RPG Endless Travellers: Darkness Rising

Dieses Thema im Forum "Endless Travellers" wurde erstellt von VanDarkmind, 1. Juni 2015.

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  1. Jad

    Jad Angehöriger

    Der Magier warf hier mit Begriffen um sich die neu für den seveldarischen Agenten waren. Ätherkristall? Karte mit leuchtenden Punkten? Hinter Alexis tönte das surrende Geräusch eines geschwind mischenden Kartenstapels "Entschuldigt mein Guter. Wie es scheint wart Ihr unlängst hier gewesen. Meine bimmelnde Wenigkeit hatte noch nicht das Vergnügend dieser Pilgerstätte der mathematischen Magie huldigen zu dürfen." Feste zeigte mit ausgestrecktem Zeigefinger samt Arm auf den faustgroßen Würfel, wodurch er seine Lieblingsbeschäftigung kurz unterbrechen musste. "Was also ist ein Ätherkristall? Warum liegt hier ein kleiner Würfel über uns und was für Punkte leuchten auf diesem Relief von Maradar auf?" Der Harlekin beguckte sich die drei Statuen in ihren unterschiedlichen Posen. "Wenn Ihr auch noch etwas über die Gesellen hier wüsstest wäre ich Euch zutiefst dankbar." Das ihm wohlige Geräusch der Karten stellte sich wieder ein. Manchmal überlegte er ob er es noch bewusst tat, oder seine Hände von selbst mit mischen anfingen.

    Es gibt einiges was hier auf eine Entdeckung wartete. Leider hatte er noch nicht gefunden was er eigentlich hier erwartet und erhofft hatte. Seine Augen suchten die ganzen Ränder und Ecken des Raumes nach Hinweisen auf den Funkelstab ab. Das Relief im vorherigen Raum sagte es ganz klar, dass hier eines der fünf Bruchstücke zu finden sein müsste. Nur wo? Die alte Zivilisation würde so ein Artefakt nicht einfach zur Schau stellen wie diese Personifizierung des Äthers. Der Narr war sich nicht mal sicher ob der Funkelstab wirklich von dieser alten Zivilisation erschaffen wurde. Es war ihm nur bekannt, dass dieses Volk weitreichende Kenntnisse über ihn erlangt hatte, ebenso wie die Nadel und den Geisterhammer. Da könnte man besonders als Fachunkundiger, zu dem sich Feste leider zählen musste, annehmen, dass der Funkelstab also auch ihr Werk war. Er hoffte neben dem Aufenthaltsort des Bruchstücks vielleicht auch so etwas wie einen Lexikoneintrag, oder zumindest eine Beschreibung finden zu können. Solche Aufbewahrungsorte waren nie ohne Hinweise, wie etwa: 'Führt den Kelch nicht am großen Siegel vorbei!' Der Narr musste über seine Gedanken selbst kichern und schnitt eine schiefe Grimasse. Kaum über die Selbstironie hinweg war er da. Einfach so als hätte das Bruchstück nur auf ihn gewartet. Der eine Moment der dem Narren zeigte wonach der die letzten 10 Jahre gesucht hatte.

    Feste erstarrte regelrecht zur Salzsäule für einen Moment. Er stand einfach da. Andächtig. Schweigend. Ohne Grimasse. Ohne Grinsen. Nur still und erleichtert und schaute am Würfel vorbei empor zur Raumdecke. Dort schwebte ganz unzentral über einer auf den ersten Blick zufällig aus der Wand ragenden Steinquader von bestimmt mehreren Tonnen ein kleine, tellergroße, durchsichtige Kugel die sich irisierend in langsamer Rotation um ein Stück mattes Metall bewegte. Es musste einiges an Einfallsreichtum angewendet werden um dort heranzukommen. Doch wie nur anstellen? Feste, inzwischen aus seiner andächtigen Körperhaltung wieder erwacht, überlegte. "Apropos 'wir brauchen'. Ich brauche dieses Stück Metall in der schwebenden Kugel." Der Narr sah sich um. Keine Leiter, keine Erhebungen in der Nähe auf die man kraxeln könnte, nicht mal Kerben in der Wand. Bis auf die exakten geometrischen Figuren waren alle Flächen hier fast unmenschlich glatt geschliffen. Die Geomanten dieses Ortes mussten regelrechte Ordnungsfanatiker gewesen sein. Geomanten! Er drehte sich zu Lithia. "Verehrteste!?" Er lief ihr entgegen. "Ihr könntet mir einen großen Gefallen tun. Ich benötige Eure magischen Kräfte. Könnt Ihr mir eine Treppe aus den Steinen dieses Raumes bauen, so dass ich dort hinauf gelangen vermag? Vielleicht könnt Ihr den großen Quader auch herunterholen. Ich bin mir nicht sicher wie Eure Magie wirkt. Ich hatte bisher noch nicht Gelegenheit einem Vertreter bei der Ausübung eures Fachs beizuwohnen." Die Glöckchen klingelten freudig als er mit dem Kopf wackelte um seine Vorfreude Ausdruck zu verleihen. "Aber nicht, dass Ihr den Raum zum Einsturz bringt. Ich hänge am Leben." Der Narr steckte seine Karten weg, in den Flickenwams und wartete auf Lithias Reaktion.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. April 2017
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  2. Asteria

    Asteria Freund des Hauses

    Das Kichern des Harlekins erfüllte die Gänge auf dem Weg zu ihrem.. - doch recht unbestimmten - Ziel.
    Sie waren bereits tiefer in dieses Gestein eingetreten und langsam kam sogar die Geomantin an einen Punkt, an dem sie nicht alle Aufbaue dieser Örtlichkeit zu verstehen vermochte. Auch ihre Mächte waren begrenzt, jetzt, in ihrer zurückerlangten, künstlichen Menschlichkeit. "...oder ein ausgelutschter Zauberstab!", rief Feste im Vorbeisausen aufgeregt zu der Priesterin. Diese zuckte nur planlos mit ihren Schultern, etwas verdutzt, doch konnte sie sich nicht begeistern lassen. Tief in ihr zehrte die zurückerlangene Erinnerung an ihre Schwester an ihrer Standhaftigkeit. Die Kälte des ovalen Steins in ihrer Brust durchstach nahezu das düstre Herz in ihr. Asrelia hatte Qualen durchlitten und Lithia hatte einst große Qualen bereitet. So sehr die Priesterin es auch versuchte, sie konnte nicht tiefer graben, nicht mehr darüber in Erfahrung bringen, was genau aus ihrer Schwester geworden war und was Lithia zu so großem Zorn geführt hatte. Verzweifelt versuchte sich Lithia an die Ziele die da noch kamen zu klammern, doch in Zukunft würde es ihr schwerer fallen, mit dem Wissen, dass ihre Erinnerungen irgendwo verborgen waren, jene, die ihre Persönlichkeit einst und noch immer etwas ausmachten.
    Als das Lachen des aufgedrehten Narren verstummte, trat Lithia stummschweigend hinter dem Witzbold her, um herauszufinden, was diesen plötzlichen und doch herbeigesehnten Wandel ausgelöst hatte. Sie brauchte nicht einmal den Raum betreten, um zu spüren, wie machtvoll diese Hallen waren. Wie eine Hitzewelle schlug die Magie der Halle auf Lithia ein und raubte ihren Atem. Sprachlos folgte Lithia daraufhin Alexis tiefer in die Halle hinein, dem dieser Ort auf eine verschobene, unerklärliche Art vertrauter zu sein schien, als ihr, die doch bereits über eintausend Jahre Lebenserfahrung verborgen hielt.
    Gruselig instabil und doch organisiert spürte Lithia jeden sauber platzierten Stein und jeden Mechanismus dieses Raumes, der von unerklärlich alter und starker Magie zusammengehalten wurde - denn ganz offensichtlich war hier seit sehr, sehr langer Zeit niemand mehr. Trotz dieser einschüchternden Gefühle konnte Lithia nicht ganz einschätzen, wie gefährlich der Aufenthalt in diesen Hallen wirklich war. Einzig die Aufmachung des Würfels, der auf dem Sockel ruhte und jener Projektion, die Lithia nur schwer einordnen konnte, äußerten, dass der Ort bestimmt dazu war, dass er gefunden wurde.

    Lithia kam vor dem Sockel, auf dem der Würfel ruhte, zum Stehen. Etwas geblendet von dieser magischen Projektion duckte sie sich herunter an die Tafel, die sie dort entdeckte, und fuhr mit den kalten Fingern über jene Schriften. Selbst sie konnte diese verstehen und ging jedes Wort der Tafel im Kopf durch. Dabei blendete sie jegliche Unterhaltungen der Gefährten aus und sah zweifelnd herüber zu den Statuen.
    "Verehrteste!?", riss Feste die Priesterin aus ihren Gedanken. Wieso würde der Narr diesen eigenartigen Gegenstand brauchen? Es schien Lithia mittlerweile als hätte jeder seine verborgenen Wurzeln in dieser Halle und kurz sah die Geomantin zu der Echse herüber. Gab es noch mehr, von dem sie nichts wusste? Xynalithia verschränkte ihre Arme und blickte ernst in das Gesicht Feste's. Nachdem sie sich alleine und gänzlich vergessen den Weg durch den dicksten Felsen geschlagen hatte und ihre Ahnungslosigkeit sie beinahe zu einem simplen Werkzeug gemacht hatte, fühlte sie sich.. gekränkt. Etwas verschreckt über die Erkenntnis dessen, wie sich dieses "Gefühl" nun einmal anfühlte, und der Wirkung auf sie, rollte sie mit den Augen und machte keine Anstalten, ihrem Gefühl freien Lauf zu lassen. Zum Glück aller Anwesenden verschmolz ihr Frust mit einer zunächst kaum zuzuordnenden Geste, die beinahe aussah, als wolle sie die finstersten Dämonen heraufbeschwören, die Maradar je gesehen hätte: Sie stampfte mit dem rechten Bein stämmig vor, hob langsam und erzitternd die Arme empor und riss somit einen massiven Felsen empor, ein abstrakter Ausdruck ihrer inneren Welt, der genug Stufen und Kanten zum Festhalten und Hinaufsteigen bot, gar wie eine steinerne Trittleiter. Das Loch, das jetzt tiefer im Felsboden unter ihnen steckte, würde Lithia lieber wieder verschließen, sobald der Narr mit seinen unerklärlichen Ideen fertig war.
    "Fasst nur nichts an, bei dem Ihr euch wirklich sicher seid. Dieser Ort ist nicht ungefährlich.", raunte sie und machte eine eilige, einladende Handbewegung zu ihrem magisch erschaffenen Hilfsstück. "Das muss reichen.", murmelte sie. Ihr Geist war müde und erschöpft, fast mehr von den aufzehrenden Ereignissen, als von den körperlichen Anstrengungen. Dem emporragenden Stein sah man an, wie lustlos Lithia ihre nicht zu unterschätzende Kraft inzwischen einsetzte. Lieber wollte sie sich wieder mit der Tafel befassen.
    "Seht mal.", sprach sie zu den zwei anderen Gefährten also, "Jemand hat uns, oder wem auch immer diese Hinterlassenschaft gewidmet ist, eine Nachricht hinterlassen und ich glaube, sie ist von ziemlicher Wichtigkeit für uns." Mit verschränkten Armen blickte sie sich genauer um und besah sich der feinen Arbeiten einstiger Geomanten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Mai 2017
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  3. Jad

    Jad Angehöriger

    Die unheimlich aussehende Geomantin tat wie ihr geheißen als wäre diese Anfrage eine Beleidigung für ihre Fähigkeiten. Man hätte auch einen Elfenhandwerker bitten können einen Stock anzuspitzen um als Speer zu fungieren. Ähnlich muss sich Xynalithia gefühlt haben. Doch immerhin war es noch nicht unter ihrer Würde und aus dem Nichts erhob sich eine Unebenheit aus Fels und Gestein, wo vorher makellose Glätte war. Der Felsen passte überhaupt nicht ins Gesamtbild des Raumes und wirkte nicht nur deplatziert, sondern regelrecht wie eine Wucherung auf dem glatten Antlitz der magischen Baumeister. All diese Vergleiche scherten den Narren nicht. Die Erhebung war genau das was er brauchte und zweckdienlich so platziert, dass so etwas wie natürliche Stufen, mal schief, mal mit mehr Abstand als zuvor zum großen glatten Steinquader empor reichten. Er führte seine Hand lasch von der Schläfe weg und breitet sie zum Dank etwas aus. Lithia hingegen war schon wieder fortgelaufen zur eingestaubten Tafel, für die sie offensichtlich mehr Interesse hatte als für das Metallstück in der irisierenden Kugel. Wer könnte es ihr verdenken? Seltsam war es für Feste dennoch, dass sie nicht weiter nachfragte. Gehörten Frauen nicht zu den neugierigsten Wesen der Welt? Nun Magierinnen anscheinend nicht. Ihm war es Recht. Beschwingt begann er zu klettern, ja regelrecht zu hüpfen wie ein Affe von Vorsprung zu Vorsprung. Ging hier auf den Händen an einer Kante entlang, schwang dort zur nächsten herüber und ließ seine Glöckchen dabei ordentlich klingeln. Betrachtete man den Narren dabei, könnte man gut annehmen es gehöre alles zu einem Spiel für ihn, als wäre alles nur Jux. Schließlich bestand die Schwerkraft ebenso für den Seveldarer wie jeden anderen auch und nur ein unbedachter Schritt, eine Handbreit danebengegriffen und es hätte schmerzhafte Folgen für seine Knochen. Doch der Sturz blieb aus. Feste schien nicht mal erleichtert zu sein als er oben ankam. Er tat es einfach. Nun war es ohnehin schwer zu erahnen was in dem Querkopf vorging, aber anhand dieser Szene zeigte sich gut, dass sich er Harlekin weit weniger Gedanken um Dinge machte als der normale Mensch. Ob das seinen Talenten und Fähigkeiten zu verdanken war, oder einfach seiner Persönlichkeit blieb dem Betrachter verborgen. Natürlich hieß das nicht, dass er unaufmerksam wäre. Selbst bei so etwas wie diesem 'Kletterspiel' erfasste er alles um sich was er erfassen konnte. Seine Augen waren stets wach und seine Ohren gespitzt.

    Letztlich gab es jedoch auch die Momente wo ein Ding oder eine Situation sämtliche Vorsicht vergessen ließ. 'Wagemut' könnte man dem Narren also durchaus zuschreiben. Der Moment als er schließlich der schwebenden Kugel mit dem begehrten Inhalt gegenüberstand war so ein Moment. Alles in dem Flickenwams schüttelte sich regelrecht vor Vorfreude. Bedächtig tat er nun vorsichtig einen Schritt vor den anderen. Als wäre es ein Seil auf dem er balancieren müsste. Dabei hätte er sich quer auf den Steinquader legen können und es würde noch immer Stein unter und über ihm hervorragen. Nein, es war mehr die Magie des Augenblicks. In Händen halten zu können wofür er Gefahren auf sich genommen und quälende Suchen verbracht hatte. Nun war es soweit! Er stand jetzt direkt vor der Kugel die leise summend gemächlich, sanft auf- und abwippte. Wenn Soir das nur miterleben könnte. Sie wäre erstaunt und erschrocken zugleich. Der Erste Beweis für die Existenz des Funkelstabs. Keine Abbildung. Kein Gerücht... Behutsam schloss er seine Handflächen um die Kugel von beiden Seiten und ob sie an.

    Kaum berührt, schoss eine undefinierbare Kraft durch seinen Leib und seine Muskeln verkrampften. Schmerz. Als wäre ein Blitz in ihn eingeschlagen. Mehr und mehr floss diese Energie in seinen Leib, durchdrang sein Fleisch und seine Nerven und sammelte sich in seinem Kopf. Es fühlte sich an als würde sein Schädel explodieren. Als wollte diese Energie mit einem Stoß hinaus in die Freiheit und brauchte einen Körper als Katalysator. Der Narr versuchte unter Kraftanstrengungen seine Finger zu lösen. Doch selbst den Kopf etwas zu bewegen war ihm fast unmöglich, geschweige denn die Hände. Alles in ihm verkrampfte. Er wollte rufen, schreien, irgendwas um Hilfe zu erhaschen. Doch selbst seine Stimme versagte ihm. Als wäre ihm das Wort im Halse stecken geblieben. Gerade als er sich mental dafür schellten wollte für diese unbekümmerte Narretei geschah etwas seltsames. Das Hämmern in seinem Kopf wandelte sich. Es nahm Formen an, wurde zu einem erfassbaren Gebilde. Würde einer seiner Gefährten jetzt hier bei ihm sein er würde sehen wie diese unbekannte Energie seine Äugen zum Leuchten brachte, im wahrsten Sinne des Worten. Aus Festes Augäpfeln strahlte ein blauweißes Licht. Er konnte nichts dagegen machen.

    Von einem unerwarteten Moment stolperte der Unsägliche in den nächsten. Festes Körper gehorchte ihm nur nicht mehr, sondern - viel schlimmer - gehorchte nun dieser Kraft in ihm, zumindest teilweise. Sein Mund bewegte sich, ohne das Worte herauskamen, ohne dass es der Narr wollte. Der Rest war weiterhin starr vor Krampf. Im inneren des Schädels jedoch gingen seine Gedanken um und gaben seinen Mundbewegungen eine lautlose Stimme.


    Der Opfer gedacht,
    Der Gussform gebracht,
    Dem Stab gegolten,
    Der Macht gezollten,
    Eine Seele für jeden,
    Das Bruchstücke leben.

    Erfüllt mit der Gabe,
    Woran es sich labe,
    Kein Ausweg wird's geben,
    Für das gegebene Leben,
    Mit Freude empfangen,
    Ins Innere zu gelangen.

