken hat, die die Hähne mit Vorliebe verspeisen. Für dieses Gericht übernimmt Brazollus eine weitere Innovation der Argonier: Er lässt die gemeine Farbschildkröte das Fleisch des Hahns verspeisen, da diese das Gift neutralisieren kann. Dann muss nur noch die Schildkröte getötet werden, bevor sie ihre Mahlzeit vollständig verdaut hat, und das Resultat wird dann den Gästen serviert. Obwohl das Fleisch der Schildkröte eher fad schmeckt, ist das köstliche und dekadente Fleisch des schwarzen Junghahns in ihrem Bauch ein Fest für die Sinne.

SENCHEHERZEN-FILETS mit Zuckerrohr. Dieses Gericht war eine provokante Wahl, da viele Gäste den symbolischen Akt, das Herz eines Senche zu verzehren, als problematisch empfanden. Allerdings waren jene, die sich entschieden, vom Organ zu kosten, höchst überrascht darüber, wie zart das für gewöhnlich zähe Fleisch des Herzens zubereitet worden war.

MARK UND SEHNEN mit brauner Soße. Dieses Gericht war eine Kreation von Alberet Sauvin, dem Chefkoch von Brazollus' Vorgänger, und ist noch immer sehr beliebt am kaiserlichen Hof. Es verschmolz die kulinarische Tradition der kaiserlichen Küche mit dem Einfluss der Akaviri, insbesondere beim Würzen und Zubereiten der Sehnen, die in Ochsenknochen getunkt wurden, um das Mark herauszuschaben.

Band V

SIEBTER GANG

Anmerkung des Verfassers: Der siebte Gang war der einzige süße des abendlichen Mahls. Dies war eine auffällige Abweichung vom üblichen Ablauf eines adligen Banketts, das in der Regel zumindest mit einem süßen Gang begann und endete. Diese Neuerung war jedoch so erfolgreich, dass sie schon bald die traditionelle Reihenfolge von Gängen in einem Menü ersetzte.

DATTEL-BEEREN-KUCHEN, mit einer Glasur aus gezuckertem Käse. Obwohl er äußerst schmackhaft war, erlangte der Kuchen, mit dem dieser Gang startete, Berühmtheit für seine unglaubliche Breite: Er hatte einen Durchmesser von beinahe drei Metern und war lediglich einen Finger hoch. Die Käseglasur war in kunstfertige und wunderschöne Knoten verflochten, und viele weinten, als dieses Kunstwerk angeschnitten und serviert wurde.

FEUERBEEREN-TÖRTCHEN. Dies war eine weitere Innovation des Abends: Törtchen, die so gefaltet waren, dass man sie in der Hand halten und essen konnte, ohne dass ihre Füllung auf die Gewänder der Gäste kleckerte. Angeblich war ihre Form das Ergebnis von Forschungen der Magiergilde.

NORDMILCH, mit Kardamomsirup. Das Kuriosum der „Nordmilch“ ist nach wie vor ein Rätsel; klar ist nur, dass sie nichts mit Nord zu tun hat. Bei der Herstellung bringt der Koch die Milch in einen gefrorenen, halbfesten Zustand, und das Resultat ist eine der leckersten Süßspeisen, die man sich vorstellen kann. Natürlich bleibt sie angesichts der immensen Kosten, die mit ihrer Herstellung verbunden sind, den extrem Privilegierten vorbehalten.

GEBRATENE BIENENSTÖCKE, mit Zimt. Diese mit Honig gefüllten Stöcke, die im Ofen sanft erhitzt wurden, waren sicher eine echte Gaumenfreude, aber es ist unklar, wie Brazollus an so viele von ihnen kam.

GEDÄMPFTE PFLAUMEN, mit Sahne. Klingt nicht sonderlich spannend, aber Namen können täuschen. Brazollus servierte eine Frucht, die bis dato unbekannt in Leyawiin war, nachdem er eine Expedition nach Weißrose in Auftrag gegeben hatte. Die hier als Pflaume bezeichnete Frucht ist den Argoniern als Echsenfrucht bekannt; dieses Steinobst ist relativ geschmacksneutral und betäubt nach dem Essen die Zunge. Ein kleiner Schluck Rosenwasser hebt diese Wirkung auf, aber dies hat Brazollus seinen Gästen ziemlich sicher nicht gleich verraten, um sich ein wenig an ihrer Panik zu laben.

* * *

ACHTER GANG

Anmerkung des Verfassers: Der letzte Gang des Abends, der aus geschmacksintensiven Käsesorten bestand, sollte den Magen schließen und die Verdauung fördern. Den Aufzeichnungen zufolge konnten nur noch wenige Gäste an diesem Gang teilnehmen, was verständlich ist angesichts des Umfangs der vorhergehenden Gänge.

MELONENRINDENKÄSE. Zwei Dutzend Räder Melonenrinde wurden für den Abend bestellt, und das kleinste war angeblich so groß wie drei aufeinandergelegte Wagenräder. Dieser feste und krümelige Käse ist nach den seltsamen pockenartigen Stellen benannt, die sich auf der Rinde bilden, nachdem er zwei Jahre gereift ist.

LACKNETZKÄSE, serviert in Buchtblättern. Bevor der Weißkäse in Formen gegossen wird, werden diese in mühsamer Kleinarbeit mit einem Netz aus gesponnenem Zucker ausgekleidet. Diese Form ähnelt entfernt den Blutgefäßen einer Kreatur, und die einzelnen Äste sind hohl. Der Weißkäse wird in die Form gegossen, und wenn er genug ausgehärtet ist, wird ein äußerst pikanter Essig in das Netz gegeben. Das Netz löst sich auf, und der Käse ist mit erstaunlich geschmacksintensiven Adern durchzogen.

EIDARKÄSE, importiert aus Himmelsrand. Eine feste Größe in der Speisekammer eines jeden Käsefreunds.

ROTE MANDELN. Gerichte mit roten Mandeln galten als Glücksbringer, obwohl niemand weiß, woher Brazollus so viele für seine Gäste bekam. Diese Nüsse, die den Verdauungstrakt bestimmter Dachssorten durchqueren müssen, gewinnen nur sehr langsam an Geschmack und sind daher sehr schwer zu bekommen.

GEKNACKTE PFIRSICHKERNE, die häufig Gästen der verschiedenen Obstgärten Alinors gereicht werden, anstelle der traditionelleren gemahlenen Nüsse.