    Finde die Seele,
    Die bereit zu geben,
    Doch ohne Befehle,
    Den Zauber zu weben,
    Ew'ge Ruhe zu finden,
    Den Splitter zu binden.

    Dann trage zum Nächsten,
    Zu verborgenen Orten,
    Zu wiederholen die Gesten,
    Mit anderen Worten,
    Bis alle beseelt,
    Erweckt aus dem Grab,
    Und keines mehr fehlt,
    Zu vollenden den Stab.



    Damit versiegte die Magie so schnell wie sie gekommen war. Doch der Narr konnte sich noch immer nicht rühren. Was war da gerade passiert? Wer hatte da in seinem Kopf gesprochen? Die Worte haben sich seine Gedanken gebrannt wie ein Mal. Er konnte jede Zeile ohne Zögern wiederholen. Was ihn aber noch mehr erstaunte. Er hatte den Sinn hinter diesem Reim verstanden. Doch konnte es wirklich so sein? Es wäre fatal wenn er Recht haben würde. Feste merkte wie er sich wieder rühren konnte. Noch immer hielt er seine Hände so, dass sie die irisierende, durchsichtige Kugel umklammerten. Selbige war jedoch verschwunden. Er führte die Hände unter dem Bruchstück zusammen, welches wie von Zauberhand aus seiner Schwebe gebannt wurde und langsam auf seine Finger glitt. Es war leichter als gedacht. Erst jetzt konnte es sich der Narr richtig betrachten. Das Bruchstück war deutlich das Stück eines Stabs, welches sowohl oben als auch unten abgebrochen schien. Das Metall kannte er nicht. Es fühlte sich an wie Metall und doch gab es kein Metall was derart leicht war. Auf keinen Fall war es Eisen oder Stahl, obwohl es die Farbe hatte. Jedoch ist es auch kein Silber oder Gold. Dafür wirkt es zu stabil und fest, obwohl es das Gewicht wohl hatte. Ganz filigrane Linien verliefen über die glatte Oberfläche die sich leicht kühl, aber nicht kalt anfühlte. Es war nicht zu erkennen, ob die Linien irgendwelche Muster oder gar Worte bilden sollten. Dafür gab es zu wenig Fläche. Immerhin existierten fünf Bruchstücke des Funkelstabs und wenn alle die gleiche Größe hatten wie dieses hier, dann hätte der Funkelstab wohl eine Länge von ungefähr zwei Metern. Dabei hatte er nicht mal einen Durchmesser von 2cm. Es wäre also tatsächlich ein schmaler, langer Stab aus seltsamen Material. Diese Erkenntnis erstaunte Feste. Manchmal waren die Dinge eben doch so einfach wie es den Anschein hatte. Der Narr entschied sich den Stab in seinem Wams zu verstauen. Er würde später einen besseren Platz dafür finden müssen, besonders, wenn er irgendwann ein zweites Stück finden würde, würde es unbequem werden. Nun musste er erst einmal die heikle Aufgabe dieses Bruchstücks erfüllen. Allein das war schon schwer genug. Gedankenversunken machte er sich an den Abstieg und kam kurz darauf wieder unten an.
     
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  4. Harvald

    Harvald Ehrbarer Bürger

    "Ich werde tun worum ihr mich gebeten habt," antwortete er dem Elfen. "Ich würde diese Geste jetzt nicht überbewerten. Serafine ist anders, sehr anders ... Anders als alle Menschen, die ich je getroffen habe. Sie stammt aus Port Raven und war dort, als der Riss entstand. Dort ist wohl nichts mehr so, wie es die Götter bestimmt haben und die Toten finden den Weg in die Unterwelt nicht mehr. Jedenfalls trägt sie neben ihrer eigenen, die Seelen ihrer beiden Schwestern. Sie gingen in ihren Körper über, als sie in ihren Armen starben. Ich habe sie zweimal gesehen; in der Nacht als die Sandgeister kamen, sie sich mit ihnen vereinten und sie mit den Geistern der Uthar tanzten. Zum zweiten Mal gestern, als die Magier eine Welle der Vernichtung vom Berg hinab schickten und sie vereint der Magie trotzten. Die Seelen sind ganz unterschiedlich. Welche von den drei Persönlichkeiten weniger Groll gegen euch hegt, wer weiß....." Er holte Luft und sein blick kehrte für einen Moment in die Realität zurück. "Die eine, Seherezade, eine besonnene Frau mit Kenntnissen in der Wundversorgung, die andere Semiramiss eine unbedeutende Magierin, die ein paar alte Schriftzeichen und ein paar nützliche Runen als Kind im Tempel abgeschaut hat, und die eigentliche Herrin des Körpers, Serafine, ein tapferes, sehr entschlossenes Mädchen, eine Kämpferin mit guten Anlagen als Schützin. Ein Wunder, dass sie nicht wahnsinnig geworden ist, als die Seelen ihrer Schwestern in ihren Körper fuhren. Die Magier hier bezeichneten sie als stark. Was auch immer das heißt. Ein letztes noch Feyndri'hall von den Himmelselfen. Gleichgültig was sie zu euch sagt, fragt sie nie etwas, denn das bereitet ihr Schmerzen, was mir nicht gefallen würde."

    Und so ließ er den Elfen zurück und trat ins Freie. Irgend etwas lag in der Luft und so ging er zu den Pferden und begann die Beladung zu kontrollieren. Die dumpfen Geräusche im Felsen machten nicht nur ihn und die Pferde, sondern auch die Dämonen hinter der Barriere nervös.

    Einige Augenblicke später erschien auch Serafine wieder im Freien, das Bekleidungsbündel und den Dolch unter dem Arm. "Twiggy ist noch viel zu schwach. Ich habe die Klamotten und den Dolch erst einmal wieder mitgebracht. Sie kann die Sachen noch nicht brauchen. Lediglich das Leinenhemd habe ich ihr anziehen können, damit sie nicht völlig nackt ist. Andererseits... das wird schon. Sie hat alle Tauben aufgegessen und das in einer Geschwindigkeit sage ich dir..., als ob ich ihr das Essen wieder wegnehmen wollte." Serafine stopfte die Sachen sorgfältig in die Satteltasche ihres Pferdes.

    Als ihr Blick jedoch auf den Krieger in der grauen Rüstung fiel, der mit gekreuzten Beinen auf dem Boden, halb im Schatten der Arkaden saß, die Axt über den Knieen liegen sah trat Serafine mit ernstem Gesicht neben ihn. Die Leichtigkeit war wie weggeblasen. "Was hörst du" fragte sie während sie angestrengt zum Passweg sah.

    "Den Drachen, er kommt den Berg hoch, langsam und ein Mensch ist bei ihm. Geh hinein und schaffe so viele Pferde wie du kannst in die Höhlen der Stadt. Hier an der Oberfläche haben sie keine Chance zu überleben. Sollten wir überleben, werden wir sie brauchen."

    "Wenn du versuchst mich wegzuschicken..." Harvald wandte ihr das Gesicht zu und öffnete die irislosen Augen, in deren abgrundloser Schwärze das Sternenfeuer wie nie zuvor funkelte. "Mach schon, damit du deinen Tod nicht verpasst." peitschte seine Stimme mit unerbittlicher Schärfe. Serafine zuckte wie unter einem Schlag zusammen und ging zu den Pferden, mit denen sie wenige Minuten später im Innern verschwand. Sie hatte auch das Pferd des Elfen mitgenommen.

    Eine Sekunde lang schüttelte er den Kopf, bevor er weiter mit geschlossenen Augen wartete und das Pulsen der Lebensenergie der getöteten Dämonen wie ein Rauschen in seinen Ohren klang. Fast liebevoll wische er imaginäre Staubkörner von den niemals stumpf werdenden Klingen der Axt. Langsam schlossen sich die Hände um den Stiel der Axt und die Knochen des Seelenteufels schmiegten sich in Dämonenhaut der gepanzerten Handschuhe. Der Dieb der nicht gelebten Jahre, schien auf das nächsten Blutbad nur zu lauern.

    Minuten später, der Sand wirbelte zwischen den Felsen auf, klang ihre Stimme hinter ihm glockenklar in der Stille: "Wir sind hier, hinter dir." und steckte den langen Zopf in die Rüstung.

    "Setz dich es wird dauern und es ist wenig effektiv mit steifen Muskeln zu kämpfen."

    Sie warteten ....
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Mai 2017
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  5. Jad

    Jad Angehöriger

    "Es ist unser nächstes Ziel". Alexis schaute gar nicht auf, noch immer fasziniert davon was er hier vor erblickte. Die leuchtenden Punkte, die der Würfel projizierte wiesen den Weg. Ob es eine Art Schatzsuche sein würde? Immer von Punkt zu Punkt einen unsichtbaren Pfad entlang... eine endlose Reise von endlosen Reisenden? Wer wusste das schon? Es musste schließlich irgendwo auch ein Ziel geben. "Der Würfel dort oben ist das Behältnis welches Wissen über die vergangenen Äonen enthält. Wir benötigen jeden Fetzen davon, wenn der Riss in Port Raven jemals geschlossen werden sollte." Es klingelte hinter ihm. "Aha." Feste stupste sich an die Nase als hätte ein kleines Mädchen gerade einen Schmetterling beobachtet wie er auf ihrer Nasenspitze landete um danach gleich weiterzufliegen. "Dann sind es also die Geheimnisse der Geomanten dieses Ortes das was wir zu ergründen suchen? Dieser... wie nanntet Ihr sie 'alte Zivilisation'?" Für einen Moment ließ der Magier von den Wundern dieses Raumes ab und sah den Narren hab. "Habe ich das?" Er war sich dessen nicht sicher. Hat er sie wirklich so genannt? Laut? "Vergesst es, vielleicht habe ich das auch nur geträumt." Der Harlekin strahlte noch immer angesichts des Fortschritts den er bei seiner Suche gemacht hatte. Man hätte ihm jede schlechte Kunde zurzeit als gute verkünden können. Es hätte seine Stimmung nicht mal getrübt. "Also der Würfel soll es sein der Herr?", fragte er als würde der das Artefakt zum Verkauf anbieten. Der Mann der mit Narrenkappe stellte sich vor die Säule und schaute hinauf. "Vielleicht könnte man ihn hinunterschießen, mit einem gezielten Treffer vielleicht...?" Sein Blick ging zu Haj'ett der sich bisher erstaunlich still im Hintergrund herumdrückte. "Was meint Ihr mein schuppiger Freund? Könnte einer euer Bolzen diesen Steinquader von der Auflage schießen? Ich würde auch versuchen ihn zu fangen." Er streckte symbolisch die Arme empor. Gerade als er sich einstellte eine Reaktion vom Echsenmenschen zu empfangen, brach das Chaos aus.

    Aus heiterem Himmel bebte die Erde, die Wände, die Decke.. ja der ganze Berg schien zu singen. Festes Blick ging sofort zu Lithia. Immerhin war sie die erste Anlaufstelle, wenn sich die Steine bewegen würden. "Habt ihr etwas...?" Doch die Frage wurde beantwortet bevor er sie auf wackligen Beinen zuende Stellen konnte. Aus dem Beben wurde ein Grollen, aus dem Rauschen ein ohrenbetäubender Donner und da waren sie: Augen, so groß wie der ganze Seveldarer. Gelb, hitzig, voller Wut und Macht. Aus der Dunkelheit der schummrigen Lichts brach eine gewaltige Schnauze mit harten Schuppen und qualmenden Nüstern in die Halle. Was Jahrhunderte in perfekter Ordnung und schnurgerader Linie geschnitten war, wurde in Sekunden in Schutt und Asche gelegt. Drache... verdammt der DRACHE!

    Feste trauten seinen Augen nicht. Das haushohe Ungetüm grub sich doch tatsächlich in einer Geschwindigkeit durch den Fels den jeden gestandenen Maulwurf erblassen lassen würde. Mehr noch. Er bahnte sich regelrecht einen Weg durch die Gedärme der Erde als wäre er besessen davon den Himmel wieder zu sehen. Die Folgen waren verheerend. Stein um Stein gab nach und fiel in sich zusammen. Die Statuen kippten, sogar die tragenden Säulen dieses Saals. "WIR MÜSSEN HIER RAUS!", rief der Narr gegen den Sturm aus Wind und Felsen an. "DER WÜRFEL! SCHNAPPT EUCH DEN WÜRFEL!" Alexis Arm wies dem orientierungslosen Blick des Narren die Richtung. Gerade noch rechtzeitig, den der im Vergleich winzige Steinwürfel zu den anderen Trümmern die hier wild durcheinander stoben wurde aus seiner Halterung gerissen als die Säule zerfiel auf der er bisher thronte. Auch der riesige Vorsprung von dem der Narr das Bruchtstück des Funkelstabs geklaubt hatte kam ihnen nun entgegen.

    Die riesige Echse nahm davon keinerlei Notiz. Unbeirrt grub er sich in Richtung Plateau nach oben. Es dauerte nicht lange und trotz seiner Größe war bald nur noch die Schwanzspitze zu sehen die dem großen Leib den Gang empor folgte. Ruhe kehrte jedoch in keiner Sekunde ein als der Drache den Raum wieder verließ. Beben und Chaos hielten an wo er war. Eines war sicher, wenn sie noch lange hier blieben, würden die Felsen ihnen den Gar ausmachen. "DER WÜRFEL!" Alexis bestand wirklich darauf ihn zu bekommen. Der Narr schaute sich nach Ausgängen um. Im Kopf des Mannes arbeitete es. Blieb ihnen wirklich eine Wahl? Jeder Entscheidung war wahnsinnig. Blieben sie hier würden sie nicht nur den Würfel verlieren der gerade nach oben hinausgesaugt wurde, sondern ihnen würde auch ein schmerzvoller Tod durch Steinschlag gewiss sein. Wenn sie sich in Bewegung setzen würden und die langen Gänge zurückeilen die sich gekommen waren, wäre der Ausgang der gleiche. Nach unten woher der Drache in die Halle brach konnten sie auch nicht. Auch wenn sich dort tendenziell das Beben am ehesten wieder beruhigt hatte, würde der Drache nicht nur sich den Weg geebnet haben. Die seltsame Gestalt und die Dämonenhorde würde jeden Moment seiner Spur folgen. So würden die vier ungeschützt einem Meer aus Klauen, Zähnen und Dornen in die Arme laufen. Feste blickte den bebenden Gang empor. Nein.. ihnen blieb eigentlich nur eine Option.. noch dazu wenn sie überhaupt den Würfel jemals in ihren Besitz haben wollten. Er schaute stumm in die Runde. Sie alle verstanden sich ohne Worte. Jeder wusste was zu tun war. Sie würden sich gegenseitig warnen und schützen müssen und diese Hatz würde nicht nur gegen die Zeit laufen, sondern auch noch mit einem Ungetüm vor ihnen und einem grusligen Wesen samt Dämonenheer hinter ihnen. Dazu allerhand zusammenfallenden Felsen und herabfallende Trümmer. Doch es gab wirklich keine Wahl. Jeder hier wusste das, da war sich der Narr sicher. Feste nickte knapp. "Dann los..." Schon hörten sie das Zischen, Peitschen und Grollen der Dämonen die den Gang hinauf kamen.. und so setzen sie sich in Bewegung.. immer nach oben dem Drachen hinterher, nach oben wo der Würfel irgendwo sein musste, immer nach oben.. zurück zur Sonne... zurück an Tageslicht.
     
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  6. Luke

    Luke Ehrbarer Bürger

    Winkel und Ecken

    Aufgewühlt schritt Balthasar ein letztes Mal durch die lichtlosen Gänge der Katakomben, derer Winkel und Ecken er mittlerweile im Schlafe hätte begehen können und so gab es auch keine Fackel, noch magisch geschaffenes Glühwürmchen, dass ihm den Weg erhellte.
    Rechts, Links, Links, Rechts... die runenbedeckten Wände, die von unleserliche Wissen vergangener Zeiten zeugten flogen an ihm vorbei und glühten gelegentlich unvermittelt auf, als würden einzelne Schriftzeichen sich seiner erinnern. Er wollte sich ein letztes Mal ihres Anblickes ergötzen, bevor er Port Milan verließ, um in den Krieg zu ziehen.
    Er erreichte die Halle, spärlich beleuchtet von den bläulich glühenden Texten und rätselhaften Armaturen jener verblichenen Zivilisation, die in grauer Vorzeit, bevor die Stadt über ihm überhaupt gegründet worden war die Tunnel gegraben hatte, die er nun zielstrebig durchwanderte.
    Dunkel dräuend, doch durchfunkelt von zahllosen glimmenden Schriftzeichen wie ein klarer Sternenhimmel tat sich nun die Haupthalle vor ihm auf, die hohe Decke in undurchschaubare Finsternis gehüllt, die Winkel und Ecken von Schatten umschlichen, während jene rätselhafte Struktur aus Stein und Metall das Zentrum bildete, auf die er nun zusteuerte. Doch Balthasar bog ab, in einen des Saales abgehenden Seitengang, der dunkel war, wie ein Kohlebergwerk. Hier waren keine schimmernden Hieroglyphen zu finden und lange hatte er dereinst gezögert, diesen Pfad zum ersten Mal zu beschreiten. Doch längst wusste er, dass der Anblick, der ihn am anderen Ende erwartete durch das spektakuläre Wirken seiner antiken Schöpfer ihn für diesen lichtlosen Weg mehr als entschädigte.

    Als er kurze Zeit später wieder die große Halle betrat fand er sich noch immer in Ehrfurcht, bewegt von dem unbeschreiblichen Einfallsreichtum der alten Zivilisation, dessen Zeugnis sich am Ende des finsteren Ganges befand. Eines Tages würde er nutzen, was sich dort verbarg, doch dieser Tag war noch nicht gekommen.
    Stumm und starr verharrte Balthasar nachdenklich vor dem Monolithen, an dem er zuvor ohne jede Aufmerksamkeit vorbeigehastet war und ließ seinen Blick über dieses steinerne Kunstwerk wandern, dass im Mittelpunkt der Halle stand. Dünne schimmernde Linien magischen Lichtes hatten seit jeher die abgeflachte Vorderseite des Reliefs ausdefiniert. Es war eine Karte Maradars, die dort unwirklich erleuchtet vor ihm aufragte und bisher hatten lediglich zwei einzelne Lichtpunkte dort geglüht, wobei einer die Stadt Port Milan markierte und ein weiterer das entfesselte Port Raven, unheilvoll rot funkelnd.
    Doch stirnrunzelnd stellte Balthasar fest, dass sich etwas verändert hatte. Ein neuer Lichtpunkt war erschienen und pulsierte beinahe alarmierend. Mit angehaltenem Atem trat er einige Schritte heran und besah sich die leuchtende Weltkarte im Stein genauer, verglich ihm bekannte Landmassen miteinander und kann aufgrund der unmittelbaren Nähe des neuen Lichtpunktes zu Port Milan zu dem Schluss, dass eine Stelle am nördliche Rande von Kemet angezeigt wurde.
    Er hatte von der abgeschiedenen Enklave der Sternenmagier gehört, doch hätte er nicht geglaubt, dass sich dort ebenfalls ein Außenposten der alten Baumeister befand; denn dies schlussfolgerte er aus dem plötzlichen Auftauchen dieses Punktes: Jemand musste die Anlage in Kemet betreten haben und wer konnte erahnen, welche Geheimnisse er dort finden mochte?
    In sekundenschnelle war ihm klar, dass er die Stadt trotz aller vorangegangenen Planung nicht verlassen konnte - denn egal welche Macht dort im wüsten Land Kemets die Pforte geöffnet hatte - sie mochte auch auf Balthasars Fund aufmerksam geworden sein, genau wie er selbst.
    Und dann könnten es nicht nur die Dämonenhorden sein, die seine Stadt und ihre Geheimnisse bedrohten.

    ---

    Ehrfürchtig, wenn auch etwas mürrisch hatte Haj'ett die Geschehnisse in den dunklen Tiefen der uralten Katakomben verfolgt und sich mit den Füßen scharrend abseits in den Schatten herumgedrückt, während der Narr seine Kunststückchen vollführte wie ein aufgescheuchter Paradiesvogel. Alles an diesem Ort, dieser... Situation war ihm zuwider gewesen, die himmellose Decke, die vielen spottenden Winkel und Ecken, das boshaft drohende Gefühl des Unheils unter der Erde.
    Der Echsenmann hatte die Bedeutung ihrer Mission keinesfalls vergessen, doch zunächst hatte er es für besser befunden, Alexis diesen ganzen antiken Kram zu überlassen, während er den stummen Beobachter mimte, wachsam. Fast war es ihm so vorgekommen, als würde die undurchdringliche Finsternis außerhalb der magischen Lichtkreise nur darauf warten, dass er unaufmerksam wurde, um sich dann mordlustig über jeden einzelnen zu werfen wie todbringende, schwarze Laken.
    Natürlich hatte ihn der rationale Teil seines Denkens ihn stets daran erinnert, dass das Unsinn war, doch die stetige Sorge, voll Argwohn und von unerklärlicher Furcht durchtränkt, hatte er nicht abschütteln können. Fast als ob das Schicksal seine dummen, angstgetriebenen Gedanken hätte lesen können und schalkhaft zu erfüllen versucht war es genauso gekommen.

    Abseits des Gesprächs um Lichtpunkte und Würfel hatte Haj'ett grübelnd die massive Steindecke gemustert und sich gefragt, seit wie vielen Jahrhunderten die gleichmütigen Steine dort schon ihren Dienst taten, als Feste ihn aus seinen Gedanken riss und ihn nach seiner Armbrust fragte, wohl um dem merkwürdigen Würfel von seinem Podest zu schießen. Er wollte gerade zu einer knappen Antwort anheben, der Narr sollte doch lieber etwas anderes überlegen - als das plötzliche Bersten des Bodens schlicht von den Füßen warf.
    Keuchend und berieselt von tausend Jahren Steinstaubes wälzte er sich beiseite und wurde auf dem Rücken liegend des gewaltigen schuppigen Leibes gewahr, der sich ohne Rücksicht auf Kunst und Leben den zornvollen Weg nach oben bahnte und die gesamte Halle in wenigen Augenblicken völlig verwüstete. Der Drache, Haj'etts verdorbener Echsenvetter ließ den wertvollen Würfel in einem wirbelwindartigen Wust aus Schutt und Geröll verschwinden, während ein sorgenvoller Ruf nach dem Artefakt, von wem wusste er nicht, in den bebenden Hallen erscholl.
    Benommen gelang es ihm, sich auf dem wackligen Untergrund und noch wackeligeren Knien aufzurappeln und einige kurze Blicke mit seinen Mitstreitern teilweise mehr oder minder zweifelhafter Treue zu wechseln - das Funkeln, die Botschaft in ihrer aller Augen war trotz der unterschiedlichen Beziehungen, die sie verbanden bei allen die selbe.
    Hinauf. Hinaus. Und Feste gab den Ruf zum Sturm.

    Kurz nach dem nun überraschend ernst wirkenden Spaßmacher erreichte Haj'ett den bröseligen Schacht, den das Untier gegraben hatte und schmiss sich gegen die zitternde Wand, die unter seinen Pfoten nachzugeben drohte. Rasch warf er einen Blick nach hinten, um sich der Nähe der beiden Magier zu vergewissern und begann fieberhaft mit dem Aufstieg. Einige Schritte über ihm stieß der Narr blumige Flüche aus, geschickt kraxelnd, den Blick suchend nach oben gerichtet. Der Echsenmann tat es ihm gleich und starrte himmelwärts, während ihm die Zunge vom Augenputzen wund wurde. Sand und Staub waren allgegenwärtig.
    Undeutlich gelang es ihm, den sich windend grabenden Körper des Drachen auszumachen, der in großer Entfernung über ihnen seinen Weg voll Zorn fortsetzte und den Fels klagen ließ. Ein herabsegelnder Brocken erwischte Haj'ett empfindlich an der Schulter, doch mit zusammengebissenen Zähnen gelang es ihm, den prickelnden Schmerz zu ertragen und wieder Fuß zu fassen, immer weiter; nach oben oder sterben.
    Da! Im donnernden Zwielicht des aufgewühlten Erdreichs blitze ein blauer Lichtschimmer auf und flackerte ihnen rotierend entgegen. Der Würfel!
    “Gebt Acht!“, gelang es Haj'ett hervorzuwürgen, bevor der trockene Staub ihm das Maul verschloss. Hustend versuchte er wieder zu Atem zu kommen, fürchtete dass sein Ruf vergeblich gewesen war. Doch Feste hatte es gehört und reckte sich dem hinabtrudelnden Artefakt todesmutig entgegen, als wäre dies alles nur eine Artistennummer.
    Es gelang dem Narren, den Würfel mit einer Hand zu fassen, doch die Wucht des Sturzes riss ihn von der Wand. Als wäre die Zeit verlangsam worden, wie aus Honig geträufelt beobachtete der erstarrte Echsenmann wie Feste den Halt verlor und an ihm vorbeistürzte. Mit einer ungeheuren Willensanstrengung gelang es ihm, sich aus seiner Lähmung zu lösen und schnappte zu.
    Haj'ett hatte das Gefühl, ihm würde der Arm aus der Schulter gerissen, als er Festes Handgelenk zu fassen bekam und den Fall des Bimmelkopfes stoppte, der nun unter ihm baumelte, das Artfakt mit der freien Hand an die Brust gepresst.

    ---

    Verwirrt musterte Balthasar noch immer das Relief mit dem blinkenden azurblauen Lichtpunkt. Dann plötzlich - innerhalb eines einzigen Herzschlages - färbte das Licht sich rot.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Mai 2017
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  7. Jad

    Jad Angehöriger

    Der Herold der Angst


    Der Narr wusste nicht ob er wirklich den Würfel erwischt hatte bei alldem Steinen und bröckelnden Felsen die er ihm entgegen kamen. Hier stieß er sich geschwind von einer Wand ab, dort an der gegenüberliegender Seite ebenfalls, um das Kunststück zu wiederholen und seinerseits einen höher gelegenen Felsvorsprung zu schnappen, an welchem er sich emporzuziehen vermochte. Da ... da flog er inmitten von Geröll: der Würfel. Bar sämtlicher Vorsicht streckte sich der Seveldarer zu seiner ganzen Körpergröße bis seine hoffenden Fingerspitzen das seltsame Material des Würfels zu fassen bekamen. Doch im nächsten Moment des Schrecks merkte er wie der Felsvorsprung den donnernden Grabungen des Ungetüms über ihnen nicht länger standhalten konnte und schlicht brach und mit dem Felsen brach auch sämtlicher Halt des Narren. Eben noch den Hauch von Vereinigung mit den Fingerspitzen angedeutet entschwand nun der Würfel in die Tiefen des Schachts dessen Neigung dem Artefakt geradewegs zum freien Fall verleiteten. Mit ihm fiel auch Feste. Er tauchte ein in diesen Fall. Alle Härchen stellten sich auf als er ohne Verbindung zu irgendeinem Halt dem Würfel hinterherstürzte. Wieder streckte er sich. Keine Gedanken an Schmerz, Gefahr... den Aufprall. Alexis hatte ihnen deutlich gemacht welche Stellung der Würfel hatte. Dementsprechend verhielt sich der Harlekin, auch wenn nur ein Narr sämtliche Vorsicht für so etwas unbekanntes Seltsames aufbringen würde. Komm schon du antikes Spielgerät.. komm... jetzt... Er quetschte das letzte Spiel aus seinen Gelenken heraus. Behutsam, was allein dem Fall geschuldet war, schlossen sich die Narrenfinger um den Würfel, dieses mal endgültig. Festes wachsamer Geist übernahm sofort wieder die Oberhand über seinen Kopf nachdem das waghalsige Kunststück gelungen war. Alles an ihm lechzte nun nach Halt. Irgendetwas voran er sich festhalten konnte. Eine geschuppte Hand schnellte aus der Wolke von Gestein und Staub hervor und schnappte wie eine Kobra eine Maus Festes Hand. Doch anders als das Opfertier griff diese Maus willkommen nach dem Maul der Kobra, welche sich im nächsten Augenblick in die rettende Pfote von Haj'ett wandelte. Ein kräftiger Ruck ging durch den Narren, riss ihn um 180° um den Echsenmann herum und ließ ihn hart auf der Schachtwand aufschlagen. Doch egal wie sehr es schmerzte, welche Kratzer und Prellungen er sich auch zuzog, niemals würde er den Würfel loslassen. Er hielt ihn fest an die Brust gedrückt als wäre es sein wertvollster Besitz. Als sich die Lage einigermaßen beruhigt hatte schaute er nach oben. Ein Auge ob des nach wie vor herabrieselnden Staubes zugekniffen, ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen. Die sonst so makellose weiße Maske auf seiner Linken Gesichtshälfte hatte einige Kratzer abbekommen. Die schwarze Schminke auf der anderen Gesichtshälfte mischte sich mit den Bluttropfen, die aus den Kratzern hervorquollen. So schaute er Haj'ett an, dreckig, leicht verletzt, mit Schrammen, aber zufrieden und nach wie vor mit guter Laune. "Damit können wir im Zirkus austreten, wa...? VORSICHT!"

    Der Narr sah an seinem Kameraden vorbei nach oben und erblickte einen großen Felsbrocken welcher hin- und hertanzend von einer Schachtwand zur anderen auf Haj'ett und ihn zustürzte. In dem kürzesten Stoßgebet das er kann kniff der Seveldarer beide Augen zu, vorbereitet auf das Schlimmste. Mit tosendem Donner krachte der Brocken nur wenige Zentimeter über Haj'ett in die Wand und taumelte über sie hinweg zur anderen Seite des Schachts um seinen Weg nach unten fortzusetzen. Dem Glück einem Anblick von zermatschtem Echsenmann auf Felsen entronnen zu sein, folgte gleich die Umsicht nicht einen seiner anderen Gefährten auf dem Brocken vorfinden zu müssen. "PASST AUF! DER FELSEN!", brüllte er nach unten. Doch kaum entfernte sich der Felsbrocken und gab die mehr oder weniger freie Sicht weiter hinab frei offenbarte diese etwas, was dem Narren das Blut in den Adern gefrieren ließ. Inmitten einige Dämonen die schon bedrohlich aufgeholt hatten, spazierte eine verhüllte Gestalt einfach den Schacht empor als würde er gerade gemütlich in einem Park spazieren gehen. Es gab keine Sichtbaren Konturen. Die weite Robe verschloss einen noch so analytischen Blick. Doch eines war zu sehen: das Gesicht. Es war bleich, als wäre keinerlei Blut unter seiner Haut. Augen und Wangen waren bedrohlich eingefallen. Doch das war gar nicht das Schlimmste an ihm. Viel schlimmer war .. eine ungreifbare Aura. Der Herold erblickte den Narren. Aug in Aug schauten sie einen Moment an und der Herold ... lächelte sanft. Doch der Narr fühlte sich als würde ihm sämtliche Zuversicht aus den Adern gesaugt. Wer auch immer das war. Feste wurde in diesem Moment gewiss, dass dieser dort der eigentliche Feind sein würde. Schon allein die Umstände zeigten ihm das. Kein Dämon, nicht einmal der bulligste, agilste oder erschreckendste nahm vom ihm Notiz - mehr noch! Der Narr erkannte es erst jetzt wo er den ersten Schock seines Blick überwunden hatte. Alle Dämonen machten einen feinen, aber konsequenten Bogen um den Herold auf ihrem Weg nach oben. So als würde ihn ein unsichtbares Kraftfeld umgeben. Das ungute Gefühl nagte mit erschreckender Konsequenz an Feste. Er verstand es nicht. Was ist das nur... als würde mir alles je erfahrene Glück entzogen werden... und zurück bleibt nur... Kälte... erschreckende, erdrückende Kälte... Mit diesem Gedanken grub sich eine weitere Erkenntnis wie ein kalter Schauer in seinen Hinterkopf: Festes Kraft schwand, sowohl die in seiner Hand die fest umschlossen um den Würfel klammerte, aber auch die, mit der er Haj'ett Sicherheit spürte. Dann begann er zu rutschen.
     
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  8. Harvald

    Harvald Ehrbarer Bürger

    Das dumpfe Grollen wurde langsam unüberhörbar und der Boden begann zu vibrieren. Die Menschen an der Oberfläche verhielten in ihren Tätigkeiten. Frauen holten eilends ihre Kinder herein. Einzelne Felsen lösten sich aus den umliegenden Felswänden und stürzten auf das Plateau. Staub wirbelte aller Orten auf. Die unwirkliche Dunkelheit und die Geräusche ließen die unsichtbare Spannung von Minute zu Minute greifbarer wewrden und baute sich bis zum Unerträglichen auf. Die Pferde wurden nervös und rissen sich los. Sie galoppierten zunächst auf die Barriere zu, um dort die Richtung zu wechseln und in die Gegenrichtung zu stürmen. Einige Magier traten aus der Höhlenstadt hervor um aufgeregt zu beratschlagen.

    Serafine erhob sich prüfte den Sitz des Rapiers in der Scheide spannte die Armbrust und legte einen Bolzen ein. "Was nun?" Harvald veränderte seine Position nicht. "Dämonen, einige wenige kommen durch den Fels. Sie begleiten einen Menschen. Der Drache ist vor ihnen und wird bald an die Oberfläche durchbrechen."

    "Ich habe Angst." flüsterte Serafine. In diesem Augenblick erhob sich Harvald in einer für ihn untypisch gleitenden Bewegung ohne sich mit den Händen abzustützen oder die Position der Axt zu verändern. "Hab' keine Angst vor dem Tod, vielleicht hat er ja Angst vor dir. Er ist zu deinen Schwestern gekommen, nicht zu dir." Ein Lächeln flog einen Augenblick über seine Züge. "Angst ist gut, sie macht dich schneller aber lass niemals zu, dass sie zu Verzweiflung wird, denn Verzweiflung ist Angst ohne Hoffnung."

    "Dort drüben wird er herauskommen." Harvald wies auf die Stelle an der vor fast einem Tag der Echsenmann und die anderen Mitglieder der seltsamen Hexenjägertruppe verschwunden waren. "Lass ihn erst hochkommen, schieß auf alles was ihm folgt und nicht menschlich ist."

    Langsam ohne sichtbare Eile suchte er seine neue Position an der Felswand während er seine Chancen abwog. Der Drache würde mit dem Kopf voran herauskommen, alles andere wäre verblüffend. Er grub sich mit den Vorderläufen durch und schob das Material mit den Hinterläufen in die Hohlräume hinter ihm. Daher war sein Stand in jedem Augenblick instabil. Das musste er ausnutzen. Während er das Geröll nach hinten wegschob konnte er die Vorderläufe nicht heben ohne die Balance zu verlieren Die schwächsten Stellen waren die Gelenke und die Sehnen. Dort musste die Panzerung schwach sein, also war das das Ziel. Die Beweglichkeit einschränken.

    Er wusste er hatte nicht viel mehr als einen oder zwei Hiebe. Vielleicht jedoch auch mehr. Und wenn der Kopf zuerst aus der Öffnung erschien würde er ihn reiten. Die Rüstung bot hinreichenden Schutz vor den Stacheln.

    Das ist Wahnsinn, du kannst keinen Drachen reiten. Du wirst fallen, ging es ihm durch den Kopf. Doch von irgendwo her kam eine Stimme: Hör' nicht zu lass uns seine Seele trinken. Wurde er wahnsinnig oder hatte eben die Axt mit ihm geprochen? War da immer noch etwas von dem Seelentrinker in den Knochen?

    Die funkelnden Augen blickten zu Serafine hinüber. In ihrer Drachenlederrüstung hob sie sich kaum vom dunklen Hintergrund ab. Sie kniete an einem der Pfeiler die Armbrust locker im Anschlag.

    Harvald hob die Rechte und winkte kurz herüber. Mit einiger Mühe kontrollierte er seine Atmung, tief und gleichmäßig, um die Konzentration zu halten. Er war bereit.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Juni 2017
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  9. VanDarkmind

    VanDarkmind Freund des Hauses

    Der Hexenjäger sprang zwischen den Felsen hin und her so gut er konnte. Mehrmals drohte er den Halt unter den Füßen zu verlieren, doch auch wenn er in Sachen Geschicklichkeit nicht an den Narren heranreichte, der waghalsig vor ihm den Würfel nachjagte, so konnte er sich mehr oder weniger behaupten. Der würfel war wichtig, und so beschlich Alexis trotz der prekären Situation ein gefühl der erleichterung, als Feste den Würfel endlich in Händen hielt. Doch nicht für lang währte diese Erleichterung, denn der Aufstieg war weiterhin lebensbedrohlich und konnte immer noch jeden Moment nach hinten losgehen. Erschwerend kam das Ziehen im Nacken hinzu, das Alexis bald spürte. Ein schneller Blick nach hinten offenbarte auch den Ursprung: Eine unheimliche gestalt, umringt von Schattenwesen bahnte sich scheinbar unbeschwert seinen weg nach oben. Dessen Blick ging an Alexis vorbei und fixierte Alexis' Einschätzung nach den Narren. Der Würfel! Diese Gestalt durfte den Würfel nicht in seine Fänge bekommen. Und seine Leute, seine Freunde schon garnicht!
    Geisterfäden schnellten an Feste vorbei und fanden ihren halt irgendwo im Felsen. Kurz darauf zog Alexis sich daran hervor und ergriff den Unterarm des Narren, in dem dieser den Würfel hielt.
    "Jetzt bloß nicht schwächeln! Wir müssen hier weg!" Ein Kurzer Blick nach unten machte es nicht besser. "So schnell wie möglich, wenn du mich fragst."

    Wut, Zorn, unendlicher Zorn.
    Der Drache wühlte sich mit aller Kraft durch den Stein nach oben. Er konnte die Würmer schon riechen, ihr köstliches Fleisch auf seiner Zunge schmecken. Er würde so viele töten, wie er nur konnte. Die Schmerzen ignorierte der Drache. Selbst das Graben setzte ihm zu, schälte ihm mehr und mehr seines Schuppengewandes vom Leib. Doch die nahende Beute würde sich lohnen. Kurz erwischte sich das Ungetüm bei dem Gedanken, wie Sternenmagier wohl schmecken würden. Doch er war sich sicher: Sie schmeckten genau so gut, wie alle anderen auch. Und wenn er die Überreste der kleinen Made finden würde, die ihn so zugerichtet hatte...
    Der Stein unter dem Bannkreis hob sich leicht, bevor er schließlich nachgab und ins innere stürzte. Mit einer stoßartigen Bewegung schoss der Kopf des Drachen aus dem Fels hervor, laut brüllend. Doch nicht nur vor Triumph ob des Durchstoßens, denn mit dem Erlöschen des Bannkreises wurde eine gewaltige Energiewelle ausgesandt, die den Drachen benommen machte und sämtliche Schattenwesen, die das Pech hatten gerade im Diesseits zu verweilen verbrannte.

    Alexis spürte den Ausbruch der Energie, bevor sie ihn erfasste. Das Gefühl, das ihn dabei ereilte war... unangenehm. Ein uralter Zauber war ausgebrochen und erloschen. Seine Augen weiteten sich. Das durch den Sturm gedämpfte Tageslicht, das ihnen nun entgegenstach legte den Blick auf die Silhouette des Drachens frei, der gerade aus dem selbstgegrabenen Tunnel herauskroch, bis schließlich die Schwanzspitze das letzte war, das schlängelnd hinter dem Rand des Tunnelausgangs verschwand.
    Ein kurzer Blick nach unten zeigte den herold, der inmitten der Aschewolke, die von den Überresten der Schattenwesen um ihn herum zeugte, die hand schützend vor sein eingefallenes, fahles Gesicht hielt. Als der Herold wieder ihren Blick suchte, schien er wenig amüsiert über dieses Ereignis zu sein.
    "Jetzt ist er richtig sauer!", stieß Alexis angestrengt hervor und ließ seine Geisterfäden so weit er konnte nach oben schnellen, Festes Arm noch immer umklammert.

    --

    Bedächtigen Schrittes trat sie aus der Finsternis in die Zwischenwelt. Ihre schwarzen Augen mit der violetten Iris fixierten ein Podest, in der eine Blume blühte, doch fast verdorrt war. Es war ein sonderbarer Ort. Würde ein Reisender ihn jemals sehen, würde er sagen, es läge überall und nirgendwo. Doch dieser Ort war weder für sterbliche gedacht oder erschaffen. Nur ihre bloße Anwesenheit hätte jeden sterblichen in eisigen Staub verwandelt, hier, wo sie wahrhaftig in ihrer vollen Macht wandeln konnte. Ihr Gewand waberte wie schwarzer Rauch um ihren blassen körper, in einem Schwarz, das alles Licht zu verschlingen schien und jede Hoffnung auf Entkommen gleich mit ihm. Sie kam vor dem Podest zum stehen und beäugte nachdenklich die Blume, welche ihre besten Zeiten schon hinter sich hatte, während ihr hellblondes Haar durch den nach vorne geneigten Kopf über ihre blanken Schultern glitt. Mit einer behutsamen Handbewegung über die Blume erstarrte diese zu Eis und zerfiel schließlich zu Staub. Der Kreislauf des Lebens beinhaltete unweigerlich auch den Tod. Ein seltsamer Umstand, verkörperte sie selbst doch auch dieses Ende jeder Reise. Und gleichzeitig einen Anfang. Denn wo Altes wich konnte Neues entstehen. Nichts war je vergeudet. Das wusste sie am besten. Besser jedenfalls als ihre Priester, die es gewissermaßen am eigenen Leibe erfuhren. Die Vollendung dieser Geste fand sich, indem sich plötzlich Leben in dem Aschehaufen regte. Ein neuer Trieb reckte sich daraus hervor und bildete schließlich eine neue Blüte, schöner noch als die alte zuvor.
    "Schön, dass du es einrichten konntest, Gian.", meinte sie und blickte zu ihrer Schwester auf, die für dieses Wunder verantwortlich war. Grüne Augen blickten mit der liebe einer Mutter auf ihr Gegenüber. Schwarzviolettes Haar, in dem die Unendlichkeit der Sterne zu sehen war, umspielten das Haselnussbraune, rundliche Gesicht und die vollen Lippen bildeten ein mildes lächeln.
    "Es ist schön dich zu sehen, geliebte Schwester.", antwortete Gian. Der Klang ihrer Stimme war so warm und liebevoll, dass er allein hier und jetzt Tote wieder zum Leben erweckt hätte.
    "Du weißt, warum ich dich gerufen habe?"
    Gian nickte sanft. "Unser Einfluss in Maradar. Du weißt, es gibt Grenzen, die wir respektieren müssen, weil er sie respektieren muss."
    "Und doch müssen wir handeln. Ich habe bereits Agenten geschickt, so wie jedes Mal, doch fürchte ich, dass unser beider Kräfte für sich nicht ausreichen, um einen Unterschied zu machen."
    Gian verstand, worauf sie hinaus wollte. "Ein Daru'kin ist ein zu tiefer Eingriff. Es ist noch zu früh dafür."
    Vaashj gab ihr durch ihre Körperhaltung respektvoll zu verstehen, dass ihr das durchaus bewusst war. "Wir müssen anders vorgehen.", entgegnete sie und deutete mit nach oben gedrehter Handfläche vage in Richtung der Blume, die soeben neu erblüht war. "Doch wir können eine Saat aussähen, die langsam wächst und uns den Weg bereitet unser Schicksal auch dort zu erfüllen. Hast du dabei, worum ich dich gebeten hatte?"
    Gian hatte bei ihren Worten schon wissend angefangen zu lächeln und griff in ihren linken Ärmel, um gleich darauf einen Samen hervorzuholen. "Du weißt, er ist weder mein Werk, noch stammt er aus Maradar."
    "Und doch wird er – wird sie – ihren Zweck erfüllen.", entgegnete Vaashj.
    "Ich hoffe, du behältst damit Recht.", meinte Gian, während Vaashj das Podest erneut auf ihre Weise frei machte.
    Behutsam legte Gian den blassen Samen in den Aschehaufen und schob mit der selben Hand etwas Asche darüber. Vaashj tat es ihr gleich, bis beide Hände sich über den Samen legten und ihr Werk beginnen konnte. Beide schlossen ihre Augen und verharrten eine Weile, bis ihr Tun Wirkung zeigte.
    Schließlich erhoben sie ihre Hände und sie begutachteten ihr Werk: Eine violette Pflanze reckte sich empor, verwunden und umschlungen wie ein Drachenbaum, nur zusätzlich besetzt mit lauter dicken Dornen. Einige größerere Blätter, die etwas blasser zu den Spitzen hin wurden, streckten sich daraus hervor, als wollten sie sich schützend über alles legen, das darunter lag. Entlang der Windungen der Pflanze und über die verzweigten Adern der Blätter pulsierte sie in einem unheilvollen grünen Licht.
    Gian steckte ihre Hände vor dem Bauch in ihre Ärmel, Vaashj Legte eine Hand mit dem Handrücken an ihr Kinn, während die andere Hand ihren Ellenbogen stütze und beide begutachteten ihr Werk. Ihre Blicke waren kaum zu deuten, beinahe so, als wüssten sie selbst nicht, was aus ihrer Schöpfung hervorgehen würde. Wie sich die Dinge entwickeln würden.
    "Ich hoffe wirklich, du behältst Recht.", meinte Gian, während sie noch immer auf die Pflanze Blickte. "Das hoffe ich auch."
     
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  10. Luke

    Luke Ehrbarer Bürger

    Zwielicht und Gram


    Eine undefinierbare Mischung aus Scham und Ekel plagte Vals, als er mit seiner schrecklichen Fracht den eiskalten und gnadenlosen Wassern des Hafens entstieg. Es hatte viele lange, auszehrende Versuche gebraucht, bis er fündig geworden im Zwielicht der Dämmerung endlich an Land gehen konnte, tödlich frierend doch erfolgreich, eine schwere Last hinter sich hertragend.
    Im Schatten der Mole begann er, seinen Fund von überflüssigen, schwer wiegenden Ummantelungen zu befreien, denn kaum konnte er Panzerplatten und nasse Stoffe mit sich tragen, wenn er den Weg zu seiner spärlichen Behausung antreten wollte.
    Beschämt wagte er es kaum, den weißen Leib Helenas anzusehen, als er sie vollständig entkleidet hatte und wickelte ihn sogleich in saubere Laken ein, damit kein frühmorgendlicher Wanderer sein unheiliges Schaffen zu erkennen vermochte.
    Als der Sonne erste trübe tastende Strahlen über die Häuserdächer Trauerlieds wanderten, hatte er seine Herrin bereits in die Sicherheit seines Hauses getragen, stumm weinend und voller schamvoller Gram.

    ---

    Der Narr hatte das munteres Sprüchlein, welches erquicklich lustig von seinen dünnen Lippen hatte springen wollen vorschnell unterbrechen müssen, als sein Blick von etwas weiter entferntem als Haj'etts Gesicht gefesselt wurde. Es war nur eine Frage von Augenblicken als das Ziel des Spaßmachers hektischer und weit aufgerissener Augen an ihnen vorbeisauste, einen bedrohlichen Luftwirbel hinter sich herziehend, der den allgegenwärtigen Staubdunst in Wallung versetzte.
    Der Echsenmann dankte den Geistern dafür, von dem massiven Geschoss um haaresbreite verfehlt worden zu sein und mühte sich vergeblich damit ab, Feste in eine vorteilhaftere Position zu hieven, an der aus er sich womöglich wieder selbst festhalten könnte. Doch seine Anstrengungen blieben fruchtlos, denn kurz darauf erschlaffte die verkrampfte Hand, die Haj'ett so verzweifelt umklammert hielt und ein rasselndes Keuchen zeigte von dem zyklopischen Schrecken, der den frei in der Luft hängenden Narren plötzlich und unbarmherzig gepackt haben musste. Der geschminkte Mann schien nahezu von einem Moment auf den anderen aufzugeben und ohne seine Hilfe spürte der Echsenmann, wie das Gewicht Festes seinen eigenen Griff, sowie seine Kräfte als ganzes zu übermannen drohte, während der Arm, mit dem er ich selbst an der trügerisch bebenden Wand festhielt stumm brüllende Schreie des Schmerzes durch seine Schulter und den ganzen Körper bis zur Schwanzspitze jagte.
    “Heda... Bimmelkopf! Was ist los mit Euch?“, gelang es ihm zwischen zusammengebissenen Zähnen von körperlicher Anstrengung gebeutelt hervorzupressen, doch seine Worte schienen nichtmal ihr Ziel zu erreichen.
    “Ihr... ich kann Euch nicht länger halten! Helft mir!“
    Haj'etts Klauenhände hinterließen blutig klaffende Wunden auf dem Handrücken des Narren, in einem letzten verzweifelten Aufbäumen gegenüber des zweifellos tödlichen Sturzes seines Gefährten in die brodelnde Tiefe.
    Dann tauchte plötzlich Alexis auf, magisch durch geisterhafte Fäden beflügelt und schaffte es, Haj'etts geschundene Glieder zu entlasten, kurz bevor sie ihm den Dienst versagt hätten.
    Er hörte sich aufatmen und riskierte zum ersten Mal einen Blick nach unten, um den schwindenden Willen Festes zu ergründen.
    Das Gefühl brach wie Eis eines uralten Gletschers über ihn herein und fand schnell, zielstrebig und unnachgiebig den Weg in seine Lungen, um sich schließlich als bleierner Knoten frostigen Bleis in seinem Bauch zu verbreiten. Die Gänze seines Schuppenkleides stellte sich rasselnd auf, als ihm der eisige Schauer widerfuhr und ihn den Schrecken übergab, die das ausgemergelte Leichengesicht der Gestalt vorausschickte, die dort gemessenen Schrittes den Naturgesetzen spottend nach oben kam.
    Sofort wusste der Echsenmann, was dem entkräfteten Narren widerfahren war und wehrte sich mit aller Kraft gegen den dräuenden Einfluss des Unglücksboten. Beiläufig registrierte er, wie er die Last Festes an Alexis abgab und in den Windungen seiner Gedanken nach Trost und Kraft suchte, um sich den restlichen Aufstieg hinaufzuquälen. Langsam und verbissen gelang ihm die Kletterpartie Fuß für Fuß, doch hinter jeder Ecke seines Geistes schien nun der Tod zu lauern.
    Das Scheitern. Das Sterben.
    Haj'ett hatte nun schon seit langem gekämpft, aus Überzeugung. Doch die Angst war ihm nun auf den Fersen. Zu wenig trennte einen Sterblichen vom Scheiden.
    Haj'ett hatte um seines Freundes Alexis Willen gestritten und getötet. Doch nur ein einziger herabfallendet Felsen würde nun selbst diesen fähigen Magier zermalmen können.
    Auch dem ungeborenen Kind seines Kameraden galt Haj'etts Wille. Und Dot.
    Und Lea, die er selbst mit ihrem rätselhaften Gefährten hatte vermählen dürfen. Viele andere Namen wirbelten in seinem Kopf umher.
    Wie viel Glück hatten sie alle bisher gehabt so lange am Leben geblieben zu sein, wenn aus dem Norden der Krieg heranschlich, der an Grausamkeit und Blutdurst jeder Beschreibung spottete?
    Es dauerte nicht lange, bis die tastenden Finger der Furcht in Haj'etts Innerstes fanden und seine ureigene Angst vor dem Sterben entfesselten.
    Wahrlich, der Echsenmann fürchtete den Tod mehr als alles andere und nun trieb es ihn fast in die hemmungslose Verzweiflung. Er, der an keinen Gott mehr glaubte, wusste auch nicht, wohin es ihn verschlagen würde, nachdem sein letztes Wort gesagt und sein letzter Atemzug getan war. Die Ungewissheit trieb ihm Tränen in die Augen, jetzt, wo sie ihn mit nie gekannter Brutalität heimsuchte.
    Und die Schwärze breitete sich vor seinen Augen aus, wie ein finsterer Vorhang aus Gram und Schmerz.
    Dann tat es einen Donnerschlag.
    Die Finsternis wich einem diffusen Zwielicht, als der schnaufende, steinewälzende Drache die Erde zeichnend durch den Boden über ihnen brach.
    Eine Druckwelle erfasste Haj'etts sich im Kreis drehende Gedanken und fegte sie hinweg, drückte ihn gegen die Wand und beinahe in den Abgrund hinein. Er konnte fühlen, wie etwas wunderbares verlosch, ein uralter Zauber, gebrochen und in Trümmern erbebte und seine Energie in alle Richtungen zerfasernd verspieh.
    Der Ruin dieser edlen Magie war eine spürbare Tragödie, doch gewann der Echsenmann Kraft durch diesen Ausbruch und ein schwelender Funke des Trotzes und des Zorns ließ ihn seine Mühe verdoppeln.
    Kurz darauf gelang es ihm, Alexis und den irritierten Narren einzuholen.
     
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  11. Jad

    Jad Angehöriger

    Was fürchtest du komischer kleiner Mann? Zeig es mir... Die fahlen Augen des Herold durchdrangen jeden Zentimeter und jeden Gedanken des Narren um zu erforschen, zu ergründen was es war, wovor sich dieser dort über allem anderen fürchtete. Doch gerade als er einen Ansatz hatte und sich der Geist des Narren regelrecht zum Schutz einzuigeln versuchte, durchschnitten dünne Fäden der Magie die Konzentration des Herold. Diese Energie, weder greifbar noch zu einer konkreten Form erwachsen, durchpflügten das dunkle Sichtfeld des verhüllten Untergangspropheten wie ein Peitschenhieb durch eine gallertartige Masse schnitt. Auch Feste bemerkte diese Unterbrechung und gleich darauf ein Arm der ihn packte. Der Ruck der ihm durch den Leib ging löste ihn aus seiner willenskraftentziehenden Trance. Sogleich erblickte er den Besitzer des Arms. Es war der Hexenjäger, welcher ihn befreite. Erst jetzt wo er wieder ganz zur Besinnung kam spürte der Narr die blutigen Risse, welches Haj'etts Klauen auf seinem Handrücken gezogen hatten und den Schmerz den sie verursachten. Doch statt aufzuschreien lächelte er nur. Der Schmerz bedeutet, dass er noch am Leben war, seine Seele noch die Seinige und sein Bestreben noch einen Sinn haben würde. Sogleich stemmte er die Stiefel wieder gegen den Schacht und unterstützte Alexis dabei ihn hinaufzuhiefen. Der Herold jedoch blieb mit einem leichten Grollen zurück. Dieser Magier hatte ihm seine erste Beute entzogen. Dafür würde er Qualen erleiden.

    Per Zufall kündigte sich sogleich ein neues Opfer an. Das schuppige Wesen, halb Mensch, halb Echse war so töricht sich auf ihn zu konzentrieren. Sofort schickte der Herold der Angst wieder seine Fänge der Furcht hinaus zu dem Unglückseligen. Erneut drang seine Aura tief in den Geist des empfindsamen Wesens ein. Dieser hier war weitaus einfacher zu lesen. Es gab hier keine verwirrenden Gedanken oder Eindrücke die ihn auf die falsche Spur schickten. Dieser Echsenmensch hier trug seine Emotionen schon fast bis zur Oberfläche und es waren viele Emotionen die der Herold fand. Sie zeigten ihm ein Abbild seines Opfers. Die kleine Kerl fühlte sehr viel, und schien eine beachtliche Empathie zu besitzen. Hingegen fehlte es völlig an Schnörkeln, oder Windungen wie bei dem komischen Mann gerade eben. Würde der Herold ihm nichts Böses wollen, wäre er Haj'ett wohl sehr zugetan, was für eine freundliche und hilfsbereite Haut der Schuppenmann war. Doch die einzige Freude die er empfand war die Qual des Lebens der anderen und Haj'ett war geradezu ein Festmahl für ihn, als sperrte man einen ausgehungerten Wolf in einen kleinen Stahl mit einer Horde junger Lämmer. Der Abgesandte des Bösen wollte gerade noch mehr seiner Macht mobilisieren um sie ganz in Haj'ett entladen zu können, was in ihm zweifellos nicht nur Panik auslösen würde, sondern ihm genau zeigte vor was er sich fürchtete und wie man diese Angst gnadenlos einsetzen könnte, als der Holzkopf von Drache an die Oberfläche brach und dabei den Siegelstein der Barriere zerbarst. Im Grunde keine schlechte Tat, hätte es nicht zu einer Explosion der Zauberkraft geführt, die dem Stein innewohnte und das ganze aktuell anwesende Herr hinwegbrannte. Eben noch ein Meer aus Klauen und Zähnen blieb nun nur Asche und Staub zurück. Dumpfes Vieh von überwältigender Ignoranz! Kein Hirn, kein Blick für den Plan! Stark wie ein Herr Riesen und so klug wie ein Bruchteil von ihnen! Er ließ ein kaltes, zorniges Ächzen ertönen, welches sich den Schacht empor ausbreitete. Ich sagte einen Weg hinein suchen, keinen um die Horde zu vernichten! Doch zum Glück ist der Sog des Riss so unersättlich wie die Zerstörungswut dieser Echse mit Flügelstummeln! Schon bald wird es auf dem Berg wieder vor ihnen wimmeln!

    Zu seiner sichtbaren Freude erreichte Feste mit Alexis Hilfe und dem Würfel die Oberfläche aus der kurz zuvor noch der Drache hindurchgebrochen war. Die Sonne der Wüste brannte ihm sogleich auf die Narrenkappe und die angenehme Temperatur des unterirdischen Außenpostens wich sofort der trockenen Hitze der Wüste. Doch zumindest konnte er sich hier wieder frei bewegen, hatte festen Stand und erblicke auch Harvald und Serafine wieder. Jene beiden Helfer, die schon beim Aufstieg auf ihrer Seite gestritten hatten. Er war froh über ein paar zusätzliche Hände, denn ohne erbarmungslosen Kampf würden sie hier nicht wegkommen. Der Drache, inzwischen vollkommen zu seiner Größe dem Erdreich entstiegen nun in unmittelbarer Nähe war in der Tat ein imposanter Eindruck, selbst ohne Flügel. Dazu noch der verhüllte Mann, bei dem ihm Angst und Bange wurde und den der Narr weder richtig einordnen, noch begreifen vermochte. Es würde nicht leicht werden. Der Blick des Harlekin klebte noch immer am Ausgang des Schachts den die große Echse gegraben hatte. Auf was haben wir uns hier nur eingelassen?
    Als hätte der Herold seine Gedanken gehört schnellte er just in diesem Augenblick empor, wie ein Schleier des Todes und kam in einem großen Satz wenige Meter neben dem Drachen zum Stehen. Seine Füße berührten nicht den Boden. Der Narr war sich nicht mal sicher ob er überhaupt Füße besaß. So stand,.. oder schwebte er einfach da, bereit sich zu holen was - daran hatte er keinen Zweifel - nur ihm zustand. Das dumpfe Ungetüm konnte sich mit dem Fleisch und den Schreien genügen. Je mehr er zerstörte, desto einfacher würde es sein den Widerstand der Übrigen zu brechen. Er wägte sich schon fast im totalen Sieg. "Ein paar Fleischlinge gegen die Macht des Unausweichlichen Untergangs. Wie amüsant!" Er bleckte die blanken Zähne zu einem bösartigen Grinsen. "Hedda worauf wartest du?" sprach er zum Drachen ohne ihn eines Blickes zu würdigen. "Zerfleische, zermalme, zerstückle was immer du kannst. Wenn der Strom aus dem Riss erst wieder dieses Plateau erreicht hat, wird deine Beute mit jeder Sekunde weniger werden! Dürstet es dir nicht nach zappelndem Menschenfleisch?" Der Herold hob seine knorrigen Finger, die nur aus mit Haut bespannten Knochen zu bestehen schien. "Ihr, ihr habt etwas was mir zusteht! Gebt es her und ich beendet es nur mit einfachen Qualen. Doch wenn ihr euch weigert, werden Schrecken und Wahnsinn der Angst hinzukommen. Ihr werdet nicht einmal mehr betteln können euch töten zu dürfen. Also beweist mehr Weitsicht als der Rest euer erbärmlichen Art! Gebt - es - her!"
     
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  12. Harvald

    Harvald Ehrbarer Bürger

    Der Kopf der Bestie durchbrach brüllend die Oberfläche nur wenige Schritte von Harvald entfernt. Der Boden schwankte als sich die Felsplatten verschoben und aufwölbten. In der nächsten Sekunde brach scheinbar der Himmel auf und eine gleißende Helligkeit brach schlagartig. Harvald erblindete von einem Augenblick zum nächsten, und schloss die überreizten Augen. Für einen Augenblick war der Schmerz fast unerträglich. Ein Ausbruch der Magie kostete Harvald erneut fast das gesamte Augenlicht. Er wurde von der plötzlichen Kopfbewegung des Drachen weg von ihm überrascht, doch die Axt riss ihn weiter voran, als sei Leben in in ihr. Das Augenlicht klärte sich und der Blutdurst der Axt brach sich endgültig ihren Bann. Was auch immer es war, es lebte, lebte in der Axt und es ergriff völlig Besitz von Harvalds Denken. Die Gier nach Blut nach Lebensenergie pulste in seinen Ohren. Er nahm die Gestalten die dem Drachen folgten nicht mehr wahr, zu laut dröhnte der Herzschlag des Drachen in seinen Ohren. Die Gestalt in der verhüllenden Robe der über der Ebene zu schweben, der kleine Mann mit den Schellen am Hut, der Magier und sein Wolfsdämon der Echsenmann, sie alle sah er nicht.

    Serafine hingegen brauchte nur Sekundenbruchteile, um sich auf die geänderte Situation einzustellen und zögerte keine Sekunde. Sie würde das Ziel nicht verfehlen und den Drachen von Harvald ablenken. Für die anderen wäre noch genügend Zeit. Der Bolzen verließ die Sehne um Sekundenbruchteile später im tortenplattengrossen Auge des Drachen einzuschlagen. Das Augenlid des Monstrums schloss sich augenblicklich und als es sich wieder öffnete war es grau. Das Brüllen des Monsters wurde intensiver. Viel zu langsam er bewegt sich viel zu langsam, ging es ihr durch den Kopf, während sie mit fliegenden Fingern die Sehne neu spannte und einen neuen Bolzen auf die Sehne legte.

    Die wenigen Schritte stürmte Harvald blind nach vorn und brachte den Hieb an der Achillessehne des linken vorderen Beines an. Blut spritze wie aus einer Fontäne und überzog ihn mit einer hässlichen schwarzroten Brühe. Die Bestie sackte zu seiner Seite weg und hätte ihn fast mit seiner Körperfülle erdrückt, bevor ihn der herabhängende halb zerfetzte Flügel zu Boden riss.

    Ein Feuerstoß des Drachen, grob in Serafines Richtung gerichtet, fuhr glühend über die Oberfläche und verbrannte alles auf seiner Bahn. Einige der wild umherlaufenden Pferde verbrannten in den Flammen und auch Searfine konnte sich nur durch eine schnelle Wendung hinter den Arcadenpfeiler schützen. Sie schreien, wie Kinder vor Schmerz. Serfines Gedanken kehrten zurück zu dem thraumatischen Ereignissen von Port Raven. Bilder von stürmenden Dämonen und schreienden Menschen wirbelten durch ihren Geist. Nur diesmal war es anders, sie war nicht mehr hilflos. Sie nahm die Angst und die Tränen der Vergangenheit in sich auf und die brachen sich Bahn, all die verdrängten Gefühle, sie verwandelten sich, verwandelten sich in - Wut. Jetzt war sie jenseits der Angst angekommen. Ihr wurde kalt, trotz der Hitze. Sie nahm die schwarze Russpuren auf dem Drachenleder nicht wahr, die davon zeugten wie knapp sie dem tödlichen Feuer entkommen war. Nun begann sie den grauen Krieger zu verstehen; nicht den Tod, sondern das Leben muss man fürchten. Der Sieg ist wichtig, Überleben ist irrelevant.

    Das wollen wir doch mal sehen, klang Semiramis Stimme plötzlich in ihrem Kopf. Der Zeigefinger der Linken zeichnete mit dem Russ eine komplizierte Linie auf den Boden und der Wind stieg plötzlch steil vor ihr auf und riss den Sand mit nach oben. Eine winzige Rune, die die Haushälterin der Priester zum Feuermachen brauchte, kicherte es. Damit der Schornstein richtig zieht und schon fliegt der Sand.

    Und hinter dem Vorhang aus wirbelnden Sandkörnern erhob sie erneut die Armbrust zum Schuss.
     
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  13. VanDarkmind

    VanDarkmind Freund des Hauses

    "Ihr, ihr habt etwas was mir zusteht! Gebt es her und ich beendet es nur mit einfachen Qualen. Doch wenn ihr euch weigert, werden Schrecken und Wahnsinn der Angst hinzukommen. Ihr werdet nicht einmal mehr betteln können euch töten zu dürfen. Also beweist mehr Weitsicht als der Rest euer erbärmlichen Art! Gebt - es - her!"

    Der Herold war... beängstigend. Von allen Schrecken, die Alexis seit Port Raven erblicken musste, schien dieser hier der größte zu sein. Und doch... er konnte Risse öffnen, war furchteinflößend und befehligte den Drachen. Was abgesehen davon konnte er denn noch? Alexis sah sich kurz um, wobei es aussah, als wüsste er nicht, wen der Herold genau meinte. Alle waren hier, auch Harvald, der angriffsbereit schien.
    Die Präsenz des Herolds nagte an seinem Verstand. Zweifellos versuchte die Gestalt den Hexenjäger zu manipulieren. Ihn weichzuklopfen. Doch er scheiterte an etwas. Einem Aspekt an Alexis, der dem Herold nicht bewusst war. Jemandem. Ein verstohlenes Lächeln machte sich auf dem Gesicht des Hexenjägers breit. Zum großteil war dieses Lächeln gespielt, denn Alexis hatte ohne jeden Zweifel Angst. Wer hätte das nicht im Angesicht eines Drachen und einer Schattengestalt, die so unheimlich war? Doch es lag auch eine gewisse Zuversicht darin.
    "Aaaah. Endlich ist dieser Bannkreis weg. Ich werde wohl nie dahinter kommen, wieso die überall sein müssen... Oh hallo!" Magna hatte sich neben Alexis materialisiert und kurz darauf Lithia erblickt. Beider Erscheinung ließ kaum einen Zweifel daran, dass beide den selben "Arbeitgeber" hatten. "Ich hoffe ich komme nicht zu spät zu den Festlichkeiten?", fügte sie hinzu, fixierte den Blick des Herolds und beschwor ihre Sense.
    "Ihr wollt das hier?", erhob Alexis seine Stimme und patschte nach dem Würfel in Festes Hand, um ihn vor sich selbst hochzuheben. "Hmm. Lasst mich überlegen...", setzte er an und warf den Würfel ein, zweimal vor sich in die Luft, bevor er ihn in seine Tasche gleiten ließ, wobei er das Zittern seiner Hand zu unterdrücken versuchte. "Nö. Den müsst ihr Euch erst holen!", schloss er ab und machte seinen Zauber zum Angriff bereit.
    Zeit für einen weiteren verbalen Schlagabtausch gab es jedoch nicht. Denn Harvald stürmte sogleich auf den Drachen los und unterbrach das Intermezzo jäh.

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    Dujol war eine belebte Stadt. So viele unterschiedliche Völker. Das Leben hier florierte, obwohl die Region, in der Dujol lag nicht die lebensfreundlichste war.
    Eher beiläufig wurde sie angerempelt.
    "Heda! Passt doch auf, wo ihr.." Der Kaufmann verstummte jäh, als er erkannte, was er vor sich hatte.
    "Verzeiht.", piepste sie, verneigte sich knapp und ging weiter ihres Weges, wobei sie ihren Umhang fester an sich raffte und die Kapuze tiefer in ihr Gesicht zog. Nur eine dunkelviolette, dornenbesetzte Ranke wand sich aus der Kapuze hervor. Der große, gezackte Zweihänder aus schwarz-silbrig glänzendem Metall auf ihrem Rücken wirkte ob der zierlichen Statur regelrecht deplaziert.
    Schließlich stand sie vor dem Refugium des Ordens der Seraphen. Hier war es also...



    Entfernte Schreie hallten durch die Hallen des Ordens. Dot schreckte hoch. Ein Pergament klebte noch an ihrem Gesicht und löste sich durch die ruckartige Bewegung ihres Kopfes auf halbem Wege wieder. Sie war über ihren Dokumenten mal wieder eingenickt. Nur schwer gelang es ihr ihre Gedanken zu ordnen und im Hier und Jetzt anzukommen. Die Tür sprang promt auf und eine bewaffnete Wache stürmte herein.
    "Kommandantin! Der Orden wird angegriffen!"
    "Was? Von wem?"
    "Wissen wir nicht. Ich habe nur eine verhüllte Gestalt mit einem Zweihänder gesehen. Ihr müsst hier weg, der Orden ist nicht mehr sicher!"
    Dot sah sich kurz um. Dieser Ort war nun schon sehr lange ihr Zuhause gewesen. Die alten Tage des Herumreisens vermisste sie nicht gerade. Und in ihrer jetzigen verfassung wieder auf der Flucht sein zu müssen... Hätte sie die Sturmraben bloß nicht nach Port Milan geschickt.
    "Also gut, geht voran."
    "Jawohl!"
    Sie wandten sich gerade um, um zu gehen, als plötzlich jemand anderes in der Tür zu ihren Gemächern stand. Ihre Augen weiteten sich. Sie erkannte ihn sofort.
     
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  14. Asteria

    Asteria Freund des Hauses

    Als geheimnisvolle Fremde, die Keerah für die Leute hier war, hatte sich die dunkle Gestalt bereits in der Nacht zuvor eingefunden, wo nun Dämonen zu wüten versuchten und die Zivilisten in Angst und Schrecken versetzten. Mitten unter diesen Zivilisten; den Kindern und einem Gemisch verschiedenster Frauen, hatte sich Keerah mit einigen Pferden in eine jener Höhlen verzogen. Als die Fremde, die niemand zu fragen vermochte, woher sie eigentlich genau stammte, wurde sie von den Kindern nun eben staunend betrachtet. Längst hatte die Schwarzhaarige in der dunklen Kleidung ein paar schaurig schöne Geschichten über abenteuerliche Diebe erzählt, die allesamt insgeheim sie selbst gewesen waren. Durch die willkommene Ablenkung hatten sich die Kinder einen Funken weniger gefürchtet, doch das hielt nicht mehr lange an, nachdem sich Keerah wieder auf den Weg an die bebende Oberfläche machte. Vertrauliche Quellen hatten durch die ein oder anderen übrigen Gefallen ein paar Informationen an Keerah getragen, die ihr bei dem Versuch, Fehler wieder rückgängig zu machen, helfen konnten. Ein Vöglein hatte ihr gezwitschert, ihr Ziel lauerte hier, an diesem unheilvollen, dem Untergang geweihten Ort. Die Agentin fand das nahezu ironisch passend.
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    Zu gern hätte Xynalithia die Hintergründe jener mysteriösen Halle erforscht. Jedoch blieb dieses Gefühl nur unterwürfig in ihrem Bewusstsein bestehen, während sie die plötzlichen, schnellen Ereignisse einholten und zum Handeln zwangen. Noch lange nicht hatte sie die Dinge, die sie in der Halle gesehen hatte, verstanden. Doch es machte keinen Unterschied; von der Halle würde scheinbar nicht viel übrig bleiben und fast befürchtete Lithia, dass es ihr ähnlich ergehen konnte, wenn sie sich nicht schnell in Bewegung setzte. Völlig perplex versuchte die Geomantin die Herkunft der plötzlichen Beben auszumachen, doch etwas Fremdartiges schien sie zu verursachen und die Hallen selbst hatten keinerlei Anlass gelassen, die Räumlichkeiten einfach einstürzen zu lassen. Wie ein unerträglicher Kopfschmerz wirkte die Instabilität eines jeden Steines auf Lithia ein und raubte ihr den letzten Funken Verstand. Und dann schließlich offenbarte sich das schniefende, schuppige Unheil, das über die vier Gefährten gekommen war. Der Drache blickte gierig aus seiner geschaffenen Position, während er sich weiter regte und die Halle in einen Schmelzofen zu verwandeln drohte, allein durch die Wärme, die seine Nüstern und die schweren Schuppen ausstrahlten. Weniger elegant als Lithia zuvor, grub sich das übergroße Ungeheuer durch jeden Stein, der ihm auf seinem Weg nach Oben in der Quere war. Ein heilloses Chaos brach aus und Lithia war vollkommen erschöpft und ziellos den Plänen ihrer Gefährten anvertraut. Sie folgte ihnen und stellte so gut sie es nur konnte, auf ihrem Weg an die Oberfläche – dem Drachen hinterher – sicher, dass keinem ihrer Freunde ein größerer Schaden zustoßen konnte. Als Geomantin unter all diesen einbrechenden Trümmern und ehemaligen Strukturen, war die Priesterin vollkommen orientierungslos und ausgeliefert. Nur ein Sinn stand ihr noch eher, als endlich wieder aufatmen und zur Ruhe kommen zu können; Sie wollte dort heraus! Hinauf, dort wo das Licht ihre blasse Haut küssen konnte. Auf dem Weg, oder eher den Trümmern hinauf, die sie bestiegen, half Lithia der Truppe vor allem mit kleinen Steinvorsprüngen aus, die gerade sicher und stabil genug waren, um mindestens einem Tritt standzuhalten und jeden von ihnen etwas sicherer hinauf zu befördern halfen. Kaum merklich, dass dahinter noch Magie steckte, waren es diese kleinen Helferlein, die einen kleinen und feinen Vorsprung für die Gefährten bedeuteten. Doch als der schimmernde Würfel, der Schlüssel zum Fortschritt ihrer Verbündeten, in die Tiefe stürzte, vermochte Lithia nichts mehr zu tun und fixierte mit düstren Augen das fallende Objekt wie in Hypnose. Der Harlekin allerdings schoss geistesgegenwärtig mit ihm in die Tiefe - Lithia, die sich ganz unter den drei Gefährten befand, entgegen. Nicht ganz so durchdacht war allerdings das Schicksal, das dem Harlekin und dem dringend benötigten Artefakt jetzt blühte.
    Die Kraft der Gemeinschaft und Verbundenheit wurde Lithia mit einem Augenschlag bewusst, als das kleine, schuppige Wesen über ihr den Sturz und das verdoppelte Gewicht abbremste und mit dem schwachen Arm fing, als sei es das Selbstverständlichste, das je existiert hatte. Die so schwarzen Augen der Priesterin funkelten tatsächlich und Erleichterung erfüllte sie noch während des Aufstieges, als der Narr sicher vor seinem Sturz bewahrt wurde. Es war vollkommen befremdlich. Diese fremde Emotion, gar Fürsorge und die Sorge für andere Wesen im Allgemeinen, war lange vor ihr verborgen gewesen und jetzt, als sie sie verspürt hatte und ihre Verbündeten halbwegs sicher waren, war es wie ein Ansporn, eine neugewonnene Energie, dass sie sie alle lebendig an der Erdoberfläche wissen wollte. Gleichzeitig im Nacken die so fremde Angst, die Lithia plötzlich verspürte, und die Dämonen, die sie nach oben trieben wie ein paar abtrünnige Schäfchen. Und als das schuppige Ungeheuer unbedacht jene Welle Dämonen verfliegen ließ und die durchstoßene Barriere ettliche von ihnen verbrannte, blieb im Hintergrund etwas viel Schrecklicheres zurück. Der Herold ging souverän, erdrückend und angsteinflößend hinauf zu hinen, dort wo die vier Gefährten Mühe hatten, überhaupt oben anzukommen. Mit der puren Angst im Nacken, eine Angst die sie alleine ihre Herrin zuvor gelehrt hatte, traute sich Xynalithia nicht einmal mehr, nach unten zu blicken..

    Es war ganz so, als sei es nicht der Herold selbst, sondern das wabernde Schwarz des Nichts und Alles, das sie schon einmal kennenlernen durfte. Xynalithia spürte, dass ihr jegliche Kontrolle über sich selbst, ihrem und dem Schicksal anderer und über den Verlauf dieser unglücklichen Geschichte entzogen wurde. Der Kontrollverlust war das allerschlimmste; die Priesterin fühlte sich machtlos, von jeder Seele verlassen und zum ersten Mal im Angesicht einer anderen Wesenheit, die nicht ihre Herrin war, schwach. So schwach, dass sie, als die Welle über die Dämonen hinweg zog, keinen Muskel mehr regen konnte. Verkrampft hielt sie sich einige Sekunden lang – Sekunden, die sich wie Ewigkeiten anfühlten – an einigen instabilen Felsen fest. Egal wie sehr sie wollte, sie fühlte sich nicht, als könnte sie ihre verkrampften, kalten Finger von dem Stein nehmen. Jegliche Hoffnung verließ sie, nur der Trotz blieb zurück. Trotz, der sie einige Momente später weiter in die Höhe trieb.. Fort von dem wabernden Schwarz, der puren Angst und ihrem Untergang. Das Licht, die Hitze und die Außenluft erschlugen Lithia nahezu, als sie hinaus stieg, dem Ungetüm hinterher und doch bestärkt dadurch, eine günstigere Ausgangsposition zu besitzen. Und auch, wenn es leicht war zu glauben, dass sie an diesem einen Tag starben, so würde Lithia nicht kampflos sterben.
    Sie musste ihren Zweck erfüllen. Dafür, nur dafür alleine, war sie nun hier.
    Als sich der unheilvolle Wolfsgeist neben Alexis materialisierte, nickte Lithia dem Wesen zu und erkannte sie sofort als eine Zugehörige. Die Herrin hatte einfach.. Alles unter Kontrolle. Xynalithia würde sie gewiss nicht enttäuschen. Entschlossen sah Lithia dem Herold entgegen, mit Tränen in den schwarzen Augen. Tränen aus Verzweiflung, Angst und Trotz. Wenn sie kontrolliert wurde.. Wie viel Kontrolle über den Ausgang dieses Kampfes, würde ihr dann noch bleiben? Solche und viele weitere Fragen drangen sich der Konzentration der Geomantin auf.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Juni 2017
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  15. Jad

    Jad Angehöriger

    Mit knirschenden Zähnen und ächzendem Stöhnen tat der Herold seinen Unmut kund. Schon zum zweiten Mal wagte es dieses Menschlein seinem Willen nicht zu gehorchen. Dazu kamen nun auch noch ein weiterer seltsamer Mann und eine dürre Frau, welche so töricht waren den Drachen anzugreifen. Dieser Mangel an Demut vor einer höheren Macht war zu viel. "Wie ihr meint.... Fleischling!" Der Herold wartete nun nicht länger auf die Attacke des Drachen. Immerhin hatte er nun die Bestätigung, dass das Artefakt tatsächlich in den Händen dieser Einfältigen war. Der verhüllte Magier breitete seine knorrigen Finger aus als würde er zu einer Predigt ansetzen wollen. Doch statt weiser Worte kamen unverständliche Töne und Silben aus dem Knochenkiefer. Je länger dies andauerte, desto stärker baute sich ein unerklärlicher Hall auf, der wie dröhnende Hammerschläge ausgesandt wurde. Die Aura der Furcht um den Herold erwachte zum Leben, wurde erst farbig in einem schemenhaften dunklen Violett, als hätte ein Künstler eine Aschewolke in seinen Farbtopf geschüttet, dann spaltete sie sich ab. Die dröhnen Zaubersilben in der seltsamen Sprache, waren nicht für jedermann unverständlich. Der eben aufgetauchte Fuchsdämon verstand sehr wohl was der Herold an Wörtern wählte, war es doch Magie in der Sprache der Dämonen. So konnte Magna erkennen, dass der Herold einige sehr alte Flüche und Beschwörungen der Furcht erzeugte. Die abgelöste Aura machte sich nun selbstständig. So wandelte sie sich und dampfte zu einer violetten Wolke eigenständig in Bodennähe bis zu einer Höhe von zwei Metern langsam den Gefährten entgegen.

    Der Narr, der sich seine Verwunderung über das Auftauchen des neuen kleinen Dämons nicht anmerken ließ, wurde von der trotzigen Haltung Alexis ermutigt. Warum sich einer Angst nicht stellen? Immerhin ziehen Drache und Knochenmann in den Krieg, nicht in den Sieg! Er wackelte mit dem Kopf als er die Wolke aufsteigen sah. "Da schau her. Der Verwesungsgestank wird sichtbar gemacht. Wie freundlich von ihm, meint ihr nicht?" Eben noch grinsend wurde er nun ernst. "Helfen wir ihm beim Verwesen!" Kaum ausgesprochen setzte sich der Gaukler in Bewegung. In einer geraden Linie spurtete er auf die wabernde Wolke und den Herold hinter dem violetten Gebilde zu. Gerade wollte der Narr seine Karten zücken um sie dem Schurken entgegenzuschleudern, als er den 'Fehler' machte einzuatmen und mit der Luft einen kleinen Teil der magischen Wolke. Sie brannte wie Feuer in seiner Lunge, doch darüber hinaus, schien die Magie auch auf andere Bereiche überzugehen. Muskeln verkrampften, der Puls erhöhte sich merklich. Es dauerte nicht lange bis die Adern in seinem Kopf pochten. Die Angst stieg ihn ihm hoch und wurde sogar abstrakt. Der Sand unter ihm schien anfangen sich zu verändern. Aus Körnern wurden goldene Wassertropfen, aus festem Boden ein tiefes Meer. Natürlich sahen die anderen Gefährten vor der Wolke diese Dinge nicht, handelte es sich schlicht um Wahnvorstellungen. Doch für den Narren waren sie so real, dass er sogar Schwimmbewegungen versuchte um nicht unterzugehen. Der Herold lächelte bösartig zufrieden. "Was für ein Narr!" Mit einer stoßenden Handbewegung nach vorn ließ er die Wolke den Stoß vollführen, zu welchem ihm von seiner Position die Reichweite fehlte. Der Fransenwams wurde samt menschlichem Inhalt unvorbereitet getroffen und von den Füßen gefegt zurück in Richtung seiner Gefährten, wo er ob der Wucht des magischen Stoßes einige Meter über den sandigen Boden geschleift wurde. Es dauerte einige Atemzüge, bis keine Reste der giftigen Luft mehr in seinem Körper war. Dadurch klarte sein Blick auch wieder auf und er rappelte sich hoch. "...interessant." Feste lockerte seine Schultern. "Wir sollten zusehen dieses Zeug nicht einzuatmen."

    Der Herold vollführte zwei ineinander greifende Kreisbewegungen mit seinen Armen und erhob erneut seine ächzende Stimme. "Wollen wir beginnen...?" Damit riss er seine Gliedmaßen von sich, wodurch sich die Wolke explosionsartig zu allen Seiten ausbreitete und in wenigen Augenblicken um ein vielfaches anwuchs. "Nun stellt euch euren Ängsten... Pack!" Als würde er etwas Schweres vor sich haben, schob er die Arme nun nach vorn und mit den Armen bewegte sich das Wolkenungetüm auf die Gruppe zu.
     
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  16. Luke

    Luke Ehrbarer Bürger

    Geschleifte Mauern

    Sorgsam tastend fegte Balthasar über den spröden Boden, legte unter dürren Gräsern und Sand die antiken Steinplatten frei, spürte die fremdartigen Schriftzeichen unter seinen klauenbewehrten Fingerspitzen und erhob sich schließlich grübelnd. Wenige Steinwürfe vor den Toren Port Milans fegte ein unangenehmer Wind mit griffelnden in Luft geborenen Händen umher, sodass sich in den Rillen der Hieroglyphen schnell wieder Staub und Dreck sammelte. Was der Magier im Dämonenleib gespürt hatte, war nichts neues für ihn, doch er hatte es sich nicht nehmen lassen, es ein letztes Mal zu überprüfen.
    Keine Magie wirkte hier, der Zauber war gebrochen und die ihm innewohnenden Mächte längst geschwunden. Der Bannkreis der Stadt war tot, vermutlich schon vor Jahrzehnten erloschen, nunmehr einer im Kriege geschleiften Mauer gleichend und werden weiß, sann er, vielleicht war es ja wirklich so gewesen.
    Seufzend wand Balthasar sich ab und schritt zum Tor zurück, gefolgt von einer Garde vermummter Schlangenkultisten.
    Er bemerkte sie kaum noch, die bewaffneten Leibwächter waren wie sein eigener Schatten, geworfen von seiner angsteinflößenden Gestalt, durch eine kampflustige Sonne. Und so wanden sich seine Gedanken, schwirrten umher wir ein wankelmütiger Vogelschwarm und bezogen sich auf andere, wichtigere, größere Dinge.
    Die toten Runen im Gestein aufs neue zu betrachten hatte seinen letzten Zweifel ausgeräumt. Er würde den Marschbefehl geben, damit die Stadt geräumt würde, bevor die Wogen der Dämonenhorde sie umtosen und verschlingen konnten. Schnaubend und freudlos musste er auflachen. Warum hatte er auch gehadert.
    Die magischen Schutzwälle Port Ravens waren intakt gewesen, als der Riss sich aufgetan hatte, wie eine Wunde im Himmel und am Ende hatten sie keinen der unzähligen Einwohner retten können.
    Balthasars stets einem Bienenschwarm gleich summenden Netz aus Informationen hielt sich nachvollziehbarerweise bedeckt, was die verlorene Stadt anging, aber er war sich sehr sicher, dass die fremdartigen Feinde nahezu jeden Mann, jede Frau, Kinder und Greise gleichermaßen ausgelöscht hatten, die jenen Ort ihr Heim genannt hatten und Gerüchte von Flüchtlingen waren rar, kamen zögerlich und unbewiesen daher.
    Mit diesem Gedanken vor Augen eilte er nach Port Milan hinein, der breiten, einst so belebten Straße folgend, die nun ausgestorben wirkte, wie ein winddurchflöteter Friedhof. Zrikes, seine rechte Hand huschte wie eine Brise an seine Seite, sich dem Gefolge anschließend und überreichte Balthasar eine versiegelte Schriftrolle. Ein genauerer Blick offenbarte das Siegel Trutzhains, bevor es durch kraftvolle Hände gebrochen wurde.
    Balthasar, der schwarzhäutige Fürst überflog das Schreiben im Gehen und schnaubte erneut ohne Esprit oder Belustigung. Es handelte sich um eine Depesche des Rats der Fischer und war karg in der Wortwahl, kurz angebunden und selbstverständlich mit einer abweisenden Botschaft. Wie das Land aus dem die Nachricht stammt, dachte er. Der Rat versicherte ihm den gebührenden Dank für die Warnung, schlug jedoch mit höflichem Nachdruck das Angebot aus, die arglosen Bewohner des unwirtlichen Staats nach Süden zu schicken, um sich den Flüchtlingen Port Milans anzuschließen. Wie auch die verblichene Schutzbarriere zuvor war für den Fürsten keine Überraschung zu entdecken. Die Menschen Trutzhains würden gemeinsam mit ihrer Heimat bestehen - oder untergehen.
    Achtlos warf er den Wisch in den Wind, wo er wirbelnd erfasst wurde und in einem verzweifelten Tanz von Luftschleiern getragen hinaufstieg, um einsam außer Sicht zu trudeln. Kurz darauf erreichte Balthasar den südlichen Wall, unweit des Torhauses und erklomm in großen Schritten die steinerne Treppe, aus abgelaufenen, glatten Stufen gefügt, bevor er den Wehrgang erreichte, von dem er auf die marschbereite Kolonne hinabblicken konnte.
    Angstvolle, argwöhnische Blicke erreichten ihn, doch auch Dankbarkeit und Vertrauen glaubte er zu spüren.
    Die Küstenstadt hatte einen starken Herrscher gebraucht, nachdem seinem Vorgänger Herzog Yaquel Ominek ohne das heimliche Drahtziehen der Schlangenbruderschaft die Kontrolle über den Staatsapperat verloren hatte. Doch obwohl der neue Herzog seine Vergangenheit als ehemaliger Tyrann und Geldeintreiber nicht offenbart hatte, fürchteten sich dennoch viele vor dem schrecklichen Anblick, den er bot und mieden den Blick aus dem schuppigen Antlitz.
    Als er seine gewaltige Pranke hob, dauerte es einige Augenblicke, bis der Lärm abertausender Stimmen vor den Toren langsam verebbte.
    “Die Zeit des Aufbruchs ist gekommen, tapfere Bewohner Port Milans! Der Feind aus dem Norden rückt an, und er ist unbarmherzig, ohne Gnade!“
    Kurz hielt er Inne, um seine Worte wirken zu lassen. In den Gesichtern der Menschen spiegelten sich Todesangst wieder, doch auch Hoffnung.
    “Geht ohne Furcht, doch raschen Schrittes; um euer Hab und Gut sorgt euch nicht, denn den dunklen Horden verlangt es nicht nach Gold, nicht nach euren Häusern oder Besitztümern!“
    Kunstpause.
    “Diese Geißel unseres Zeitalters wird nicht ruhen, bis nicht der letzte Bewohner dieser Welt vernichtet oder unterworfen ist! So geht denn, harrt aus und lebt, bis ein Weg gefunden ist, diesem unheiligen Treiben Einhalt zu gebieten!
    Eilt euch, meine Freunde und gedenkt euren Brüdern und Schwestern in Trutzhain, die sich opfern, um euch die Chance zu Flucht zu geben!
    Behaltet sie als Helden in eurer Erinnerung und möge ihr Andenken eure Schritte beschleunigen!“

    Der Trek setzte sich murmelnd in Bewegung und seine Rede blieb ohne Jubel, ungekrönt. Zu groß war die Verwirrung in den Herzen der Menschen.
    Balthasar wandte sich ab und verließ die Mauer. Es gab - wie immer - noch viel zu tun.

    ---

    Aus der mentalen Umklammerung befreit, die seinen Verstand wie wie eine Dornenkrone gemartert hatte, erreichte Haj'ett zerkratzt und hustend die glühende Oberfläche des Plateaus und robbte so gut er es vermochte aus der Gefahrenzone in der Hoffnung, das Grauen in seinem Nacken würde ihn zunächst nicht bemerken - ganz zu schweigen von seinem tobenden, feuerspuckenden Verwandten. Er schnaufte wie ein Blasebalg, als er die zweifelhafte Deckung eines Trümmerstücks fand und zwang sich bebend, tief durchzuatmen und seine durchgewirbelten Gedanken zu beruhigen.
    Sein Geist glich einem einst stillen Teich im Walde, der von den starken Regenfällen des Frühjahrs in Tumult versetzt und zum überschwappen genötigt wurde; so jedenfalls schien es dem Echsenmann, der sich bemühte, die Wogen seiner in Wallung geratenen Gefühle zu glätten.
    Ruhig Blut, alter Freund, atmen, atmen, eeein und aus. Konzentriere dich auf den Moment!
    Tatsächlich gelang es ihm einige Herzschläge später, die Wortfetzen einzufangen, die von jenseits des Gesteinsbrockens zu ihn herüberflatterten. Wahrlich, dem Hexenjäger fehlte es selten an der Spucke mit der große Töne geschmiert wurden und Bewunderung überkam Haj'ett, wenn auch gemischt mit einem tadelnden Hauch, der Alexis für diese beinahe dummdreiste Art schelten wollte.
    Dass es dem Herold augenscheinlich um den eigenartigen Würfel ging, wunderte ihn hingegen nicht im geringsten. Er hatte zwar keine eindeutige Ahnung, weshalb diese scheinbar schwebende Schreckensgestalt das Artefakt begehrte, doch im Moment kümmerte es ihn auch nicht - dringlich wurde ihm bewusst, welche Woge schreiend sterbender Magie sie im Tunnel erfahren hatten und ein Leichtes war die Schlussfolgerung, dass der Schutzwall des Zirkels erkaltet war wie die Asche eines verlassenen Lagerfeuers, eine geschleifte Mauer, von den kraftvoll wühlenden Pranken des Drachen für immer gebrochen.
    Den Horden des Risses waren sie nun schutzlos ausgeliefert, wenngleich es einige Zeit dauern könnte, bis die Reihen aus dem Schattenreich nachrücken konnten.
    Welches Ende der Konfrontation am Sternenzirkel nun beschieden wäre - es würde bald kommen.

    Haj'ett hatte diesen letzten Gedanken kaum vollendet, als er ironischerweise von den Geschehnissen im Hier und Jetzt eingeholt wurde; bevor er sich noch für sein ewiges Gegrübel selbst verfluchen konnte, umhüllte ihn die fremdartige Wolke zu Gänze und fraß sich brennend in die Atemwege. Schon beganmen seine Knie nachzugeben und zittrig begann sein Herz schneller zu schlagen, als würde der rätselhafte Nebel ihm den neuen Rhythmus geradezu aufzwingen wie ein allzu forscher, wenig galanter Tanzpartner.
    Doch der Trotz meldete sich wieder, tief im Hinterkopf des Echsenmannes verborgen und eine geistesgegenwärtige Idee ließ ihn nach dem Wasserschlauch greifen.
    Heftig atmete er aus, was sich wie ein heiseres, langezogenes Keuchen anhörte und zwang sich alle Luft und noch den letzten Rest des gedankenverpestenden Brodems hervorzupressen - und goss sich dann eine gute Portion Wasser in den weit geöffneten Rachen.
    Als die schale Flüssigkeit seine Lungen füllte, schwanden die unangenehmen Auswirkungen des Nebels, doch würde es kaum für mehr als ein oder zwei Atemzüge reichen, zumal es noch immer ein recht unangenehmes Gefühl war; seiner Kehle entflog ein gluckerndes Rasseln und er beeilte sich, nachzuschütten.
    Sparsam verbrauchte er flach die Brust hebend den Atem, der ihm durch das Wasser vergönnt war und kurbelte vorsichtig an seiner Armbrust. Die zusätzliche Anstrengung würde die Zeit verkürzen, die ihm blieb, bevor er aus der Wolke fliehen musste, doch es gelang ihm, die Waffe zu spannen und einen Bolzen aufzulegen.
    Ein weiterer hastiger Schluck und es gelang ihm auf den kaum auszumachenden Schemen des Herolds anzulegen, während das überquellende Wasser seine Finger benetzte und rutschig machte.
    Er hielt den Atem an, um sich seines flinken Auges sicher zu sein - und drückte ab. Der Bolzen versetzte den Nebel um ihn herum in kaum wahrnehmbare Schwingungen, um dann mit der Schlagkraft eines Preisboxers aufzuschlagen; und prallte ab.
    Es war wie ein unsichtbarer Schild, der den Herold umhüllte und pfeifend segelte das verbogene Geschoss in das undurchdringliche Gewölk davon.
    Das Lachen, das wie das Zähneknirschen von hundert Skeletten klang, folgte Haj'ett, als er aus dem Dunst herausstolperte, um sich geschlagen ein weiteres Mal zu verbergen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Juni 2017
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  17. Jad

    Jad Angehöriger

    Es klapperte als die fahle Gestalt einen kehligen Lachanfall bekam. "Du armseliger Narr! Glaubst du wirklich so einfach einen Bolzen in meinen Leib treiben zu können? Die Arroganz von euch Sterblichen ist wahrlich grenzenlos!" Der Herold setzte sich in Bewegung. Wie ein Windhauch glitt er geradezu ohne Widerstand durch seine Wolke der Furcht die nun inzwischen auch die anderen erfasste. Mit einer schneller Geste seines Arms wischte er in einem groben Schwung vor sich quer über die Truppe, welche den Bodenhalt verlor, und je nach Gewicht von den Füßen getragen, oder gar ein Stück auseinander gefegt wurde und unsanft auf dem Boden aufkam, sofern ihnen kein Hilfsmittel oder Fähigkeit zur Verfügung stand, wie beispielsweise die Akrobatik, die dem Narren in Fleisch und Blut übergangen war. Er konnte sich zum Glück abrollen und war so wieder rasch auf den Beinen. Der Harlekin hatte genug von diesem Sack aus Haut und Knochen eingewickelt in Stoff, der nach außen ausfranste. Es arbeitete in ihm wie diesem Gegner beizukommen wäre. Der Herold war in der Tat gut aufgestellt. Er schien ein dunkler Magier zu sein der sein Handwerk verstand. Flächendeckend konnte er seine Feinde mit seiner Wolke einnebeln, um ihnen Verstand und Konzentration zu rauben und durch seine magischen Schläge und Stöße in der Entfernung, verstand er es seine Gegner auf Abstand zu halten. Sollte er es dann noch schaffen direkte Konzentration eines Einzelnen für einen Moment voll und ganz auf ihn zu haben würde er seinen wohl mächtigsten Zauber nutzen, wie schon zuvor im Schacht des Drachen angewendet. Zum Glück war bisher immer jemand da um den Unglückseilligen aus dieser 'Trance' zu befreien, aber wenn es einmal nicht dazu käme.. wie weit würde diese Furcht gehen? Wie sehr würden die magischen Nadeln in den Kopf des Gefährten eindringen können? Bis zur Offenbarung der geheimsten Ängste? Bis zur Ohnmacht? Zum Wahnsinn? ...zum Tod? Fakt war auf jeden Fall, dass er wohl einem Treffer nicht viel entgegen zusetzen hätte, daher wohl auch die vielen Strategien sich Gegner vom Leib zu halten. Doch mit einem einfachen Geschoss - wohl der effektivste Weg ihn zu treffen - war dem Herold nicht beizukommen. Doch was wäre wenn... Vielleicht ist dieses Schild von seinem Fokus abhängig, so wie die all die anderen Zauber welche hier zum Angriff genutzt wurden? Also gut... Versuchen wir's.

    Er schaute sich um, schaute in die Augen von Harvald, Ha'jett, Lithia, Serafine und Alexis. Es gibt keinen anderen Weg.. einer muss sich stellen... sich in den Fokus setzen, damit jemand anderes die entscheidenden Angriffe fahren kann. Er lächelte. Es war ein trauriges Lächeln und doch strahlte es Herzlichkeit und Freude aus ....und Vertrautheit. Der Gaukler war so weit. Er vertraute - vertraute darauf, dass diese Gesten im Schacht keine Eintagsfliege wären, vertraute darauf, dass er von den anderen als einer der ihren angesehen wurde, auch was die beiden an der Oberfläche gebliebenen anging. Denn wenn er sich hier irrte... würde es keinen Plan B geben, keine weitere Chance. Er war alleine dem Herold hoffnungslos unterlegen und so würde es jedem hier gehen. Alleine würden sie alle untergehen gegen diesen Gegner... mit diesem gewaltigen Ungetüm im Rücken des Schurken erst Recht! Doch zusammen... zusammen würden sie es schaffen können, wenn sich jemand bereit erklärte das hohe Risiko einzugehen. Seiner Angst und seiner Furcht ins Auge zu blicken. Feste war dieser jemand. Das hatte er eben entschieden. Er fürchtete sich. Seine Hände wurden schwitzig. Zulange hatte er seine größte Angst verdrängt und überspielt. Doch wenn es der einzige Weg zu einem Sieg war... dann sei es so. Das Lächeln haftete an. Es sollte sich direkt in die Herzen der Gefährten bohren. So sollten sie ihn in Erinnerung behalten, falls etwas schief lief. Er war sich sicher, dass selbst Harvald unter seiner Augenbinde sehen konnte dass er angelächelt wurde. Ein letzter Blick in die Runde und ein leises Flüstern. Es war nicht wichtig, dass es akustisch verstanden wurde. Egal ob Magier, Krieger oder Schütze. Jeder würde es mit dem Herzen hören, mit der Seele. "Also dann..."

    Feste drehte sich zum Herold, knackte ein, zweimal mit dem Nacken und rollte prophylaktisch seine Muskeln und Bänder in den Schultern. Er hatte selten einen offenen Kampf bestritten, beherrschte er doch so gut wie gar keine Verteidigung. Doch nun war seine Feuerprobe auf dieser Stufe. Er war der Lockvogel, der unbequeme Dorn im Schuh. Er würde den Herold ablenken und piesacken so gut es ging. Magier hatte eine hoher Ablenkungstoleranz, das war ihm klar. Für die Magier war es unabdingbar. Doch bei dem was der Narr in seinem bisherigen Leben schon alles erlebt hatte, wie sehr er schon unzählige Male in der Welt der Spione, Intrigen und Agenten eingetaucht, verschluckt und wieder ausgespuckt wurde, hatte er einen unbändigen Willen. Dies und seine Schnelligkeit würde in die Waagschale werden und hoffen, dass ihm ein Quäntchen Glück beschert wurde.

    "Kommst du um zu sterben Schwächling? Um in deiner Angst zu vergehen?", ächzte es ihm entgegen. "Wir werden sehen." Er spannte seine Muskeln an. Seine Hände, die bisher einfach an seinen Seiten herunter gingen ballten sich zu Fäusten. Die knochige Hand des Herold winkte ihn heran "Dann komm h.." Da wo eben noch der Harlekin stand wirbelte ein kleiner Sandteufel auf und verging ihm nichts. Der Harlekin war fort. "Was ist los Klappergestell?", feigste es hinter ihm. "Kommen deine hohle Augen da nicht mit, ... oder dein hohler Kopf?" Der Herold fuhr herum. "Du wagst es...!?" Feste rannte auf ihn zu. "All zu leicht!" Der Herold holte wieder aus um ihn wie gerade eben schon zurückzustoßen. Doch dieses Mal schwang seine magische Energie ins Leere. Denn dieses Mal war der Narr darauf vorbereitet. Er nutzte das Blinzeln erneut um im rechten Moment aus der 'Schusslinie' zu kommen und mit wahnsinniger Geschwindigkeit zu Seite auszuweichen. Dieses Mal gab es keine Wolke die ihn beim Zielen hinderte. Sofort nutzte er seine Chance und ließ aus je einer Hand zwei Karten wie Wurfsterne auf den Herold niedergehen. Die Spielkarten pfiffen durch die Luft und schlugen hart auf dem Schild des Herold auf, wo sie in alle Richtungen unkontrolliert davon schwirrten. Feste verschwendete keine Zeit auf Erstaunen, oder überlegen. Er wusste was er tun musste. Er änderte seine Richtung und raste wieder auf den Herold zu. So zwang er diesen nun zum ersten mal auszuweichen. Anscheinend war es ihm doch nicht zu geheuer den klingelnden Gaukler zu dicht an sich heranzulassen. "Du bist gewiss ein schlüpfriges Kerlchen. Doch auch du kommst nicht gegen deine Angst an!" Wieder beschwor er eine neue violette Wolke der Furcht. So dicht, dass Feste ihn darin kaum noch ausmachen konnte. Schon nutzte der böse Magier seine Kunst und schob den unheiligen Nebel gegen den Narren. Doch Feste wich nicht aus. Er machte keine Anstalten sich zu bewegen. Er musste den Fokus auf sich lassen. Nur wenn der Herold ganz mit diesem Quälgeist beschäftigt war, konnten die anderen Erfolg haben. Mit mehr Wucht als es annahm erfasste ihn der Nebel und der Harlekin musste einen Ausfallschritt nach hinten machen um auf den Beinen zu bleiben. Mit beißender Effizienz grub sich die Essenz in seine Lungen, seinen Kopf und sein Herz. Doch Feste wich noch immer nicht. "IST DAS ALLES!? DOCH NUR HEIßE LUFT! DACHT ICH'S MIR!", brüllte er durch den violetten Nebel. Ein Grollen aus dem Nebel. Der Magier konnte das nicht auf sich sitzen lassen! Er ließ noch mehr Energie in seine Wolke fahren. Die Essenz war inzwischen so dick, dass sie regelrecht auf dem Boden kroch und da war sie.. die Furcht.. Feste merkte wie sie sich nach oben in sein Bewusstsein fraß. Vor seinem geistigen Auge sah er es. Er sah es ganz klar: seine Heimat Sevelda. Die Gedanken trugen ihn fort... und die Szenen die er am meisten fürchtete nahem ihren Lauf...
     
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  18. Harvald

    Harvald Ehrbarer Bürger

    "Wie ihr meint.... Fleischling!" ein spöttisches Lachen drang mühsam durch die wirbelnden Gedanken in Harvalds Gehirn, als er sich unter dem Leib des Drachen hervor wand. Zwei der Dornenfortsätze verfingen sich zwischen den Schuppen und brachen ab, dann war er frei und erhob sich, für seine Verhältnisse elegant, berauscht von der gerade aufgenommenen Lebensenergie. Der Drache bewegte sich seitwärts und versuchte das beschädigte Bein wieder einzusetzen und unter den Körper zu bringen was ihm auch gelang.

    Als die nebelhafte Existenz Harvald erreichte, der um einiges näher am Herold stand als die Gruppe, sog er den Rauch tief in die Lungen. Er brannte wie Feuer, doch nur für einen Augenblick. Die Existenz des Furchtdämons verwandelte sich unter dem Einfluss von Harvalds Existenz. Hätte ein Wissenschaftler oder Magier den Vorgang analysiert, so wäre er zu der Erkenntnis gekommen, dass die Eigenschaften des Seelenteufels, die im Zuge der Verschmelzung Teil von Harvalds physischer und psychischer Existenz geworden waren, durch den Kontakt mit der Existenz des Furchtdämons, aktiv die Kontrolle übernahmen.

    Praktisch sah das Ergebnis für Harvald jedoch anders aus. Die Axt in seinen Händen verwandelte sich. Er hielt den Fuß eines Seelenteufels, nein, den Fuß des Seelenteufels aus dessen Knochen die Axt gemacht war, dessen Blut ihn verwandelt hatte in Händen und sah ihm in die Augen. Er versank in den himmelblauen Augen. Harvald sah in das Innere des Dämons, der er nun selbst war, sein Bewusstsein am Rand seiner Existenz war nur noch Zuschauer der gegenwärtigen Vorgänge.

    "Wollen wir beginnen...?" Damit riss der Herold seine Gliedmaßen von sich, wodurch sich die Wolke explosionsartig zu allen Seiten ausbreitete und in wenigen Augenblicken um ein vielfaches anwuchs, sodass Harvald ins Innerste der Wolke gelangte. "Nun stellt euch euren Ängsten... Pack!"

    Ein Schlag wie mit einer unsichtbaren Keule ließ ihn einen Augenblick taumeln wärend er die anderen von den Beinen holte. Der Seelenteufel in seinen Inneren ließ nicht zu, dass er vollständig fiel. Er sah den Narren rennen. und der Kopf des verhüllten Magiers drehte sich und folgte dem irrsinnigen Lauf

    "Beginnen?" dröhnte es aus Harvalds Kehle, ohne dass er sich eines Wortes bewusst war. "Lass' es uns beenden. Du willst Furcht? Ich bin die Furcht! Du willst Chaos? Ich bin das Chaos." brüllte Harvald den Herold an. Er ergriff den Seelenteufel mit beiden Händen fester am Standfuß und hielt ihn weit über den Kopf erhoben. Er sah wie der Mund des Seelenteufels das Violett des Furchtdämons aufsog und der Seelenteufel immer lebendiger wurde. Das schwarze Drachenblut tropfte von seinem Gesicht und lief über die knochengraue Rüstung, doch der himmelblaue Irrsinn in seinen Augen leuchtete heller, als die Sternenmagie in seinen Augen funkelte. Der Herzschlag des Herolds dröhnte in seinen Ohren. Langsam Schritt für Schritt ging er auf den Herold zu. Er würde nicht erneut fallen; er würde nicht straucheln; er würde nicht sterben.

    Dein Mangel an Furcht zeugt lediglich von einem bedauernswerten Mangel an Phantasie, lachte eine Stimme in Harvalds Kopf als der Verstand langsam zurückkehrte. Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglicher Dummheit. Erstaunlich wie du das mit der Dummheit trotzdem hinbekommst.

    Serafine sah durch den Schleier, wie Harvald in der violetten Wolke verschwand und himmelblau leuchtend wieder erschien. Sie wollte handeln, als sie die Wolke erreichte und mit dem wirbelnden Sand verschmolz. Taumelnd vermochte sie kaum die Armbrust zu halten. Doch plötzlich raffte sich ihre Figur zu einer strammen, fast steifen Haltung. Wenn jemand den wirbelnden Sand beobachtet hätte, wären ihm die zwei weiteren Silhouetten aufgefallen, die sich in den aufsteigenden Sandwirbeln zeigten. Sie hielten Serafine an ihren Schultern aufrecht und hüllten sie ein. Der violette Nebel vermochte ihre Existenz nicht zu durchdringen. Zwei Stimmen klangen in ihrem Kopf und diesmal stritten sie nicht. Furcht? Wovor sollten wir, die wir bereits tot sind, uns sich fürchten. Der Herold des Bösen und sein sogenannter Dämon gehört zur materiellen Welt. Sie können uns nicht schaden und nicht gegen uns kämpfen. Sie sollten uns fürchten. Schwester, wir sind bei dir. Und die violetten Wirbel in ihrer Nähe verloschen. Serafine legte erneut ihre Armbrust, diesmal auf den Herold an an.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Juni 2017
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  19. VanDarkmind

    VanDarkmind Freund des Hauses

    Als Alexis die dunkle Wolke erblickte und den Effekt auf den Narren erkannte, wünschte er sich für einen Moment ein Luftmagier geworden zu sein. Doch viel Zeit blieb nicht, um sich eine Strategie dagegen auszudenken, denn schon warf der Herold die Gefährten von ihren Füßen. Alexis landete im Gegensatz zu Feste recht unsanft und spürte ein Brennen in der Nase. Er schmeckte Metall.
    Durch die Kampfgeräusche hindurch vernahm Alexis plötzlich ein lautes Surren, das in einem Sekundenbruchteil lauter wurde. Es hörte sich an wie etwas schweres, das durch die Luft geschwungen wurde. Sein Verstand fing erst richtig zu arbeiten, als der felsige Boden unter Magnas Füßen neben ihm ächzend ein Stück nachgab und zersprang. Funkensprühend und mit einem kreischenden Geräusch von Panzerplatten und Dornen auf Metall prallte der dornenbewehrte Schwanz von Magnas Sense ab, die sie Schützend über sich und Alexis gehalten hatte.
    "Los! Bewegung! Noch so einen Schlag kann ich nicht abwehren!"
    Der Adrenalinstoß tat sein übriges. Während Harvald, Feste und Haj'ett mit dem Herold beschäftigt waren, versuchte Alexis so gut es ging die dunkle Wolke zu umlaufen und die Aufmerksamkeit des Drachen auf sich zu lenken. Dieser, bereits angeschlagen durch Twiggys Magieausbruch und Harvalds Angriff auf dessen Bein, war anscheinend wenig beglückt darüber das Leben des Hexenjägers nicht ausgelöscht zu haben. Wütend blickte er zwischen dem Wolfsdämon und dem Hexenjäger hin und her. Auch Mana tat ihr bestes um das Ungetüm zu verwirren.
    Magiefäden peitschten in Richtung der Bestie und machten ihn eigentlich nur noch wütender. Bei seinen Versuchen dem dornenbewehrten Schwanz des Drachen auszuweichen, versuchte Alexis eine Strategie gegen das Ding zu entwickeln. Es half alles nichts, Alexis musste irgendwie eine Schwachstelle in der Verteidigung finden. Der einzige Vorteil den sie hatten: Das Monstrum war angeschlagen, nicht mehr flugfähig und verhältnismäßig langsam. Das war es aber auch schon. Lange konnte Alexis das Hüpfspiel jedenfalls nicht aushalten. Er war kein Akrobat wie der Narr. Und auch der hatte sicherlich seine Grenzen. Er blendete alles um ihn herum aus und konzentrierte sich auf den Drachen. Normale Waffen vermochten ihn kaum verwunden. Auch Alexis' Magie war scheinbar wirkungslos. Außer vielleicht ein paar kerben zu schlagen kam er nicht durch die Panzerung des Monstrums an. Doch es kam noch schlimmer. Der Drache zog seinen Kopf zurück und man konnte Flammen aus dessem Mundwinkel züngeln sehen. Dem konnte Alexis nicht ausweichen. Nicht auf diese Distanz. Er machte sich bereit und wirkte den erstbesten Schutzzauber, der ihm einfiel.
    Die Flammen brandeten um ihn herum und Alexis kniff die Augen zu. Er spürte die Hitze auf seinem Körper, doch die Flammen schlugen nicht direkt auf ihn ein. Der Schutzzauber hielt. Noch.
    Alexis hatte kurz Gelegenheit, sich umzusehen und erkannte, dass um ihn herum ein Halbkreis aus versengtem Boden entstanden war. Allein die Hitze, die seine Umgebung nun abstrahlte war schwer zu ertragen. Der rache setzte erneut an und Alexis tat sein bestes, um die Flammen abzuhalten. Der Schutzzauber hielt abermals, doch zwang ihn die Druckwelle, die ihn erfasste regelrecht in die Knie. Die Flammen um ihn herum zogen die Luft aus der Umgebung und Alexis japste. Noch so einen Angriff würde er vielleicht nicht... Aber was war das? Spürte er nicht jedes Mal einen Ausbruch an Magie über ihn hinwegbranden? War das magisches Feuer?
    Er hatte keine Wahl. Ein weiteres Mal würde er nicht überleben, also enstschloss er sich, etwas auszuprobieren.
    Die dritte Welle an Flammen brandete über ihn hinweg und er konzentrierte sich jetzt weniger auf den Schutzzauber, der ohnehin kaum noch halten würde. Er passte sein Gespür vielmehr auf die Flammen an. Die urtümliche Energie, die diesem Feuer entsprang. Und da war es. Wie ein Funke in der unendlichen Dunkelheit, der plötzlich immer heller wurde und alles umfasste. Ihn umfasste. Die magische Energie umströmte ihn, wohlig wärmend. Die Flammen erfassten ihn, doch verzehrten sie ihn nicht. Sie wurden von ihm aufgesogen. Von einem Moment auf den anderen fühlte er sich von der Kraft, die ihn vernichten sollte erfüllt. Die Flammen erstarben schließlich und deren Reste wichelten sich regelrecht um seine Unterarme. Entschlossen stand Alexis aus seiner knieenden Haltung auf und trat über den versengten Boden auf den Drachen zu. Zwischen seinen Händen formte er vor seinem Körper eine Kugel aus dieser magischen Energie, die er eingefangen hatte, bis sie komplett seinem Körper entsrömt war und schleuderte sie auf den Drachen. Der Drache war garnicht in der Lage auszuweichen, war er doch zu träge und gleichzeitig zu perplex um zu verstehen, was hier passiert war.
    Und Alexis sollte Rech behalten. Mit seinen eigenen Waffen konnte man ihn sehr wohl besiegen. Der Drage taumelte und brüllte wütend auf. Als sich der Rauch legte, klaffte auf der Brust des Drachen eine offene Wunde. Die Panzerplatten, die ihn schützen sollten waren geschmolzen.
    Alexis konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Zitternd setzte er einen Fuß vor den anderen, um nicht umzukippen.
     
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  20. Jad

    Jad Angehöriger

    Blut und Schande



    Realität und Wirklichkeit verschwammen ob der personifizierten Furcht die den Narren durchströmte. Trugbilder tanzten vor seinen Augen. Der magische Nebel leistete ganze Arbeit. Feste sah eine karge Steppe aus der Wüste wachsen, lebhaft bildete sich nach und nach die Umgebung seiner Heimat heraus. Wie ein Adler flog er über die Gebiete, wie die wenigen Wälder die nicht mal alle Seveldarer kanten und sie brannten, sie brannten lichterloh! Die Städte wurden von Krankheit und Verbrechen überflutet und die Tiere starben als Jagdgut einer fremden Macht, welche sich an ihnen gütlich tat. Alles war zerstört. Ein Kaiserreich lag in Trümmern. Das kann nicht wahr sein! Sevelda ist das mächtigste Reich in ganz Maradar es würde niemals.... Der mentale Adlerflug stoppte abrupt durch das große Fenster eines prächtigen Schlosses mit hohen Türmen und Pagodendächern. Überall gab es Mahagonischnitzereien. Eine Reihe von Wächtern in prächtigen Rüstungen aus Stahl, Gold und Silber mit gleichfarbigen Masken stand Spalier an einem breiten Teppich in der Mitte des Saals, die ebenfalls ins rascher Geschwindigkeit überflogen wurde. Alle trugen Hellebarden mit langer, geschwungener Klinge und langen, dünnen Stäben. Der dunkle Teppich, aus seidigem Stoff mit eingewebten Goldfäden die verschiedene, geschichtliche Ereignisse darstellten, führte zu einer breiten, halbrunden Treppe mit kleinen Stufen und endete schließlich vor einem Thron, dessen Lehne in mehrere Stufen bis fast unter die Decke des 20m hohen Dachstuhls gingen. Aufwendig verziert, mit verschiedenen Tierwesen, die dem Fremden nun bedingt verrieten wen sie darstellten saß ein alter, dünner Mann, mit langem weißen Haar in lange goldene Gewänder aus Seide gehüllt, mit schwarzen Rändern und Saum, übersät mit Namen seiner Vorgänger in altselvedarischen Schriftzeichen.

    Der Kaiser erhob sich. Seine Gesichtszüge drückten Strenge und Wohlstand aus, aber auch Weisheit über ein hohes Maß. "Du bist zurück Kreuzbube!" Er machte eine filigrane Handbewegung seiner langen Finger mit dem Zeichen zum Gruß. Feste ging in die Knie. "Seid gegrüßt mein Kaiser. Die Gefahr ist allgegenwärtig. Der Feind rückt auf die Dörfer vor." Schweigen. Immer ein sehr schlechtes Zeichen beim Kaiser. Doch der Agent wagte nicht aufzuschauen und hielt den Blick gesenkt. Es wäre einer Anmaßung ohne Gleichen, würde er ohne Erlaubnis oder das Wort an ihn den Blick zum Kaiser erheben. Dafür wurden schon Leute geköpft. "Ich bin enttäuscht!" Der Tonfall eines strengen Vaters der eines seiner Kinder maß regelt. Diese so freimütig heraus gesprochene Enttäuschung kam einer Ohrfeige gleich bei Hofe. Verurteilung fand niemals öffentlich statt. So war es in Sevelda üblich. "Dein Versagen hat viele unseres Volkes gekostet. Leid und Verderben ziehen über das Reich. Du wirst aller Dienste und Rechte enthoben!" Der Agent war geschockt, bis ins Mark erschüttert. Niemals zuvor gab es öffentlich diese Strenge. Abmahnungen und auch Entehrungen waren schon vorgekommen, doch stets im wohl gewählten Umfeld und niemals vor aller Augen, schon gar nicht im Thronsaal des Kaiserreichs und auch noch vom Kaiser selbst. Er wollte irgendwas sagen, irgendeine Reaktion, etwas was diese soziale Vernichtung von Stand und Bürger seiner Heimat unterbricht, aber er wahr wie gelähmt. "Bringt nun den Jungen!" Feste war verwirrt. Was für ein Junge... "Schaut her!" Nun endlich war es rechtmäßig den Blick zu heben. Der Narr folgte stumpf dem Befehl. Allein das klare Denken fiel ihm schwer, rasten seine Gedanken doch. Ein kleiner Junge wurde von einem der Wächter an der Seite die Stufen zum Thronsaal empor geführt. "Aviko!" Der Narr war nun mehr als perplex. Der Junge war vielleicht drei, höchstens vier Jahre alt. "Vater? Was möchte der Kaiser von mir?" Der Narr wusste es nicht. Er wusste es einfach nicht... Hilflos schaute er zwischen seinem Sohn und seinem Gebieter hin und her. Der Blick des Kaisers wurde strenger, fast kaltherzig. Er wandte sich mit einem Befehl an den Wächter der den Jungen hereinbrachte. "Nun tötet ihn!" "WAS!?" Der Wächter zögerte keine Sekunde und hob seine Hellebarde. "VATER?" der kleine Junge sah ihn mit panischen Augen an. Die goldene Klinge fuhr auf das hilflose Kind nieder. "NEEEEEIN!"

    Dick floss dunkles, unschuldiges Kinderblut die Treppenstufen hinab und tränkte den Teppich. Die Augen des Agenten füllten sich mit Tränen... was war er nur für ein Narr... "Für Euer Versagen die höchste Strafe!", hallten die Worte des Kaisers nach. "Eure Taten waren närrisch und als Narr müsst ihr gerichtet werden!" Der Wächter erhob erneut die von Blut getränkte Hellebarde. So kommt also das Ende... Feste schloss seine Auge, erwartete den letzten Hieb. Jeder Widerstand, jeder Lebenswille war eben ausgelöscht worden. Der Wächter holte Schwung, und drehte sich im Schlag zum Kaiser um seine Waffe auf ihn niedergehen zu lassen. "WÄCHTER!". Die Szenerie wurde im nächsten Moment absurd. Kaiser und Wächter verschwammen und auch der Raum zerfloss zu Staub der durch die Luft wirbelte, wie Sand. Der Wächter wandelte sich zu Harvald der mit großem Axtschwung auf den Kaiser einschlug. Der Kaiser wurde ganz fahl und seine goldene Robe wurde dunkel und fransig, bis schließlich erkennbar war, dass es nicht der Kaiser war, sondern der Herold der Angst. Nichts davon war echt. Es war alles nur Trug. Der Herold stieß den Dämonenjäger mit aller Wucht von sich. Gerade noch rechtzeitig, denn die Klinge kam ihm schon bedrohlich nahe. Er hatte sich durch dieses Harlekin ablenken lassen und musste nun sein dreckiges Grinsen über sich ergehen lassen. "Ihr habt verloren Klappergestell!" "Wiedereinmal voreilig! Ich habe den Axtschwinger abgewehrt." Er zeigte auf Harvald der einige Meter entfernt im Staub lag. "Oh, ich meine nicht ihn!" Der Herold schaute Feste mürrisch an, als sich etwas hart in seinen Rücken bohrte. Mit aufgerissenem Mund sackte dieser leicht zusammen und drehte sich unter Schmerzen herum zu Serafine. "Ich meine sie." Voller Zorn stemmte sich der Herold auf die Beine und zog den Bolzen aus seiner Schulter. Er umgriff den Hals des Narren, der noch immer benommen wahr und schleuderte ihn Richtung Zirkelgebäude, wo dieser durch ein Fenster im Inneren krachend verschwand. Zum Glück schaltete sich nun endlich auch der Drache ein und machte sich daran einen der Magier zu rösten. Doch auch dort gab es Probleme. Dieser Kampf lief ganz und gar nicht zu ihren Gunsten. Wird Zeit das die Horde hier wieder eintrifft. Er konnte sie schon in der Ferne hören. Doch zuerst musste dieses Balg daran glauben. Er grollte kurz und machte sich daran auf Serafine zu zugleiten.
     
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